Eröffnung der Konferenz

 

Tom Sackville, Vorsitzender der FECRIS und des Family Survival Trust (UK):

 

Guten Morgen, sehr geehrte Damen und Herren,

 

vielen Dank Ihnen allen, dass Sie gekommen sind. Leider vermissen wir unsere italienische Delegation und fast all Delegierten aus Osteuropa. Gestern saß eine Menge Leute an Flughäfen fest und konnten wegen der  Vulkanwolke nicht kommen.

 

Nicht zum ersten Mal hat Island, diese schwefelige kleine Insel, Einfluss auf uns ausgeübt. Es gab Bankenkrisen und Fischereikriege. Aber in der Tat ist das Ergebnis bemerkenswert angesichts dessen, was wir gestern früh befürchteten. Die meisten von Ihnen haben den EUROSTAR benützt. Der Kanaltunnel ist natürlich das Ergebnis jenes denkwürdigen Tages, an dem Frau Thatcher und Herr Mitterand beschlossen, in Richtung des jeweils anderen zu graben, die eine von Folkestone, der andere von Calais aus, und einander tatsächlich am selben Ort in der Mitte trafen. Angesichts der Geschichte unserer beiden Länder war das eine außerordentliche Großtat. Daher Dank Ihnen allen für Ihr Kommen, besonders dem irischen Kontingent, das wie ich denke herübergeschwommen sein muss.

 

Die meisten unserer Sprecher konnten anwesend sein und wir haben eine sehr vielfältige Liste von Leuten aus Großbritannien, Frankreich, Belgien, Russland, Italien (vertreten durch Pietro Amati). Leider können wir Ursula Caberta aus Deutschland nicht hören, aber wir haben noch immer eine abwechslungsreiche Konferenz, die viele verschiedene Aspekte des Problems behandeln wird, das uns alle angeht.

 

Nur einige einführende Bemerkungen, bevor ich die Konferenz eröffne. Für mich als Vorsitzenden der FECRIS und auch unserer gastgebenden Organisation, des Family Survival Trust, ist Audrey Chaytor, die demnächst zu Ihnen sprechen wird, jene Person, welche in diesem Land die Fahne betreffend Sekten viele Jahre lang hochgehalten hat. Für mich ist FECRIS außerordentlich wichtig, denn es stellt eine Zusammenarbeit von Leuten dar, die versuchen, gegen Organisationen, die jetzt infolge ihres wirtschaftlichen Reichtums und ihrer PR-Möglichkeiten eine außerordentliche Macht haben, Widerstand zu leisten: es ist entscheidend, dass jemand für jene, die versuchen, den verheerenden Auswirkungen von Sekten zu widerstehen, als Schirm fungiert, ob es nun der Schaden ist den sie Individuen oder Familien zufügen. Wir sehen, dass einige Sekten ziemlich lange Zeit hindurch Einfluss ausüben konnten: der schändliche Vorfall in den frühen Neunzigerjahren in den Vereinigten Staaten, als Scientology als offenbares Ergebnis des Schikanierens und Manipulierens von Beamten der US-Regierung Steuerfreiheit erlangte, gibt einen Vorgeschmack … das war vor einiger Zeit, und ich glaube nicht, dass sich daran überhaupt etwas verbessert hat!

 

Ich denke, unsere Institutionen sind sehr anfällig für den Einfluss von Sekten, die – seien wir ehrlich – auf ganz professionelle Weise legale und PR-Fachkenntnisse benützen, um zu bekommen, was sie wollen.  Es gibt derzeit sehr sehr wenige Länder in der Welt, in denen die Leute sich dagegen gewehrt haben, was die Sekten zu tun versuchen. Natürlich Frankreich, Deutschland, Belgien, Russland ….. es gibt noch andere, aber diese zeichneten sich aus. Ich fürchte, wir haben in diesem Land  bezüglich Sekten auf dem öffentlichen Sektor niemals wirklich etwas weitergebracht. Vor langer Zeit hat unsere Regierung offenbar entschieden, dies sei etwas, in das sie nicht verwickelt werden möchte. Es war zu kompliziert, die betreffenden Beamten wollten dem nur aus dem Weg gehen, da sie Probleme bezüglich Gesetzgebung und Definition sahen. Entweder aus Faulheit, Inkompetenz oder Feigheit hatten wir in diesem Land eine Situation, in der Audrey Chaytor und ihre KollegInnen wirklich darin eine einsame Stimme waren im Versuch, dem zu widerstehen, was sich bei Scientology und bei anderen Sekten abspielte.  Daher können wir Ihnen in diesem Land keine wirklichen Lehren darüber erteilen, wie hier vorgegangen werden sollte. Aber wir tun weiterhin unser Bestes, um die Fahne hochzuhalten, sicherzustellen, dass irgendjemand seine Stimme gegen Sekten erhebt, weil sonst alles standardmäßig abläuft, und das ist sehr traurig, traurig auf menschlicher Ebene und auf der Ebene der Gesellschaft.

 

Dazu möchte ich gerne eine persönliche Bemerkung machen. Ich habe immer die Ansicht vertreten, dass wir die hartnäckige Linie verfolgen sollten. Es gibt eine schreckliche Menge von Leuten ringsum in der Welt, die den Schluss gezogen haben, wir sollten vielleicht gegenüber Sekten höflich und niemals aggressiv oder feindlich eingestellt sein. Ich sehe das nicht so! Für mich sind diese Organisationen nicht im öffentlichen Interesse, sie tun nichts Gutes oder etwas, was überhaupt jemandem hilft.  Sie sind völlig rücksichtslos, sie sind völlig selbstsüchtig, sie schädigen fast jeden, der mit ihnen in Berührung kommt: tatsächlich gibt es viele Leute in diesem Raum, die durch den Kontakt mit Sekten geschädigt wurden, entweder persönlich oder innerhalb ihrer Familien. Warum sollten wir das nicht sagen?    

 

Und ringsum in der Welt gibt es Leute, die wir manchmal “Apologeten” nennen und von denen viele ziemlich einflussreich sind.  Ich selbst hatte nie irgendetwas mit ihnen zu tun. Ich habe immer diese Linie verfolgt und ich sehe nicht, warum wir durch Toleranz gegenüber den Taten dieser Leute etwas gewinnen sollten.  Ihre Aktivitäten sind schädlich und wir sollten das auch sagen. Ich hoffe, dass die meisten Leute in diesem Raum mit dieser Ansicht übereinstimmen würden, aber wir haben eine Menge Zeit, darüber zu diskutieren, da wir eine oder zwei SprecherInnen aus diesem Programm verloren haben.  Es wäre interessant, Ihre Ansichten darüber zu hören, wie man in unserer Gesellschaft mit Sekten umgehen sollte.

 

Deshalb ist es mir eine große Freude, unsere Eröffnungssprecherin vorzustellen: Audrey Chaytor, die Geschäftsführerin des Family Survival Trust, früher FAIR genannt. Wir änderten den Namen, als wir eine gemeinnützige Vereinigung wurden. Diese gemeinnützige Vereinigung hat das sehr begrenzte Ziel, zu versuchen, jenen Individuen und Familien zu helfen, die von sektiererischem Missbrauch betroffen sind, mit einem zweiten Ziel, Information über die Tätigkeit von Sekten zur Verfügung zu stellen: die meisten von Ihnen werden zustimmen, dass die breite Öffentlichkeit, wenn sie nicht persönlich betroffen ist, im Allgemeinen nichts über Sekten weiß. Aber wir wissen es, da ich sicher bin, dass Audrey Sie daran erinnern wird, ohne jede Hilfe oder Ermutigung aus offiziellen Quellen. In diesem Land gab es immer eine völlig agnostische Linie, die von der Regierung herüber kam, sowohl zentral als auch lokal. Was daher Audrey und ihre MitarbeiterInnen im Lauf der Jahre geleistet haben, ist lobenswert und hervorragend mutig.

 

Audrey – willkommen!