FECRIS bei Gesprächen über Psychologie

Gegründet 1994 in Paris, umfasst FECRIS heute 54 Vereinigungen, davon 49 in Europa in den 27 folgenden Ländern:

Armenien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Malta, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Russland, Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Spanien, Ukraine, Weißrussland, Zypern,

und in 4 Ländern außerhalb Europas:

Argentinien, Australien, Israel, USA.

Die Mitgliedvereinigungen verpflichten sich den Statuen und ethischen Grundsätzen, vor allem der religiösen und politischen Neutralität.

Sie verfolgen gemeinsame Ziele, vor allem das der Verteidigung von Opfern der Machenschaften von Organisationen oder Personen, deren Praktiken der Universellen Erklärung der Menschenrechte, der Europäischen Konvention über die Menschenrechte, der Internationalen Konvention der Kinderrechte und den nationalen und europäischen Gesetzgebungen widersprechen.

Um ihre Ziele zu erreichen, hat FECRIS den partizipativen Status beim Europarat in Straßburg erhalten, nach mehr als 4 Jahren der Blockierung und des erbitterten Lobbying vonseiten der Akteure der prosektiererischen Bewegungen, die in die Dienste dieser Institution eingedrungen waren. Das Verfahren wird normalerweise in weniger als einem Jahr abgeschlossen.

Es ist für unsere Föderation von höchster Wichtigkeit, an Institutionen teilzunehmen, deren Charts sich auf die universalen Werte der Menschenwürde, der Freiheit, der Solidarität, mit anderen Worten auf die fundamentalen Menschenrechte begründen, Rechte, die durch das Prinzip der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit gewährleistet sind.

Die Nutznießung dieser fundamentalen Menschenrechte ziehen Verantwortlichkeiten und Pflichten sowohl gegeneinander als auch gegenüber der menschlichen Gemeinschaft nach sich.

Leider müssen wir jedoch feststellen, dass die Sekten, weit davon im Sinne der erwähnten Werte zu arbeiten, die Sekten diese Werte verhöhnen und sie ganz zu ihrem Vorteil ausnützen.

Das Europäische Parlament und der Europarat haben sind sehr spät für die Ausbreitung der Sektenphänomens interessiert, das sich in Europa nach den USA in Form der Vereinigungskirche (Moon-Sekte) ausbreitete.

Herausgefordert durch die Notlage von Familien haben zwei Abgeordnete in den Jahren 1984 (Cottrell) und dann 1992 (Hunt), also im Abstand von 7 Jahren, bei der Parlamentarischen Versammlung des Europarats einen  Bericht hinterlegt. Man muss erkennen, dass sieben Jahre des Nachdenkens Zeichen eines Nachdenkens sind, das kaum Fortschritte macht.

Tatsächlich ändert sich von 1984 bis 1992 die Überschrift des Berichts von „Bericht über die Aktivität der Neuen Religiösen Bewegungen, NRM [1] “ zu „Entschließung über eine gemeinsame Aktion der Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft infolge verschiedener Gesetzesverletzungen, die durch neue Organisationen begangen werden, die unter der Decke der Religionsfreiheit agieren“.

Es ist interessant zu bemerken, dass der Prozess der Indoktrinierung und die Techniken, die in diesen Berichten beschrieben sind, jenen gleichen, die wir 24 Jahre später kennen: Verlust der Kontakts mit dem Anhänger, Isolation von den Angehörigen, spezielle Ernährung, erschöpfende Arbeiten mit dem Ziel der besseren Unterwerfung. Die genannten Organisationen sind heute immer noch aktiv, sei es in Westeuropa, sei es in Osteuropa,  wo sie nach den Jahren der spirituellen Trockenheit  der Sowjet-Ära die Plätze ihrer Wahl erringen konnten.

Jedoch hat sich die Diskussion im Laufe der Jahre beruhigt und gesetzliche Maßnahmen hur Regelung des Problems sind nicht mehr auf der Tagesordnung.

Der Europarat hat durch seine Kommission für Rechtsfragen die Mitgliedstaaten ersucht, sich damit zu beschäftigen und Berichte über die örtlichen Probleme und Praktiken zu verfassen.

Das Ergebnis war die Empfehlung 1178 bezüglich der Sekten und neuen religiösen Bewegungen.

Die Empfehlung 1178, die den Aktivitäten  der Sekten durchaus einen besorgniserregenden Charakter zuerkennt, fordert die staatlichen Autoritäten auf, sich Maßnahmen zu enthalten, die auf eine Beurteilung bezüglich Glaubensvorstellungen begründet sind.

Daher empfiehlt sie „ein Bildungsprogramm, das eine konkrete und objektive Information über die Hauptreligionen sowie über die persönlichen und sozialen Rechte enthalten soll“.

Der Schutz von Kindern hat Priorität, die soziale Absicherung der Arbeiter in den Sekten ist gewünscht.

Zwischen 1996 und 1999 verfassen Belgien, der deutsche Bundestag, Frankreich und die Schweiz als Folge des Massakers der Sonnentempler parlamentarische Berichte, die mit anderen Berichten von Experten dazu benützt werden, eine neue Empfehlung zu verfassen, das Dokument # 8373, genannt der Nastase-Bericht nach dem Namen des rumänischen Abgeordneten, der ihn vorgestellt hat.

In diesem Dokument empfiehlt die parlamentarische Versammlung dem Ministerrat, Aktionen der Bildung und der Information zu unternehmen, und fordert, dass den Sekten und neuen religiösen Bewegungen, die gebührend registriert sind, eine juristische Persönlichkeit zugestanden wird.

Punkt 5 dieser Empfehlung legt fest, dass es nicht nötig ist zu definieren, was Sekten sind, und auch nicht, ob sie eine Religion sind oder nicht. Er bemerkt jedoch, dass abwegige  Gruppen eine lebhafte Unruhe hervorrufen.

Die Versammlung setzt den Akzent auf die demokratischen Werte unserer Gesellschaft und meint, die Aktivitäten der beobachteten Gruppen sollten mit den fundamentalen Rechten unserer Gesellschaft und insbesondere mit den folgenden Artikeln übereinstimmen: Artikel 9 der Europäischen Konvention über die Menschenrechte, betreffend die Gedanken-, Religions- und Gewissensfreiheit, Artikel 10, betreffend die Äußerungsfreiheit, und Artikel 11, betreffend die Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit.

Schließlich empfiehlt die Parlamentarische Versammlung des Europarats die Schaffung von regionalen Observatorien, die von den Staaten unabhängig sind, und eines europäischen Observatoriums.

Der letzte Punkt betont die Erziehung der Kinder. Die Nichteinschulung von Kindern ist ein Risikofaktor für die Gesundheit des Kindes und der Gesellschaft, und die Versammlung besteht auf dem Unterricht der großen Ströme der Philosophie, des Denkens, der Religion ebenso wie der Geschichte, die wichtige Faktoren für die Entwicklung des zukünftigen europäischen Bürgers sind.

Die Kinder sollten vor allem vor schlechter Behandlung wie Vergewaltigung, mangelnde Fürsorge und Gehirnwäsche geschützt werden.

NGO-s für die Opfer und die Familien der Opfer sollen geschaffen werden, vor allem  in Mittel- und Osteuropa.

Der Ministerrat steht in voller Übereinstimung mit diesen Empfehlungen.

Der Europarat betrifft derzeit 850 Millionen Europäer in 47 Ländern und ist die einzige Tribüne der Zivilgesellschaft. Er ist ein Gebäude auf 4 Pfeilern: dem Ministerrat, der Parlamentarischen Versammlung, dem Kongress der örtlichen und regionalen Behörden und der INGO-Konferenz, die 408 INGO-s mit partizipativem Status umfasst und der die FECRIS angehört.

Die INGO-Konferenz arbeitet in thematischen Kommissionen, welche aktuelle gesellschaftliche Probleme behandeln, unter anderen die Menschenrechte, die Gesundheit, den soziale Zusammenhalt, Bildung und Kultur. Die zusammengefassten Arbeiten der Kommissionen müssen zu den politischen Instanzen gelangen, um wirkungsvoll zu sein.

Ein NGO kann auch ein Resolutionsprojekt vorschlagen, das von einem Parlamentarier verteidigt werden soll.

Jedoch bleibt, 15 Jahre nach der Entschließung 1178, 8 Jahre nach der Empfehlung 1412, die Frage der Sekten in Europa akut, und man fragt sich mit Recht, ob der Bürger genügend informiert und geschützt ist, ob die Länder in Mittel- und Osteuropa von der versprochenen Hilfe Nutzen gehabt haben, ob die Hilfszentren für die Opfer eröffnet wurden, ob der Schutz für die Kinder vorhanden ist.

Zwei andere internationale Institutionen sind vom Problem der sektiererischen Abwege im Rahmen ihrer Abteilungen für Menschenrechte betroffen.

Vor allem die Organisation der Vereinten Nationen, die UNO, deren Werte sich mit denen der europäischen Institutionen vereinigen. Leider haben hier einige sektiererische NGO-s einen beratenden Status erhalten. FECRIS hat diesen Status heuer zum zweiten Mal beantragt; beim ersten Mal ohne Ergebnis.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, OSCE/OSZE, deren Sitz sich in Wien befindet, und das Büro der demokratischen Institutionen und der Menschenrechte, BIDDH [2] ,  in Warschau. Der Bericht der Miviludes aus dem Jahr 2007 beklagt mit Recht die Instrumentalisierung dieses Organs durch sektiererische NGO-s. Einer der Vertreter der FECRIS beim Forum 2007 der BIDDH in Warschau, Jean-Pierre Jougla, forderte die Verantwortlichen des BIDDH auf, sich nicht bezüglich der Opferrolle täuschen zu lassen und sich nicht durch die Doppelzüngigkeit jener missbrauchen zu lassen, die zu dem einzigen Zeck auf ihre Tribüne kommen, um in den Berichten über ihre Arbeiten aufzuscheinen und sich dadurch zu legitimieren.

Danièle Muller-Tulli

Juli 2008

 



[1] New Religious Movements

[2] Bureau des Institutions Démocratiques et des Droits de l’Homme