Lorita Tinelli (Italien)

Vorsitzende von CeSAP[1]

 

Arkeon: ein perfektes Beispiel einer “Psycho-Sekte” in Italien

 

Als Expertin auf dem Gebiet des Sektenphänomens hatte ich infolge einer Anzahl von Ersuchen um Hilfe bereits 1996 mit der Arkeon-Bewegung zu tun. In dieser Zeit hatte diese Gruppe einen anderen Namen und ihre Arbeitsweise war von ihrer später angenommenen wesentlich verschieden.

 

Damals folgte die Gruppe der Reiki-Philosophie, einer Art von „intelligenter Energie“ göttlichen Ursprungs, die durch die vom Meister während Versammlungen durchgeführten Initiationen frei in den Händen der initiierten Anhänger fließen würde. Eine solche Energie sollte die Gabe der Heilung des Körpers und der emotionalen Sphäre besitzen und die die Krankheit verursachenden Emotionen an die Oberfläche bringen. Der Leiter der Gruppe behauptete, seine Quellen seien die des Mönchs USUI, dem Entdecker der Methode.

 

Bis 2000 wurden die Meister, die von Leiter initiiert wurden, alle ohne Unterschied „Reiki-Meister“ genannt, erst später wurden durch die Errichtung einer Vereinigung, die „Der geheiligte Pfad“ genannt wurde, zwei verschiedene Ebenen eingeführt: die erste Ebene betraf die „Arkido-Meister“, zur zweiten Ebene gehörten die „Arkeon-Meister“

 

Inzwischen hatte der Gründer Vito Carlo Moccia eine komplexe Theorie ausgearbeitet, mit der er versuchte, seiner eigenen Gruppe einen wissenschaftlichen Anstrich zu verleihen. Die Theorie war hauptsächlich auf einem dynamischen „Körper“ begründet, der sich im Laufe der Jahre verändert, indem er Inspiration von verschiedenen mehr oder weniger anerkannten philosophischen und psychologischen Schulen bezog.

 

Die Arbeit der Gruppe konzentriert sich hautsächlich auf die Elterngestalten oder auf lange Emotionen (Zorn, aber auch Furcht und emotionalen Schmerz), die man möglicherweise gegenüber seinen Eltern empfindet. Durch die Anwendung verschiedener Techniken während der von der Gruppe organisierten Workshops wurden die Leute in einen Zustand hoher emotioneller Erregbarkeit versetzt, und dann (im Allgemeinen am ersten Tag des Workshops der ersten Ebene) wurden sie ersucht, Kreise zu bilden, gewöhnlich mit 20 bis 60 Personen, in welchen die Teilnehmer, die ihre Augen geschlossen halten mussten, durch die Worte des Meisters eingeladen wurden, zur Zeit ihrer Kindheit zurückzukehren und sich selbst als kleine Kinder zwischen 3 und 6 Jahren darzustellen, die vor ihren Eltern standen.

 

An diesem Punkt ersuchte sie der Meister, zu „überprüfen“, wer neben ihnen stünde, und zu beobachten, wie sie sich fühlten, als sie vor dieser Person standen. Einige erkannten ihre Väter, andere sahen ihre Mütter, und andere sahen niemanden und begannen entsprechend ihrer speziellen Einstellung und persönlichen Geschichte vor Schmerz vor diesen Eltern zu weinen und zu schreien, von denen sie sich entfernt gefühlt hatten oder die ihnen in ihren Augen nicht den nötigen Schutz usw. gewährt hatten, entsprechend der Richtung, in welche die Stimme und die Befehle des Meisters sie leiteten.

 

Jene Leute, die die Gruppe verließen, beschrieben das als eine „niederschmetternde Erfahrung“, sowohl jene, die zum ersten Mal dabei waren, als auch jene, die regelmäßig an den Workshops teilnahmen. Erregung von Homosexualität ist auch eine der Lieblingstheorien innerhalb der Gruppe. Sie wird induziert durch eine Erfahrung mit einer „perversen“ Mutter, die ihre erotische Ladung auf ihr Kind loslässt und ihm gleichzeitig die Befriedigung seiner grundlegenden Bedürfnisse versagt. Neben der Theorie der perversen Mutter gibt es auch jene des „pädophilen“ Vaters. Dieser Pädophile ist ein Werkzeug in den Händen der Mutter, die ihn dazu benützt, um ihre Absicht zu erreichen, nämlich die Kinder an sich gebunden zu halten und sie so daran zu hindern, erwachsen zu werden. Meistens werde der Pädophile, der in das Leben der Kinder eintritt, von der Mutter dorthin gebracht (die Die Eine ist, „die ihre Kinder dem Pädophilen zuführt“), aber er kann auch von Großmüttern oder Tanten eingeführt werden, die sich anbieten, die Mutter in dieser Funktion zu ersetzen, aber immer in Übereinstimmung mit ihr..

 

Ohne ins Detail solcher weitläufiger und komplexer Theorien zu gehen, will ich nur die Ergebnisse aus diesen Erfahrungen zusammenfassen, auf der Grundlage der Fallstudie, die mit der obgenannten Gruppe ausgeführt wurde.

 

Die ersten Anfragen, die ich erhielt, kamen von Eltern, die sahen, dass ihre Kinder sie abwiesen und sie anklagten, pervers zu sein. Viele Söhne und Töchter hatten, bevor sie das Elternhaus verließen, all ihren Schmerz den Eltern zur Last gelegt und behauptet, sie hätten selbst den sexuellen Drang der Eltern ihnen gegenüber entdeckt. Offensichtlich stimmen solche Erinnerungen nicht mit der Realität überein.

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Später konzentrierten sich die Anfragen, die ich erhielt, darauf, was innerhalb der Gruppe selbst geschah. Infolge einer Reihe von Übungen, die während der Workshops ausgeführt wurden („no limits“, die Stuhl-Übung…), hatten viele Leute berichtet, sie hätten körperlichen und psychologischen Missbrauch erfahren.

 

Da die Arkeon-Gruppe derzeit einer kriminellen Untersuchung unterzogen wird, kann ich nicht in weitere Details gehen, daher möchte ich meinen Bericht auf die Ereignisse beschränken, deren Protagonisten Mitglieder von CeSAP sind.

 

2005, nach einer Beschwerde, die ein ehemaliges Mitglied der Arkeon-Gruppe bei der italienischen Questura[2] eingebracht hatte, ersuchte mich DIGOS[3] ausdrücklich um eine detaillierte Studie der Arkeon-Gruppe, welche die Daten enthalten sollte, die ich seit 1996 gesammelt hatte.

 

Im Januar 2006 wurde ich gemeinsam mit zwei ehemaligen Arkeon-Anhängern zu einer Fernsehshow eingeladen, die auf nationaler Ebene ausgestrahlt wurde und in der drei Episoden diesem Gegenstand gewidmet waren. Nach meinem Auftritt im Fernsehen klagte uns der Leiter der Gruppe wegen schwerer Verleumdung und forderte 4 Millionen Euro als Wiedergutmachung. [4]

 

Inzwischen begannen in der FORUM-Sektion unserer Website viele ehemalige Arkeon- Anhänger über ihre Erfahrungen vieler Jahre innerhalb der Gruppe zu berichten und bestätigten so, was sich schon während des Fernsehprogramms herausgestellt hatte. Inzwischen hatte auch Arkeon eine einstweilige Verfügung zur Schließung zuerst der Website von CeSAP und dann schließlich des FORUM selbst gefordert. Solche Forderungen hatten CeSAP bereits im Februar 2006 erreicht.

 

Gleichzeitig gab gemäß den Angaben vieler ehemaliger Anhänger der Leiter im April 2006 seinen Anhängern den Auftrag, eine Strafanzeige wegen schweren Betrugs gegen zwei ehemalige Anhänger, die bei der ersten Fernsehshow im Januar 2006 aufgetreten waren, und nochmals gegen mich zu erstatten. Über 70 Klagen gegen uns wurden bei verschiedenen Staatsanwaltsbüros in Italien eingebracht.

 

Im Juli 2006 wies der Richter im Zivilverfahren die Forderung nach einstweiliger Verfügung der Schließung der Website ab, nicht nur wegen der Äußerungsfreiheit, sondern er pries auch die Aktivität der CeSAP als Schutz der Opfer vor “falschen Psychotherapien“.

 

Im Oktober 2006 bezog sich eine andere Fernsehshow (Mi Manda Rai 3) des nationalen Fernsehdienstes RAI auf den Arkeon-Fall und stellte sowohl den Opfern als auch einigen Vertretern der Arkeon-Gruppe einschließlich ihrem Leiter Sendezeit zur Verfügung. Während der Show stellte sich heraus, dass weder der Leiter noch seine Anhänger die nötigen Qualifikationen besaßen, um die Tätigkeiten auszuüben, die sie während der Workshops darboten, und Leiter selbst gab zu, die Missbräuche erfahren zu haben, welche die Opfer der Polizei berichteten.

 

Nach der Fernsehshow trafen 9 Anträge auf Rücknahme der Anzeige ein, aber gleichzeitig begannen viele Gruppen von Unterstützern eine Verleumdungskampagne gegen mich und die Opfer, die den Behörden über die Gruppe berichtet hatten. Gleichzeitig wurde eine Untersuchung begonnen, die im Oktober 2007 mit einem Beschlagnahmebefehl für Arkeons Sites und Aktivitäten und mit einer Anklage wegen krimineller Verschwörung zum Zweck des Betrugs, sexueller Belästigung, privater Gewaltausübung, Missbrauch Minderjähriger, unberechtigter Ausübung psychologischer und medizinischer Berufstätigkeit und Verleumdung von 6 Mitgliedern der Arkeon-Gruppe, einschließlich ihres Leiters, endete. Inzwischen wurde das Zivilverfahren gegen CeSAP fortgesetzt, bis der Beginn eines Strafverfahrens gegen Arkeon seine Aussetzung bewirkte.

 

Während der Verfahren genoss CeSAP die wirkungsvolle Unterstützung durch den Berufsstand der Psychologen und die CODACONS[5], die beide eine zivile Aktion zur Unterstützung von CeSAP einrichteten. Eine solche Erfahrung der Zusammenarbeit hat uns ermöglicht, die Nützlichkeit eines Netzwerks zu verstehen, das aus Menschen mit denselben Zielen besteht, als Stärke und Schutz gegen ungesetzliche Angriffe durch sektiererische Organisationen.

 

Mein heutiger Vorschlag besteht darin, dass FECRIS nicht nur ein Netzwerk für den Austausch von Informationen zwischen den Mitgliedervereinigungen sein soll, sondern auch ein PUNKT DER STÄRKE für alle diese Vereinigungen, die sich selbst Erfahrungen wie dieser ausgesetzt sehen, die wir als Einzelpersonen durchmachten. Diese Erfahrungen, wenn ihnen jeder für sich allein gegenübersteht, neigen dazu, die Aktivitäten zu behindern und die Vereinigungen selbst vom Gesichtspunkt der inneren Stärke und der wirtschaftlichen Situation aus zu schwächen. Zusammenarbeit mit großen Institutionen während verschiedener Prozesse kann zu sicheren Siegen führen, während wir auf passendere Gesetze warten, und die Zusammenarbeit demonstriert eine Stärke proportional zu jener der sektiererischen Organisationen, die alle ihre Aktionen auf das Wissen gründen, dass sie nur gegen ehernamtliche Vereinigungen zu „kämpfen“ haben.

 



[1] Centro Studi Abusi Psicologici - Zentrum des Studiums psychologischer Missbräuche, Korrespondent von FECRIS, http://www.cesap.net/

[2] Polizei

[3] Divisione investigazioni generali e operazioni speciali – Abteilung für allgemeine Untersuchungen und spezielle Operationen

[4] 5. November 2008 – Ancona - Abweisung der Verleumdungsklage: der fragliche Tatbestand stellt kein Verbrechen dar. Dasselbe hatte sich bereits in Rom ereignet. Weitere Angriffe hatten bereits Ergebnisse zugunsten von Lorita Tinelli an verschiedenen Orten Italiens und auf verschiedenen Ebenen von Urteilen.

[5] Coordinamento Delle Associazioni per la Difesa dell'Ambiente e dei Diritti Degli Utenti E Dei Consumatori – Koordinatition der Vereinigungen zur Verteidigung der Umwelt und der Rechte der Benutzer und Konsumenten