Abschluss und Verabschiedung durch Friedrich Griess

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde,

 

ich denke, es wurde in diesen beiden Tagen offensichtlich, dass unsere Angelegenheit von höchster politischer Bedeutung ist, nicht im Sinne von Parteipolitik, von der sich FECRIS fernhält, sondern im Sinne von Sorge für die Gesellschaft und im Sinne der Zusammenarbeit mit den politischen Behörden. FECRIS wird dies auf europäischer und internationaler Ebene tun. Wir haben bereits eine ausgezeichnete Zusammenarbeit mit dem Europarat erreicht, wir sind bei der OSZE [1] anwesend, wir haben uns bemüht, die Europäische Union auf unsere Existenz aufmerksam zu machen, und wir werden hoffentlich in der Lage sein, dies auf der Ebene der Vereinten Nationen zu tun. [2] Es ist nun Ihre Aufgabe, die der Vereinigungen in den betreffenden Ländern, mit Ihren Regierungen und Abgeordneten zu sprechen. Wenn Sie Unterstützung durch FECRIS benötigen, lassen Sie es uns bitte wissen. Ich stelle mit großer Freude fest, dass russische Behörden und staatliche Vertreter aus Belgien, Deutschland, Frankreich, der Slowakei und Zypern mit uns an dieser Tagung teilgenommen haben.

Zusammenarbeit auf diesem Gebiet ist sehr wichtig, denn die Sekten operieren global und unsere Bemühungen, sie in die Schranken zu weisen, müssen auch global erfolgen. Es ist unproduktiv für uns, wenn eine dieser Gruppen in einigen europäischen Ländern als Religion anerkannt wird, während andere Länder sie als kommerzielle oder sogar kriminelle Einheit betrachten. Manchmal scheint diese Zusammenarbeit wegen kultureller Verschiedenheiten und Sprachproblemen schwierig zu sein. Die Lösung dafür sollte mit äußerster Sorgfalt gesucht werden. Wir sollten uns bewusst sein, dass FECRIS eine unterstützende und keine beherrschende Struktur sein möchte. 

            Wir müssen verstehen, dass die Welt, die uns gegenübertritt, nicht schwarz/weiß ist. Es gibt graduelle Unterschiede und es mag sogar in traditionellen Religionen sektiererische Tendenzen geben. Wir dürfen nicht oberflächlich sein, sondern wir müssen die Umstände genau untersuchen. Wir kämpfen nicht gegen Menschen und auch nicht gegen Gruppen. Unser Ziel ist es, ein Verhalten zum Verschwinden zu bringen, das Menschenrechte und  menschliche Freiheiten ablehnt, wie es Professor Dvorkin in seinem Eröffnungsvortrag erklärt hat und wofür unsere französischen Freunde eine sehr passende Bezeichnung gefunden haben: „dérive sectaire“ : sektiererischer Abweg.

            Sekten operieren mit Gefühlen. Wir sollten das rationale Denken nicht über Bord werfen, aber dieses allein wird wahrscheinlich das Problem nicht lösen.

            Schließlich sollten wir uns dessen bewusst sein, dass Gesetze allein, sogar gute Gesetze wie das französische Gesetz “About-Picard”, das Problem auch nicht lösen werden. Wie Jean-Pierre Jougla erklärte, würden übertriebene Gesetze ebenfalls die Menschenrechte verletzen. Unsere wichtigste Waffe ist die Information. Der Erfolg der Sekten beruht auf Lügen. Leider glauben die Leute gerne an Lügen.  Durch Information können die Lügen bloßgestellt werden.

            Nochmals Dank an die Universität von St. Petersburg, die diese Konferenz ermöglichte, an das Reisebüro, das unseren Aufenthalt so angenehm machte, an die ausgezeichneten Dolmetscher, an alle Sprecher und schließlich an Sie alle, die Sie von Nah und Fern gekommen sind. Willkommen bei der nächsten Konferenz, die hoffentlich 2010 in London stattfinden wird.


[1] Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa

[2] Dies erfolgte bereits wenige Tage später, am 20. Mai 2009, durch die Zuerkennung des Speziellen beratenden Status durch den Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC)