"Varden", 15. 1. 99:

Wohin gehen die Smiths Freunde?

Jakin Sanna behauptet in einen Beitrag am 8. 1. des Jahres, die derzeitigen Leiter der Smiths Freunde hätten mit der Ansicht des Gründers bezüglich staatlicher Unterstützung und Organisation gebrochen. Sann hat zweifellos recht. Vor einigen Jahren erhielt ich eine Broschüre über "Die Christliche Gemeinde auf Brunstad in Stokke", verfaßt von Aksel J. Smith, einem der leitenden Brüder. Dort steht unter anderem:

"Wir haben nichts organisiert oder einen Namen angenommen und haben keine Mitgliederlisten. Wir haben keine bezahlten Vorsteher oder Prediger unter uns. Alles geschieht freiwillig und mit Freude. Alles auf Brunstad wurde größtenteils durch freiwillige Arbeit aufgebaut, und es waren Tausende von Arbeitsstunden und lange Reisen. Alles, was erbaut wurde, wurde durch freiwillige Spenden von unseren Freunden, nicht von außerhalb, bar bezahlt. Wir haben kein Ansuchen beim Staat oder bei der kommunalen Verwaltung gestellt."

Die Vorgangsweise, welche die Smiths Freunde benützen, um staatliche Unterstützung für die Mitglieder zu erhalten, ist jedoch sonderbar. Einem Beitrag im Sandefjords Blad vom 4. 2. 97 zufolge, verfaßt von Sigurd J. Bratlie im Namen der Leitung des Versammlungsortes Brunstad, werden Teilnehmerlisten von Versammlungen kombiniert mit persönlicher Unterschrift als Unterlage für Ansuchen um Unterstützung benützt. Die Gemeinde ist weiterhin nicht registriert, aber benützt das gesetzliche Recht auf Unterstützung, das dem der registrierten Gemeinden entspricht.

Neulich zeigte NRK [die staatliche norwegische Rundfunk- und Fernsehgesellschaft, Anm.d.Übers.] zur besten Sendezeit am Samstag ein Programm über die Gemeinde. Darin sah man u.a. etwas von dem gigantischen 4.300 Quadratmeter großen Versammlungshaus auf Grasmyr in Bamble, für das 21 Millionen Kronen an eingekauften Dienste und Materialien und 90.000 Stunden an freiwilliger Arbeitsleistung aufgewendet wurden. Als interessierter Beobachter durch viele Jahre hindurch wäre ich dankbar, wenn der Leiter der Christlichen Gemeinde in Grenland, Bjørn Nilsen, in dieser Spalte auf die folgenden Fragen antwortete:

1. Kannst du die heutige Praxis bezüglich öffentlicher Zuschüsse im Verhältnis zur Mitgliedschaft in der Gemeinde kurz beschreiben? Wird von der Unterstützung etwas lokal in Grenland bezogen, und wenn ja, wieviel?

2. Wurde für das Gebäude auf Grasmyr um öffentlichen Zuschuß angesucht? Wenn ja, wie hoch ist der Betrag?

3. Wurden die Gemeinden in Skien und Porsgrunn aufgelöst? Wurden die Versammlungslokale in der Mælagata und auf Kjølnes verkauft, und wenn ja, wurden die Verkaufserlöse für das Riesengebäude verwendet?

Danke im voraus für die Antwort
Hans Henrik Zimmermann

"Varden", 22. 1. 99:

Antwort auf den Leserbrief von Hans Henrik Zimmermann in "Varden" vom 15. 1. 99:

Die Gemeinde entstand dadurch, daß J.O. Smiths aus Horten im Jahre 1898 davon ergriffen wurde, für Gott zu leben und Gemeinschaft mit Jesus Christus als Haupt seines Leibes, welcher die Gemeinde ist, zu erhalten. Er wollte keine neue Bewegung mit einem Namen und einem Mitgliederverzeichnis gründen, wo man sich an- und abmelden konnte. Religiöse Parteien gab und gibt es genug. Er wollte auch nicht ein Pastor für eine Schar von Menschen sein, die seine Person bewunderten, sondern er sprach mit den Menschen, die er traf, und auf diese Weise gelangte er zu einer Gemeinschaft des Geistes mit jenen, die nicht durch Mitgliederlisten, sondern durch den gleichen Sinn und die gleiche Meinung miteinander verbunden waren. Dies war und ist eines der Hauptfundamente der Gemeinde - und das wird es auch in Zukunft sein.

Was den staatlichen Zuschuß betrifft, so ist es wichtig, zwischen zwei Dingen zu unterscheiden: dem staatlichen Zuschuß zum Betrieb und dem Gebietszuschuß für private Schulen und Kirchengebäude.

Der staatliche Zuschuß zum Betrieb von Gemeinden außerhalb der Norwegischen Kirche wurde in all den Jahren nur organisierten Freigemeinden gewährt. In der Mitte der Achtzigerjahre verfaßte der Staat zu diesem Gesetz eine zusätzliche Vorschrift, die besagt, daß auch nichtregistrierte Glaubensgemeinschaften um Unterstützung ansuchen können, wenn sie die Anzahl von Personen nachweisen können, die sich der Gemeinde angeschlossen haben.

Die Gemeinde suchte zum ersten Mal vor zwei Jahren um eine solche Unterstützung an. Vor diesem Zeitpunkt waren wir uns der zusätzlichen Vorschrift tatsächlich nicht bewußt. Wir suchen um diese Unterstützung auf der Grundlage von Listen von jenen Freunden an, die sich selbst als unserer Gemeinde zugehörig betrachten. Wir lehnen daher eine rechtmäßige staatliche Unterstützung auf gleicher Linie mit anderen gläubigen norwegischen Staatsbürgern nicht grundsätzlich ab, wenn sie nach unseren Kriterien gewährt wird. Aksel J. Smith schrieb die Broschüre "Die Christliche Gemeinde auf Brunstad in Stokke", bevor wir von dieser Möglichkeit wußten.

Der Gebietszuschuß für private Schulen und Kirchengebäude ist eine Regelung, die seit vielen Jahren existiert. Er hat seinen Namen und seine Basis entsprechend der gesellschaftlichen Entwicklung verändert. Zu Beginn war er mit einer Rückerstattung der Umsatzsteuer in Verbindung mit der Errichtung von Gebäuden zu dem erwähnen Zweck verbunden, später mit einer Rückerstattung der Mehrwertsteuer. Heute wird ein Gebietszuschuß gewährt. Die Gemeinde hat diese Regelung immer benützt. Auch in Verbindung mit unserem neuen Gemeinschafts- und Aktivitätszentrum auf Grasmyr haben wir darum angesucht und haben in diesen Tagen den Gebietszuschuß erhalten.

Der Ursprung aller drei Gemeinden hier im Bezirk führt sich auf die Tätigkeit von Andreas Nilsen in den Dreißigerjahren zurück. Er stammte aus Brevik und gründete die Gemeinden in Skien, Porsgrunn und Brevik. Nach den Maßstäben der damaligen Zeit war der geographische Abstand zwischen diesen drei Orten groß und die Kommunikation nicht so leicht wie heute. Es war damals natürlich, hier im Bezirk drei Gemeinden zu gründen. Mit unserer neuen und gewichtigen Etablierung von Grasmyr in Bamble war es natürlich, unsere Gemeindestruktur hier in der Grenlandregion neu zu gestalten, und es wurde beschlossen, alle Tätigkeit auf Grasmyr zu konzentrieren.

Die Liegenschaften Mælagata 9 in Skien und Rolandsvei 19 in Porsgrunn sind verkauft. Eidangerveien 10 in Brevik ist zu verkaufen, und die Einnahmen aus den Verkäufen werden in unser neues Gemeinschafts- und Aktivitätszentrum auf Grasmyr eingebracht.

Die Zukunft: Es gab in letzter Zeit einige Kritik an unserer Gemeinde. Die Kritik bezog sich meistens darauf, wir seien eine ultraradikale und fundamentalistische Sekte, die von Dogmen und festgelegten menschlichen Meinungen aus der Vergangenheit geleitet wird. Im Leserbrief "Wohin gehen die Smiths Freunde?" zielt die Kritik jedoch darauf, wir seien im Verhältnis zu unserem historischen Standpunkt zu liberal. Die Wirklichkeit zeigt, daß wir weiterhin Menschen sind, die ihre Gemeinschaft im Glauben auf die Lebenskräfte in dem Geist haben, den Johannes wie einen Fluß sah, der klar wie ein Kristall von Throne Gottes und des Lammes herabfloß. Überall, wohin diese Geisteskraft kommt, entsteht Gesundheit und Leben. Dieser Geist hat die vorwärtsgerichtetsten und besten Kräfte in sich, die es gibt. Wir sind Menschen, die heute mit dem gleichen Gebet in sich leben, das auch Jesus für seine Jünger hatte, nämlich: "Ich bitte dich nicht, daß du sie aus der Welt nimmst, sondern daß du sie vor dem Bösen bewahrst." Joh 17, 15. Wir wollen auch in Zukunft jene Justierungen unserer Entscheidungen vornehmen, die in einer natürlichen Entwicklung der Gesellschaft notwendig sind, so daß wir "uns die Welt zunutze machen, als nutzten wir sie nicht", 1 Kor 7,31. Eine weitere Diskusion über diese Dinge durch die Presse ist von uns aus nicht aktuell.

Die Christliche Gemeine in Grenland,
Bjørn Nilsen

"Varden", 29. 1. 99:

Braut oder Hure?

Dank an den Vorsteher Bjørn Nilsen, DKM ["Die Christliche Gemeinde", Anm. d Übers.] Grenland, für die Antwort in Varden" vom 22. 1. 99. Auch wenn Nilsen keine öffentliche Diskussion wünscht, verdienen seine Behauptungen einen Kommentar.

Das Selbstverständnis der Smiths Freunde war die ganze Zeit über an die biblischen Symbole Braut und Hure geknüpft, wobei die Braut sie selbst sind. Die Hure ist der übrige religiöse Haufen von Kirchen, Gemeinden und Organisationen. Die Braut und die Hure sind totale Gegensätze, jede mit ihrer besonderen Eigenart, Entwicklung und Zukunft. Sigurd Bratlies Buch "Die Braut und die Hure" vertieft dies mit aller möglichen Deutlichkeit.

Die Hure hat viele Töchter mit selbstgewählten Namen, Organisationen und Mitgliederverzeichnissen, mit berufsreligiösen Dienern und Unterstützung von den "Heiden", dem Staat. Die Braut ist auf jede Weise anders, ohne eigenen Namen, Organisation, Mitgliederverzeichnis, bezahlte Diener und jegliche staatliche Unterstützung. Dies wird in der Broschüre bestätigt, die ich in meinem vorhergehenden Beitrag erwähnte, "Die Christliche Gemeinde auf Brunstad in Stokke" von Aksel J. Smith. Aber, wie Nilsen erklärt, wurde diese geschrieben, bevor man die Möglichkeiten sah!

Das Gesetz "Über Glaubensgemeinschaften und verschiedenes anderes" vom 13. 6. 69 wurde von vielen als eine wesentliche Verbesserung des alten Gesetzes über die "Dissenter-Gemeinden" [nicht der Norwegischen Kirche angehörenden Glaubensgemeinschaften, Anm.d. Übers.] betrachtet. Auf viele Weise wurden andere religiöse Gemeinschaften nun der Staatskirche gleichgestellt, u.a. bezüglich der Unterstützungsregeln, aber auch der Pflichten. Z.B. entschlossen sich die meisten Pfingstgemeinden, sich gemäß dieser Regelung registrieren zu lassen. Aber mehrere Gruppierungen sahen darin kein Privileg, in die Kategorie "Staatskirche light" zu gelangen, und bemühten sich um eine Zuschußordnung ohne jede Bedingung.

Diese wurde schließlich durch einen Zusatz zum Gesetz, 19a, bewilligt und am 12. 8. 81 angenommen. Damit konnte Unterstützung auch "anderen organisierten Glaubensgemeinschaften" ebenso wie den registrierten gewährt werden.

Diese Regelung, die also bald 18 Jahre lang existiert hat (mit entsprechendem Echo in der Presse, als sie inkraft trat), wurde von den Smiths Freunden, wie sie behaupten, erst vor zwei Jahren entdeckt. Die ganze Wahrheit? Wohl kaum.

So lange Sigurd Bratlie lebte und die Fäden in seiner Hand hielt, war staatliche Unterstützung in irgend einer Form überhaupt kein Thema. Die Quelle für die Unterstützung war ja, unabhängig von Bedingungen, die gleiche, nämlich der säkulare Staat. Dies wurde früher zurückgewiesen, u.a. mit Berufung auf Gen 14,22-23 und 3 Joh 7-8. Der Mann, der "Die Braut und die Hure" schrieb, wollte sich nicht selbst widersprechen.

Nach Bratlies Tod gab es überraschend schnelle und viele Veränderungen. Z.B. gibt es jetzt einen offiziellen Namen ["Die Christliche Gemeinde", Anm.d.Übers.], der als Vignette in allen Zusammenhängen nach außen hin verwendet wird, u.a. bei der Ankündigung von Versammlungen. Die Gemeinden haben neue Vorschriften angenommen, in denen die Organisationsstruktur durchgeführt ist und die Leitung auf Brunstad entscheidenden Einfluß hat. Niemand kann ohne ihre Zustimmung [örtlicher] Vorsteher werden. In allen Dingen, in denen die örtlichen Leitungen nicht einstimmige Beschlüsse fassen, soll die Leitung in Brunstad die Entscheidung treffen. Mitgliederlisten und Ansuchen um öffentliche Unterstützung wurden zur Gewohnheit. Nilsen zieht für diese Entwicklung den Schluß: "Wir wollen auch in Zukunft jene Justierungen unserer Entscheidungen vornehmen, die in einer natürlichen Entwicklung der Gesellschaft notwendig sind, so daß wir 'uns die Welt zunutze machen, als nutzten wir sie nicht', 1 Kor 7,31."

Ist es vielleicht auch an der Zeit, die Lehre von der Braut und der Hure einer Revision zu unterziehen?

Hans Henrik Zimmermann