Infiltration des Bildungssystems der Russischen Föderation durch Scientology

 

Tatiana Karpacheva

Associate Professor der Philologie an der Moskauer pädagogischen Stadtuniversität (Russland)

 

Nur wenige Organisationen sind wegen ihrer Verbrechen so weltbekannt wie die Scientologen. Und ihre Kriminalität ist ausführlich genug untersucht worden. Aber die Scientologen haben eine Reihe von Tochterorganisationen gegründet. Diese Organisationen stellen sich selbst als säkular dar, obwohl es in Wirklichkeit ihre Absicht ist, die Sekte in verschiedenen Lebenskreisen zu implementieren und neue Anhänger zu gewinnen. Man kann sie im Bildungs- und im Gesundheitssystem sowie auf sozialem Gebiet finden. Unter der Dachmarke ABLE tritt Scientology mit vier dieser Töchterorganisationen auf: Applied Scholastics (Bildungswesen), Narconon (Drogenprävention), Criminon (Verbrechensprävention) und The Way to Happiness. Im Anschluss möchte ich die Problematik zeigen, die durch den Auftritt von Scientology im Bildungssystem entsteht.

Die scientologische Organisation Applied Scholastics möchte, wie sie behauptet, „Bildungsmaterial und Dienste verbreiten, die auf den Werken von L. Ron Hubbad beruhen“. Ihr Hauptquartier in Moskau, “Applied Scholastics in der GUS[1]”, ist Teil der “International Association of Applied Scholastics”. Die Organisation “Applied Scholastics in der GUS“ bietet verschiedene Kurse für Erwachsene und Kinder an, mit Unterlagen, die auf Hubbards Werken beruhen. Zum Beispiel “Guidelines on the Basics of Education” (Richtlinien der Grundlagen des Unterrichts), “Learn How to Learn” (Lernen wie man lernt), “Living and Working with Children” (Leben und Arbeiten mit Kindern), “Communicative Skills” (Kommunikationsfähigkeiten) usw. Es ist eine wohlbekannte Tatsache, dass Hubbard weder eine höhere pädagogische Ausbildung noch irgendeine höhere Bildung hatte. Tatsächlich wurde er im zweiten Jahr wegen schlechter Fortschritte von der Universität ausgeschlossen. Scientologen jedoch meinen, Hubbard habe eine Technologie entdeckt, die jede Frage beantworten kann: wie man lernt, was immer man benötigt, das heißt jedes Fach in jedem Alter mit jeder Unterlage in jeder Sprache.

Wahr ist, dass Hubbards Methode davon handelt, die Bedeutung von Wörtern aus Wörterbüchern zu lernen und aus Wörtern Sätze zu bilden, in denen sie richtig oder falsch verwendet werden. Scientology schlussfolgert, dass, wenn auch nur ein Wort falsch interpretiert wird, der ganze Text missverstanden werden kann. Gemäß den Scientologen besteht das Problem falscher Schulbildung im Missverstehen einiger Wörter.

Während eines Kurses von “Applied Scholastics in der GUS“ beginnen die Leute tatsächlich, ihre Muttersprache von neuem zu lernen. Die Leute werden davon überzeugt, dass sie ein Wort nicht verstehen, wenn sie die Definition dieses Wortes nicht formulieren können. Zum Beispiel könnten sie gefragt werden: „Was ist die Definition eines Buches?“ Sie wissen genau, was ein Buch ist, aber sie sind vielleicht nicht fähig, sofort eine Wörterbuch-Definition eines Buches zu formulieren. Daher sagen sie: „Was meinst du mit der Frage? Nun, das hier ist ein Buch und das auch.“ Und die Antwort würde sein: „Du kennst die Definition nicht. Lerne sie aus dem Wörterbuch.“ Oder: „Was ist eine Hand?“ – „Was meinst du mit dieser Frage? Das hier ist eine Hand.“ – „Du weißt das Wort nicht“.

Und wenn jemand einmal davon überzeugt ist, dass er seine eigene Sprache nicht kennt und dazu gebracht wird, Definitionen von Wörtern zu lernen, dann ist es leicht, ihn von beliebigem Anderem zu überzeugen. Auf diese Weise können Leute in scientologischen Schulungskursen manipuliert werden. Außerdem bieten Scientologen Englischkurse und Privatunterricht für Schulkinder an. Man würde Ihnen jedoch sagen, dass, wenn Ihr Kind einen der Kurse von Hubbard belegte (und es noch besser sei, wenn Sie dies ebenfalls machten), es keine weitere Ausbildung benötigte.

Das Hauptziel von “Applied Scholastics in der GUS“ sowie das von anderen Zentren von “Applied Scholastics“ ist die Rekrutierung neuer Anhänger von Scientology.

Wie wir sehen können, geschieht dies folgendermaßen: In ihren Lehrbüchern wird vor allem ein spezifisches scientologisches Vokabular benützt. Meist sind das gebräuchliche Wörter mit einer falschen Bedeutung. Zum Beispiel ist „Masse“ bei Scientology keine physikalische Größe, sondern bedeutet „Gegenstände, die jemand studiert“.

Scientologen sagen. „Wir stellen die Masse eines studierten Gegenstandes zur Verfügung”. Dies bedeutet, dass sie von visuellen Hilfsmittel sprechen: wenn du eine Blume studierst, dann siehst du eine Blume an, obwohl es nicht bedeutet, dass du die Blume abwiegst. Das Wort „Masse“ wird nicht in der üblichen Weise benützt, sondern bekommt eine andere, scientologische, Bedeutung. Und natürlich betrachtet man Hubbard als den Erfinder der Methode der visuellen Hilfsmittel bei der Schulung, niemand anderer als er konnte vor ihm daran denken!

Die Grundidee der scientologischen Schulung besteht darin, ununterbrochen Wörter im Wörterbuch nachzuschlagen. Das wird Word-Clearing (Wortklären) genannt. Es ist ein echter scientologischer Ausdruck. Ein Clear ist jemand, der das Auditing durchgemacht hat, für das auch in “Applied Scholastics in der GUS“ geübt wird. Zum Beispiel erzählte bei der Vorstellung von Hubbards Methode die Vortragende, eine Scientologin, die folgende Geschichte. Sie leitete eine Vorlesung über die Technologie von “Applied Scholastics“. Studenten lasen einen Text. Als eine Frau sich plötzlich unwohl fühlte, wurde sie hysterisch. Es stellte sich heraus, dass der Anfall der Hysterie durch das Wort „whose“ [dessen oder wessen] verursacht wurde, das sie mit unerfreulichen Erinnerungen verknüpfte. Als sie heiratete, konnte sie sich nicht entscheiden, welchen Familiennamen sie annehmen sollte, den ihres Mannes oder ihren eigenen. Ich frage mich, ob sie niemals zuvor das Wort „whose“ gesehen hat. Oder wurde sie vielleicht jedes Mal hysterisch? Aber der Zweck der Geschichte ist klar: wir können die Vorbereitung für das Auditing sehen, das jedoch eine „religiöse“ scientologische Praxis ist. Während dieser ziemlich teuren Schulung muss man eine Menge von Detailfragen beantworten. Die Fragen können persönlich sein, einschließlich einiger intimer Einzelheiten. Diese Tätigkeit soll einer Person helfen, unerfreuliche Erinnerungen loszuwerden. Indessen liefert sie den Scientologen endlose Möglichkeiten, die Information zu missbrauchen und Menschen zu manipulieren und zu erpressen.

In den Kursen der „Applied Scholastics“- Zentren können wir einen speziellen scientologischen Ausdruck finden: „eine dominante Person“. Gemäß den Scientologen ist jeder Gegner der Sekte „eine dominante Person“ und man muss jede Kommunikation mit dieser Person beenden. Es kann eine Mutter, ein Vater, eine Ehefrau usw. sein.

Wenn also jemand bei “Applied Scholastics“ geschult wurde, dann ist er oder sie besonders darauf vorbereitet, Anhänger der Sekte zu werden. Auch Leiter von scientologischen Schulungszentren schicken ihr Personal zu den Hubbard-Kursen. “Applied Scholastics in der GUS“ erteilt ihre eigenen scientologischen Lizenzen, um neue Zentren von “Applied Scholastics“ zu errichten. Und leider wurden solche Zentren eröffnet und sie arbeiten. Das Älteste von ihnen, „Studema“, befndet sich in Yekaterinburg. In der Stadt Moskau und in der Umgebung entdeckten wir 8 „Applied Scholastics“-Zentren. Eines davon arbeitet als Schule, 2 sind Schulen außerhalb der Stadt, es gibt auch einen Kindergarten außerhalb der Stadt und vier private Kindergärten. Vielleicht gibt es aber noch einige mehr.

Am 9. Dezember 2009 wurde die Tätigkeit der Internatsschule „Elite“, einem „Applied Scholastics“-Zentrum, gestoppt und ein Gerichtsverfahren gemäß Artikel 171 des Strafrechts der Russischen Föderation eröffnet, betreffend „Ungesetzliche unternehmerische Tätigkeit“. Am 11 Januar 2010 setzte die Einrichtung jedoch ihre Tätigkeit fort.

Das Problem besteht darin, dass Eltern möglicherweise die scientologische Ausrichtung einer Schule nicht erkennen, wenn sie ihre Kinder dorthin bringen, da die Schulleiter ihre Beziehung zu Scientology nicht gerne offen legen. Sie beantworten üblicherweise die Frage nach einer Beziehung der Schule zu Scientology so: „Wir benützen nur die Lernmethode Hubbards, wir wissen wenig über Scientology. Gut, wir hören auch davon, dass Hubbard seine eigene Religion gegründet hat, aber das nur deshalb, weil er ein Genie war. Daher hat er eine Menge von Dingen gegründet. Aber wir sind normale Lehrer, wird sind nur an seinen Lehrideen interessiert.“ Das ist eine Lüge. Die Tätigkeit aller scientologischen Organisationen wird vollständig von der Hauptorganisation der Sekte, dem Religious Technology Center, gesteuert.

Das Warenzeichen Applied Scholastics ist, wie Scientologen behaupten, eine Schutzmarke, die dem Religious Technology Center gehört. Und sie vergeben Lizenzen für die Benützung ihrer Schutzmarken, insbesondere dieser, an die Church of Scientology International und ihre Tochtergesellschaften. Daher können wir sehen, dass „Applied Scholastics“-Zentren scientologische Tochtergesellschaften sind. Die Schutzmarke von Applied Scholastics kann auf allen Websites und auf den körperschaftlichen Dokumenten von Schulen gesehen werden, die „Applied Scholastics”-Zentren sind. Außerdem sind, wie wir gesehen haben, scientologische Glaubensbestandteile (Erklärungen über eine dominante Person, Vorbereitung für das Auditing) in die Weiterbildungskurse inkludiert, die von „Applied Scholastics“ angeboten werden.

Aufseher von “Applied Scholastics”-Zentren leugnen ihre Verbindung zu Scientology. Als ich sie aber direkt fragte, „ob Sie Anhänger von Scientology sind?“, sagten alle „Ja“.

“Applied Scholastics”-Zentren in Moskau und Umgebung haben keine staatliche Anerkennung und Lehrerlaubnis erhalten. Ihre Tätigkeit ist hauptsächlich als private Unternehmung registriert.

Das Problem des Eindringens von Scientology in die Bildung erhebt sich auch in einigen staatlichen Einrichtungen. Maria Struve, die Leiterin einer öffentlichen Schule in Moskau und Vorsitzende der Vereinigung russischer Chorleiter, begann vor einigen Jahren, Ideen von Scientology aktiv zu fördern. Sie wirbt auch unter dem Lehrpersonal und unter den Eltern neue Sektenanhänger. Außerdem werden in der Schule spezielle scientologische Ereignisse veranstaltet. Die Leiterin veranlasst Lehrer, an Hubbard-Kursen teilzunehmen. Dort werden sie mittels verschiedener Hilfsmittel ausgebildet, darunter mittels eines Buches „Lehrmittel für Lehrer“ mit dem Untertitel „beruhend auf den Arbeiten von Ron L. Hubbard“. Narconon, eine pseudomedizinische scientologische Organisation, veranstaltete Vorlesungen für Hochschulstudenten. Bei den Vorlesungen erhielten die Schüler Hubbard’s Broschüre „Der Weg zum Glücklichsein“. Gleichzeitig möchte ich erwähnen, dass die Methoden von Narconon und alle anderen Methoden, die sich auf Hubbard berufen, durch einen Erlass des Gesundheitsministers vom 19. Juni 1996 verboten wurden.

Nun einige Worte über einige private Zentren von „Applied Scholastics“. Das älteste “Applied Scholastics”-Zentrum in Moskau, “Edelweiss”, wurde 2000 gegründet. Marat Said-Galiyev, der Gründer und Leiter, berichtet uns auf seiner Website, dass er 1970 in Tadschikistan geboren wurde, an einer Universität studierte, obwohl nicht erwähnt ist an welcher und ob er einen Abschluss gemacht hat. Dann war er Gymnastiklehrer, in den späten Neunzigerjahren war der zukünftige Schulleiter ein Marktverkäufer, dann eröffnete er zwei Geschäfte und übersiedelte 1999 nach Moskau. Und im Jahre 2000 eröffnete er plötzlich das Schulungszentrum „Edelweiss“. Ich kann nicht umhin, über diesen raschen Wechsel der Interessen und Tätigkeiten in seinem Lebenslauf erstaunt zu sein!

Das „Edelweiss“-Zentrum, obwohl es keine entsprechende Genehmigung hat, arbeitet als Grundschule. Die Kinder verbringen hier den ganzen Tag von 10 bis 16 Uhr. „Edelweiss“ schloss einen Vertrag mit einer Moskauer Schule ab und die „Edelweiss“-Kinder sind in dieser Schule als externe Schüler registriert. Sie legen auch ihre Abschlussprüfungen in dieser Schule ab und bekommen von ihr ein Reifezeugnis. Dennoch werden diese Kinder durch Scientologen in strenger Übereinstimmung mit Hubbards Methode unterrichtet. Und ihre ganze Ausbildung wird vom Hauptzentrum der „Applied Scholastics in der GUS“ gesteuert. Nun werden in diesem Zentrum etwa 35 Studenten dauernd ausgebildet, zusätzlich zu jenen, die Privatunterricht erhalten. Außerdem gibt es dort einen so genannten „Lebensverbesserungskurs“, der dieselben Programme wie in den „Applied Scholastics“-Zentren enthält. Es sind dies „Leitlinien für die Grundausbildung“, „Lernen lernen“, „Kommunikationsfertigkeiten“, ein Buch „Ethik und Moral“ und „Der Minihut des Supervisors“ – mit „Hut“ meinen die Scientologen die Jobposition und die damit verbundenen Pflichten.

Vor einiger Zeit wurde ein WISE[2]-Zentrum an der Schule eröffnet. WISE ist eine andere scientologische Organisation von Geschäftsleuten, die Hubbards Methode zur Führung eines Unternehmens benützen.

Hubbards Schulungen in „Edelweiss“ sind weit davon entfernt, billig zu sein, obwohl sie unter völlig bescheidenen Bedingungen abgehalten werden. Derzeit betragen die monatlichen Kosten etwa 790 USD, während es kein eigenes Gebäude gibt (das Zentrum befindet sich im Erdgeschoß eines Wohnhauses), keinen Spielplatz und kein Krankenzimmer. Und kleine Kinder verbringen hier einen ganzen Tag. Scientologen betrachten dies für unnötig. Wenn ein Kind Magen- oder Kopfschmerzen hat, ist dies ihnen zufolge deshalb, weil es die Bedeutung eines Wortes nicht verstanden hat. Wenn ihm das Wort erklärt wird oder, was noch besser ist, wenn es aus Plastilin gebildet wird, dann werden die Schmerzen verschwinden. Dies ist eine bevorzugte scientologische Methode, den Gegenstand mit Hilfe von Plastilin zu diskutieren. Mahlzeiten für die Kinder obliegen ebenfalls nicht der Sorge der Schulbehörde. Man kann Essen von daheim mitbringen oder daheim essen, wenn man in der Nähe wohnt, oder eine Mahlzeit in der Schule bestellen und sie dort gegen Gebühr in einem Mikrowellenherd aufwärmen. Damit verglichen können Kinder in normalen nichtscientologischen anerkannten Privatschulen in Moskau um etwa den gleichen Preis folgende Dienste in Anspruch nehmen: Schulung, ein eigenes Schulgebäude, Sicherheit, regelmäßige Mahlzeiten (wobei auf Allergien der Kinder Rücksicht genommen wird), ärztliche Betreuung, einen Schulpsychologen und Schwimmunterricht. Daher setzen die Eltern, wenn sie ihre Kinder ins „Edelweiss“-Zentrum schicken, die psychologische und körperliche Gesundheit der Kinder aufs Spiel, während sie die Scientology-Sekte finanzieren, eine Organisation, die weit davon entfernt ist, arm zu sein. Vor einigen Jahren betrugen ihre Einnahmen 3 bis 4 Millionen USD pro Tag.

Der Unterricht im „Edelweiss“ sieht folgendermaßen aus: Kinder verschiedener Schulstufen (zum Beispiel 4., 9., 10. und 11 Stufe) lernen im selben Raum. Ich hatte Gelegenheit, hier eine der Russischklassen zu besuchen. Schüler der 4. Stufe saßen beisammen und lasen mit einem Lehrer ein Märchen. Schüler der weiterführenden Schule saßen abseits und machten Tests für ein Schlussexamen, überwacht durch einen anderen Lehrer. Der Beginn der Schulstunde war verwirrend: sie hatten eine Art von Aufwärmen, das bei Scientology „ein Keuchen der Gegenwart“ genannt wird. Der Lehrer gab Befehle: „Blicke zur Decke“, „dann zum Boden“, „berühre irgend einen Tisch um dich herum“, „klatsche zweimal mit den Händen“, „berühre deinen Rücken“, “dann die Stirne“. Alles wurde sehr schnell gesprochen.

Während des Unterrichts gibt es keine eigentliche Unterweisung. Der Lehrer erklärt nichts. Kinder lernen den Stoff selbst mit Hilfe so genannter Checksheets (eine Art von Kontrollliste, die man Punkt für Punkt abarbeiten muss). Es gibt einen speziellen Kurs im „Applied Scholastics“- Zentrum: „Die Anfertigung von Checksheets“. Jedes Kind hat ein Checksheet mit mehreren Aufgaben. Auf jedem Blatt Papier ist das oben erwähnte Markenzeichen von „Applied Scholastics“ in der linken oberen Ecke. Darunter stehen die gedruckten Wörter „Applied Scholastics Zentrum“. Und weiter unten stehen die gedruckten Wörter „Edelweiss Ausbildungszentrum“. So ist die Verbindung zwischen Edelweiss und dem scientologischen Hauptquartier offensichtlich.

 Wichtig zu erwähnen ist auch, dass niemand ohne Beherrschung von Hubbards Methode bei „Applied Scholastics“ angestellt werden kann. Gemäß den Regeln des Arbeitgebers arbeitet ein ausgebildeter und erfahrener Spezialist zuerst als Praktikant. Daher sieht es so aus, als benötigten sie keine staatlichen Diplome, sondern werden nach der Methode des Sektenführers ausgerichtet. Die Regeln für die Einstellung besagen, dass bei „Edelweiss“ unerfahrene Bewerber vorzuziehen sind.

Die Internatsschule “Wonderlands” liegt in einer Siedlung nahe Moskau und befindet sich in einem dreistöckigen Wohnhaus mit einem 5 Hektar großen Grundstück. Ein Kursüberwacher (das Lehrpersonal wird hier so genannt) arbeitet mit 7 bis 14 Jahre alten Kindern anstelle von Lehrern, die auf bestimmte Gebiete spezialisiert sind. Ebenso wie in der „Edelweiss“-Schule erklären sie keinen Lernstoff, sondern beaufsichtigen Kinder, die diesen mit Hilfe der oben erwähnten Checksheets selbständig bewältigen müssen; diese Checksheets werden im „Applied Scholastics in der GUS“-Zentrum zusammengestellt. Wenn ein Kind damit aufhört, darin fortzufahren, ist es die Aufgabe des Kursüberwachers, herauszufinden, welches Wort missverstanden wurde. Gemäß dem Schulleiter wird 80% der Lernzeit darauf verwendet, „Wörter zu klären“. In 1,5 Stunden „klären“ die Kinder etwa 20 Wörter. Ich möchte wissen, wann und wie sie hier lernen. Alle Kinder verschiedenen Alters sitzen im selben Raum mit ihren Checksheets - und dies soll für sie den Schulunterricht ersetzen. Es gibt keine Tafel oder andere traditionelle Einrichtungen. Wichtig ist es (der Applied Scholastics-Einrichtung), dass in dem Vertrag, den die Eltern mit der Schule abschließen, nichts darüber ausgesagt wird, dass die Kinder in der Schule Unterricht erhalten. So können wir einen offensichtlichen Betrug sehen, den die Gründer gegenüber den Eltern begehen. Um in der “Wonderlands”-Internatschule einen Job zu bekommen, muss ein Bewerber drei Kurse im „Applied Scholastics“-Zentrum absolvieren.

Und nun einige Worte über eine private Krankenpflegerschule namens „Nastyusha“. Von allem Anfang wurde sie bei Eltern berüchtigt. In einem Internetforum kann man in Bezug auf diese Schule die folgende Bemerkung von Eltern finden: „Liebe Eltern! Wenn Sie nicht wollen, dass Ihr Kind sich intellektuell und spirituell verschlechtert, dann schicken sie es um keinen Preis in diese Einrichtung, die von Frau Zhanna Tsymbal beaufsichtigt wird. Es ist eine scientologische Krankenpflegerschule!“ Der Vertrag, den Eltern unterschreiben, besagt: „Alle strittigen Fragen sollen durch Klären der Vertragsbedingungen gelöst werden.“ „Klären der Bedingungen“ ist dasselbe wie Klären von Wörtern. Daher können wir im Vertrag Elemente der scientologischen Terminologie sehen. Wenn nötig wird ein Vertreter von Applied Scholastics zur Hilfe eingeladen. Eine Monatsgebühr in der Krankenpflegerschule beträgt einschließlich der Mahlzeiten etwa 840 USD. Einmal hatte ich die Möglichkeit zu sehen, was die Kinder essen. Sie erhielten Klöße minderer Qualität. Gleichzeitig erhalten die Kinder Vitamine, die von Scientologen verherrlicht werden, aber vom Gesundheitsministerium der Russischen Föderation nicht zugelassen sind. Fast alle Kinder laufen barfuss umher, ebenso die Lehrer. Das wird Anpassung an die Kälte genannt. Bei dieser Gelegenheit klagten zwei Kinder über Kopfschmerzen und ein Mädchen schlief auf dem Boden des Badezimmers ein. Der Lehrer erklärt dieses Verhalten gegenüber den Kindern folgendermaßen: sie meinen, man solle mit Kindern kein Mitleid haben, sonst würden Kinder die erhöhte Aufmerksamkeit merken, die man einem kranken Kind widmet, und würden Krankheit vortäuschen. Sie meinen, ein Kind solle für seine Leistungen gelobt werden, während man Krankheit überhaupt nicht erwähnen solle. Man darf nicht sagen: „Lass den Kopf nicht hängen. Du wirst Kopfschmerzen bekommen“. Kinder, die von Scientologen angestiftet wurden, nennen es ein „Postulat“ (ein weiteres Bespiel eines auf falsche Weise gebrauchten Wortes). Sie meinen, wenn du das sagst, dann wirst du sicher Kopfschmerzen bekommen. In den Dokumenten, die dem Vertrag beigefügt sind, wird diese Einstellung für die Mitarbeiter und die Eltern begründet: „Unsere Krankenpflegerschule ist gut. Wenn wir sie für gut halten, dann wird sie gut sein!“ Hier begegnen wir dem Grundsatz des positiven Denkens (als ob jemand eine Situation mit Hilfe seiner Gedanken bewältigen könnte), der für Scientology und ebenso für viele andere Sekten charakteristisch ist.

Es gibt in der Schule kein Krankenzimmer. Das ist charakteristisch für scientologische Schulen. Sie stellen auch grundsätzlich keinen Psychologen an. Wie wir wissen, anerkennen die Scientologen die Psychologie nicht. Ihnen gemäß sind Kinder die Besten, die Klügsten, die Geschicktesten. Daher haben sie keine Probleme.

Aber es gibt eines. Es ist ein Problem, Kinder, Eltern und Lehrer in die Scientology-Sekte zu involvieren, eine der destruktivsten und gefährlichsten totalitären Sekten in der Welt. Und sie werden durch das Bildungssystem involviert.

Die schlechte Nachricht ist, dass Scientologen der ganzen Welt zusammenarbeiten und Erfahrungen austauschen. Zum Beispiel schloss 2008 die Öffentliche Kunstschule einen Zusammenarbeitsvertrag mit einer privaten Greenfields School, Großbritannien, welche die Methoden von „Applied Scholastics“ benützt. Der stellvertretende Schulleiter von Greenfields besuchte Moskau in den Jahren 2007, 2008 und 2009 und führte in Moskau und St. Petersburg eine Reihe von Workshops über Hubbards Methoden durch. 2007 hielt Martin Runov, der Gründer von „Studema“, einer privaten Schule von „Applied Scholastics“ in Schweden, ein Seminar im „Edelweiss“-Schulungszentrum. Scientologen von „Wonderlands“ werden durch ein dänische Applied Scholastics-Zentrum angeleitet. In der Website von Wonderlands gibt es einen Artikel „Wie man mit einem rebellierenden Kind fertig wird“ von Hanna Himmingscholt. Der halbe Artikel läuft darauf hinaus, einfache Wörter zu erklären (oder zu „clearen“). Die Autorin versucht, Wörter zu definieren wie „sich unterwerfen“, „Konfrontation“, „Feindschaft“, „Liebe“, „stabil“, „diskutieren“ und dergleichen. Als Ergebnis sieht der Artikel mangelhaft aus. Entweder die Autorin weiß selbst nicht die Bedeutung der Wörter und versucht, sie zu verstehen, oder sie hält den Leser für dumm. In beiden Fällen ist ihre Meinung in der Pädagogik wohl nicht kompetent, während sie sich hier als Expertin darstellt.

Als Schlussfolgerung ist es notwendig zu erwähnen, dass Scientology in einer Anzahl offizieller Dokumente als destruktive religiöse Organisation (totalitärer Kult) betrachtet wird und ihre Tätigkeit im Bildungssystem unzulässig ist:

1.       Eine Verfügung der Staatsduma: “Die Staatsduma und Bundesversammlung wenden sich an den Präsidenten der Russischen Föderation bezüglich einiger religiöser Organisationen, die auf gefährliche Weise die Gesundheit der Gesellschaft, der Familie und der Bürger in der Russischen Föderation betreffen“, vom 15. Dezember 1996;

2.      Ein instruktiver Brief von Frau Chepurnykh, stellvertretende Bildungsministerin der Russischen Föderation, der an alle Bildungseinrichtungen in der Russischen Föderation versandt wurde und in dem Scientology unter jenen Organisationen aufgezählt wird, die in Bildungseinrichten unzulässig sind. Und es wird erwähnt, dass es notwendig ist, „unkonventionelle religiöse Organisationen daran zu hindern, in Ausbildungseinrichtigen der Russischen Föderation einzudringen“;

3.      In den Leitlinien für Schulleiter und Lehrpersonal aus dem Jahr 2000 gibt es einen Abschnitt „Über die Verhinderung des Eindringens unkonventioneller religiöser Organisationen und destruktiver Kulte in Ausbildungseinrichtungen“.

Offenbar können aber weder die russischen Exekutive noch die gesetzgebende Gewalt für Scientologen maßgebend genug sein.

Wie wir sehen können, ist jede Bildungseinrichtung, die Hubbards Methode verwendet, mit Sicherheit mit der Scientology-Sekte verbunden. Und daher ist ihre Tätigkeit im Bildungssystem der Russischen Föderation unzulässig.

Dies teilten wir der Bildungsabteilung in Moskau und dem Bildungsministerium der Russischen Föderation mit. Dennoch ist die Gefahr des Eindringens von scientologischen Ideen in das Bildungssystem groß. Das Problem ist akut. Wenn Eltern, Kinder und Studienleiter nach neuen wirksamen Lernmethoden suchen, dann begeben sie sich in Gefahr, in eine gefährlich destruktive Sekte verwickelt zu werden.


[1] Gemeinschaft unabhängiger Staaten

[2] World Institute of Scientology Enterprises