Sekten und Terrorismus

                                                                                                                                                    

 Masoud Banisadr (GB)

Autor und ehemaliger Angehöriger der Volksmudschahedin im Iran / sāzmān-e mojāhedin-e khalq-e irān

 

Abstrakt: In diesem Vortrag werde ich darlegen, dass es erstens einen Unterschied gibt zwischen Terrorismus als isoliertem gewalttätigem Akt, der von einer Einzelperson begangen wird, die keine Verbindung zu einer Terroristengruppe hat, oder als einer der vielen verschiedenen Aktivitäten oder Taktiken einer allgemeinen oder politischen Organisation einerseits, und einer terroristischen Organisation andererseits. Dann werde ich darlegen, dass jede terroristische Organisation entweder eine destruktive Sekte ist oder um zu überleben keine andere Wahl hat als schließlich eine solche zu werden. Schließlich definiere ich eine destruktive Sekte und schließe mit der Erklärung, dass es völlig verschieden ist, ob man es mit einer terroristischen Organisation oder mit dem Problem des Terrorismus und der Gewalt zu tun hat, und dass wir, wenn diese widerwärtigen Erscheinungen ernstlich beseitigen wollen,  destruktive Sekten  verstehen und dadurch wissen müssen, wie wir terroristischen Organisationen gegenübertreten müssen.

 

Terrorismus:

Terrorismus ist meiner Ansicht nach eine soziale Krankheit wie Mord, Raub, Vergewaltigung oder Diebstahl;  der Grund für sein Vorhandensein liegt nicht nur in sozialen Problemen wie Armut und Arbeitslosigkeit, sondern auch in Ungerechtigkeit jeder Art. Es hat ihn seit dem Beginn der Zivilisation gegeben und er wird uns leider begleiten, solange es in irgendeiner Gesellschaft irgendeine Form von Ungerechtigkeit gibt. 

Es widert uns an, daran zu denken, und sogar noch mehr, wenn jemand versucht, ihn zu verstehen und die Logik dahinter zu finden.

Ebenso wie bei jeder anderen Krankheit können wir beim Terrorismus entweder gegen die Symptome kämpfen, ein sehr starkes Schmerzmittel verschreiben, das auch gesunde Teile des Organismus schädigen kann; oder wir können versuchen, ihn zu verstehen, die Ursache zu finden und versuchen, eine wirkliche und dauerhafte Lösung dafür zu finden.  

Unglücklicherweise haben Regierungen die Gewohnheit, die erstgenannte Lösung anzuwenden, und nur wenn sie durch die öffentliche Meinung und Forderungen dazu gezwungen werden,  die letztgenannte. Deshalb wendet sich die Politik der meisten Regierungen gegen die Terroristen statt gegen die Ursache des Terrorismus.

Mein heutiger Vortrag bezieht sich nicht auf Terrorismus im Allgemeinen, sondern auf terroristische Organisationen im Besonderen und ihre Verwandlung in destruktive Sekten. 

Organisiertes Verbrechen gegenüber isoliertem Verbrechen:

Wichtigkeit der Doktrin oder der Ursache für isoliertes Verbrechen gegenüber organisiertem Verbrechen:

Wenn ein Verbrechen zu einem organisierten Verbrechen wird, dann wird es nicht nur perfekter und intensiver, sondern seine Natur und Umstände werden sich ebenfalls verändern, bisweilen sogar in das Gegenteil seiner ursprünglichen Form. Wenn zum Beispiel Armut und Arbeitslosigkeit die Hauptursachen von Diebstahl und Raub sind, dann mögen Beseitigung von Armut und Arbeitslosigkeit diese Art von Verbrechen vermindern oder zumindest abschwächen; beim organisierten Verbrechen, obwohl das weitergehende Bestehen dieser Probleme neuen Mafias hilft, neue Mitglieder zu rekrutieren,  kann die Beseitigung von Armut und Arbeitslosigkeit das Problem des organisierten Verbrechens nicht lösen, da seine Stärke nun von ihrem Leiter und der Raffiniertheit seiner Organisation und nicht von den ursprünglichen Ursachen seines Vorhandenseins abhängen. Ich vermute, Sie alle haben den Film „Der Pate“ gesehen, haben ihn genossen und ich brauche darüber nicht mehr zu sagen. Meine Schlussfolgerung ist, dass, obwohl die Ursache für ein isoliertes Verbrechen der Hauptgrund für sein Vorhandensein ist, dieser im organisierten Verbrechen seine Bedeutung verlieren  und nicht dieselbe entscheidende Rolle für das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein der Organisation spielen wird.  

Zurück zum Terrorismus; ich gebe Ihnen hier ein Beispiel: Obwohl MEK [1], bei der ich  Mitglied war, aus einer Ideologie entstand, die auf Islam und Marxismus begründet war und Anhänger mit Slogans von Anti-Imperialismus, Anti-Zionismus und sozialer Gerechtigkeit rekrutierte, und später nach der Revolution, als ich mich ihr mit zehntausenden von Schülern und Studenten anschloss, jedes Übel, jede Ungerechtigkeit oder jeden Mangel an Freiheit ausnützte, die es im Iran gab, hatten ihr Überleben und ihre Stärke, nachdem sie sich in eine terroristische Organisation und dann in eine destruktive Sekte verwandelt hatten, nichts mehr mit den Gründen ihrer Existenz, ihren ursprünglichen Slogans oder damit zu tun, was in der islamischen Welt oder im Iran geschah. Um zu überleben und die Träume des Leiters zu erfüllen, im Gegensatz zu ihren nationalistischen Slogans, arbeiteten sie mit Sadam Hussein zusammen und kämpften an der Seite der irakischen Armee gegen den Iran. Sadams großzügige Unterstützung der MEK, finanzielle Hilfe, Grundstücke um ihre Basen zu errichten, hoch entwickelte Waffe usw. bedeuteten nicht, dass MEK zu ihrem Gastgeber loyal sei würde, denn als sie die amerikanische Armee sahen,  kündigten sie ihre Bereitschaft an, den Amerikanern zu helfen und an der Seite der neuen siegreichen Armee zu kämpfen.[2]  Alle sagten, dies bedeute nicht, dass MEK nun den Amerikanern gegenüber loyal sei werde, denn Sekten sind keinem Partner oder Freund, keiner Ideologie noch Politik, keinem Slogan oder Abkommen gegenüber loyal, sondern nur denen gegenüber, die ihr Überleben sichern und ihre Ziele fördern.    

Tatsächlich waren für mich ebenso wie für fast alle Mitglieder nach MEKs ideologischer Revolution (der Name, den sie ihren Gehirnwäsche-Techniken gaben[3]) der Iran und der Islam nicht mehr wichtig, oder zumindest nicht nahezu so wichtig wie das Bestehen und der Erfolg der Organisation und ihres Leiters. Damals erklärte ich diese Änderung in mir selbst und in anderen Mitgliedern in einem Brief an den Leiter, indem ich zugab, dass, würden sie uns vor die Wahl stellen, uns einerseits für das Glück und Erfolg der Iraner und Muslims oder andererseits für den Sieg unseres Führers irgendwo in der Welt, auch wenn er Präsident von Zimbabwe würde, zu entscheiden, wir alle das Letztere wählen würden. Natürlich beruhte unsere Logik auf der Annahme, dass unser Führer, wenn er irgendwo in der Welt Fuß fassen könnte, er seinen Einfluss bald ausdehnen und die ganze Welt retten und die  Geschichte ändern könnte. MEK benützte alle Übel, die es im Iran gibt, und tut dies weiterhin, um Mitglieder anzuwerben, für Propaganda und für die Legitimierung ihrer Existenz, aber für ihre Mitglieder ist das, was im Iran und faktisch auch in der ganzen übrigen Welt geschieht, nicht nahezu so wichtig wie ihre internen Beziehungen, ihre absolute Loyalität und ihr Gehorsam gegenüber dem Führer.

Im Fall von Al-Qaida kann ich dasselbe behaupten. Wenn das Elend und die Mühsal der Palästinenser, die bestehende Ungerechtigkeit gegen sie und die unbedingte Unterstützung der Vereinigten Staaten für die Aktionen Israels zu den Hauptursachen für die Unzufriedenheit der Muslime mit dem Westen im Allgemeinen und mit den Vereinigten Staaten im Besonderen gehören und dies als Folge eines der hauptsächlichen Mittel ist, Mitglieder von terroristischen Organisationen zu rekrutieren, und wenn wir uns vorstellen, dass dieses Problem gelöst werden könnte, dann meine ich, wir könnten Al-Qaida daran hindern, noch mehr Mitglieder zu rekrutieren, aber wir könnten uns keines Sieges über diese Organisation rühmen.  Die einzige Möglichkeit, dass destruktive Sekten wie MEK und Al-Qaida sich endgültig von Gewalt verabschieden, besteht entweder in ihrem Sieg über die ganze Welt oder in ihrer völligen Vernichtung. Der Personenkult um Hitler ist ein Beispiel, das die Welt noch nicht vergessen hat.

Um zu überleben, haben terroristische Organisationen keine andere Alternative, als eine destruktive Sekte zu werden: 

Ich möchte eine Organisation eine terroristische Organisation nennen, wenn ihre einzige oder zumindest hauptsächliche Taktik zur Erreichung ihres Zieles der Terrorismus ist. Gemäß dieser Definition werde ich keine Regierungs- oder allgemeinen politischen Organisationen Terroristen nennen, auch wenn sie ihren Feinden gegenüber Terrorismus anwenden, weil sie sich auch mit anderen Problemen der Gesellschaft beschäftigen; Terrorismus ist nicht ihre einzige Taktik oder der Pfeiler ihrer Aktionen in der Behandlung ihrer täglichen Probleme und Aufgaben.

In einem Aufsatz, der neulich in Cultic Studies Review[4] veröffentlicht wurde, argumentierte ich: ‚Wenn Terrorismus die einzige oder hauptsächliche Taktik einer Organisation ist, dann muss sie früher oder später damit beginnen, die Moral ihrer Mitglieder zu ändern, denn diese passt nicht zur Moral der Gesellschaft, aus der sie gekommen sind. Die Organisation muss entweder die Moral und das Glaubenssystem ihrer Mitglieder ändern oder in großem Maß Zwietracht und Abfall von der Gruppe akzeptieren.’ Deshalb haben terroristische Organisationen, um ihre Mitglieder zu behalten und sie von emotionalem und moralischem Einfluss der Familie, der Freunde und der Gesellschaft fernzuhalten, früher oder später keine andere Wahl, als ihre Mitglieder zumindest psychologisch und wenn sie können auch physisch von der größeren Gesellschaft fernzuhalten und den Prozess der Bewusstseinsmanipulation unter verschiedenen Namen und Vorwänden zu beginnen. Dies ist der Weg der völligen Veränderung zu einer destruktiven Sekte.  

Als Beispiel, wie sehr Moral und Benehmensregeln einer terroristischen Organisation den Gebräuchen, der Kultur, dem Glauben und der Ideologie der Gesellschaft widersprechen, kann ich Selbstmordattentate der MEK erwähnen, die im Sommer 1981 begannen, zum Beispiel die Ermordung des Ayatollah Madani, eines religiösen Vertreters von Khomeini in Tabriz,[5] und ein anderes Selbstmordattentat, die Ermordung des Ayatollah Dastghayb, eines religiösen Vertreters von Khomeini, in Shiraz.[6] Wenn ich mich nicht irre, waren das entweder die ersten oder sie waren unter den ersten Selbstmordaktionen von Muslimen in neuerer Zeit.[7] Eine andere Besonderheit dieser Aktion in Shiraz war, dass sie zum ersten Mal in einem muslimischen Land von einer Frau durchgeführt wurde. Andere bezeichnende Aspekte dieser Aktionen, die völlig gegen die Moral der Gesellschaft gerichtet waren, beinhalteten:

 * Tabubruch des Selbstmords. Muslime betrachten ebenso wie Christen den Selbstmord als große Sünde, und wer sie begeht, ist der Hölle würdig.

* Bruch des Grundsatzes, keine Aktionen an öffentlichen Plätzen durchzuführen. Andere unschuldige Menschen waren unter den Toten.[8]

* Der Umstand, dass viele Selbstmordattentäter ihre Opfer während des Freitagsgebets töten, wo die Moschee und jeder Platz, an dem Leute beten, traditionell als Heiligtümer betrachtet werden. Gemäß religiösen Regeln sind auch Kirchen und Synagogen vor Gewalt sicher.

 * Der Umstand, dass sie ein Mitglied des Klerus töteten, einen Ayatollah, eine alte und am Kampf nicht beteiligte Person –was wiederum, ebenso bezüglich Frauen und Kindern, durch islamisches Recht und islamische Grundsätze verboten ist.[9]

Wie man sehen kann, kann man nicht an allgemeine Moral und Traditionen oder Benehmensregeln irgendeines Glaubens oder einer Kultur gebunden sein, wenn die Taktik und Strategie einzig auf Terrorismus ausgerichtet wird. Obwohl ich mit vielen Aussagen von Präsident Bush und Herrn Blair keineswegs übereinstimme, muss ich ironischerweise sagen, dass ich ihnen zustimme, wenn sie behaupten, dass terroristische Organisationen (aber nicht alle jene, die Terrorismus als eine ihrer vielen Taktiken benützen) gegen unsere Art des Lebens, unsere Demokratie und unsere Freiheit sind. Obwohl ich hinzufügen muss, dass terroristische Organisationen so wie fast alle destruktiven Sekten nicht nur gegen westliche Werte sind, sondern auch gegen die Moral und die Werte aller modernen zivilisierten Gesellschaften, ob östlich oder westlich macht hier keinen Unterschied.  Natürlich profitieren sie voll vom Fortschritt der Wissenschaft oder vom Vorhandensein von Freiheit und Demokratie oder jedem Weg, der sich ihnen in verschiedenen Gesellschaften eröffnet, um Mitglieder zu werben und sich selbst darzustellen, so wie Al-Qaida und MEK voll von moderner Technologie wie Internet, Mobiltelephonie, … für Propagandazwecke profitieren. Sie mögen sogar soweit gehen, sich als Helden moderner Werte einschließlich Demokratie, Freiheit und Gleichheit darzustellen, wie es MEK tut. Aber in ihren internen Beziehungen zeigen sie leicht ihre wirkliche Färbung und wie sehr sie diese Werte hassen. Und Gott möge verhüten, dass sie auf dieselbe demokratische Weise wie Hitler die Macht erlangen, denn dann würden sie eine Art von Diktatur und Grausamkeit errichten, die noch in keiner Zivilisation je gesehen wurde.

Wenn eine Gruppe infolge des Abweichens von der Moral und den Werten der Leute die Unterstützung der größeren Gesellschaft verliert, dann werden ihre Mitglieder und organisatorischen Unterstützer wichtiger.[10] Dann steht die Organisation vor dem folgenden Dilemma: Was soll sie mit der Moral und dem Glauben ihrer Anhänger und Unterstützer tun? Schließlich sind oder waren diese normale Individuen von derselben Gesellschaft, gebunden an dieselben Moralcodes und Glaubensvorstellungen und zumindest ihrer Familie und ihren Freunden verantwortlich. 

Die Antwort für jede Organisation in diesem Stadium des Übergangs ist offensichtlich: „Ändere sie oder verliere sie.“ [11]

Um die Moral, die Glaubensvorstellungen, den Charakter und die Persönlichkeit ihrer Mitglieder zu ändern, haben terroristische Organisationen keine andere Alternative als die, mit dem Prozess der Bewusstseinsmanipulation ihrer Mitglieder zu beginnen. Sie können dies entweder tun, und in diesem Fall werden sie alle wesentlichen Elemente einer destruktiven Sekte besitzen, oder sie können es nicht tun und sie werden sich spalten, es wird viele Abtrünnige geben und schließlich werden sie keine andere Wahl haben, als ihre Taktik zu ändern und sich deshalb von einer terroristischen Organisation in etwas anderes verändern, vielleicht in eine politische Gruppe wie die IRA in Irland, oder sie werden sich völlig auflösen wie Pykar, eine marxistische Organisation und Zweig der MEK, die sich nicht in eine Sekte verwandeln konnte und schließlich öffentlich ihre Auflösung verkünden musste.

Terroristische Organisationen oder destruktive Sekten, was ist schlimmer? 

Meiner Ansicht nach haben terroristische Organisationen keine andere Wahl, als sich in eine destruktive Sekte zu verwandeln, aber werden sie dann zu etwas Besserem, Akzeptablerem, oder zu etwas Schlechterem? Welches von beidem ist schlimmer, eine terroristische Organisation oder eine destruktive Sekte? Meiner Ansicht nach eine destruktive Sekte, hauptsächlich aus zwei Gründen: 

1- Wenn eine Organisation zu einer destruktiven Sekte wird, dann hält sie an keiner Norm, Moral oder Regel mehr fest. Ihre Doktrin und ihre Verhaltensregel können sich ohne weiteres jede Minute ändern, um zwei wesentlichen Zielen der Sekte zu dienen: dem Überleben und der Verwirklichung der kindischen Träume des Führers. Deswegen kann auch eine Sekte, die dazu gezwungen wurde, von ihrer hauptsächlichen Taktik Abstand zu nehmen, wie die MEK, die dies infolge der Entwaffnung durch amerikanische Streitkräfte tun musste, [12] jederzeit zum Terrorismus zurückkehren, wenn es für sie möglich und nötig ist. Hingegen sind Organisationen jeder Art, auch terroristische (bevor sie sich in eine Sekte verwandeln), einer Reihe von Ideen und Grundsätzen oder zumindest Absichten und Zielen gegenüber loyal, wie es zum Beispiel das Ziel der IRA war, Irland zu einigen, daher sind sie in gewissem Maß vorhersagbar, erreichbar, dialogfähig, und es ist vielleicht sogar möglich, ihre Politik zu beeinflussen und sie in eine friedfertigere und demokratischere Art von Gruppe zu verändern.

2- Der zweite Grund, warum ich denke, es sei schwieriger, destruktiven Sekten als irgend einer anderen Art von Organisationen gegenüber zu treten, betrifft die Änderung des Charakters der Mitglieder destruktiver Sekten. Einer der Slogans der MEK-Führer lautete, wir hätten uns in Ameisen zu verwandeln,  von den Ameisen zu lernen, selbstlos zu sein, und ohne Zweifel und Fragen instinktiv so zu handeln, wie unser Führer es wünscht. Wenn MEK-Führer diese alte Forderung aller Tyrannen offen und schonungslos erwähnten und an ihre Mitglieder richteten, so bedeutet das nicht,  dass jene, die es nicht erwähnen, nicht den Weg dafür bereiten, es zu erreichen. In meinen Augen ist dies das Ziel und die Absicht aller destruktiven Sekten und deshalb ist es zu schwierig, diesen Gruppen gegenüber zu treten.

Für uns in der größeren Gesellschaft mit normalem Leben ist ein Selbstmordattentäter in London, Madrid oder New York sehr schwer zu verstehen; es waren auch für Iraner des zehnten Jahrhunderts, für westliche Kreuzfahrer und für die Herrscher dieser Zeit die Selbstmordaktionen der Assassinen schwer zu verstehen. Ihre Erklärung war, sie seien vielleicht durch Haschisch narkotisiert worden, woher der Name stammt, der ihnen gegeben wurde. Und heutzutage höre ich von einigen Experten, dass sich Selbstmordattentäter töten, um vielleicht wegen schöner Hories ins Paradies zu gelangen. Meiner Ansicht nach ist beides falsch; vielleicht benützen die Assassinen eine Art von Drogen oder denken moderne Selbstmordattentäter, sie könnten ihr sexuelles Begehren mehr nach dem Tod als im Leben befriedigen, aber der Hauptgrund ist der, dass sich Mitglieder einer destruktiven Sekte verändern; sie verlieren schrittweise ihr Selbst, ihre Individualität, ihren Instinkt der Selbsterhaltung und auch Arterhaltung; sie verlieren ihren persönlichen Charakter, ihre Grundsätze und sogar Gefühle; und statt all dem werden sie absolut loyale und gehorsame Anhänger des Führers.  Und deshalb ist es meiner Meinung nach zu schwierig, sich ihnen entgegen zu stellen und sie aufzuhalten. Sie werden wie eine dieser die Gestalt ändernden Charaktere aus manchen Trickfilmen. Einmal sind sie lächelnde, freundliche und glückliche Leute und Minuten später können sie sich in zornige, gewalttätige und gnadenlose Individuen verwandeln, die fähig sind, jedermann zu verletzen und sogar unschuldige Kinder zu töten. Sie sind nicht vorhersehbar und nicht wieder erkennbar. Sie haben keine Glaubensvorstellungen, die wir als eine Basis für Diskussionen und vielleicht für Verhandlungen verstehen können. Sie haben keine persönlichen Wünsche und Schwächen, die benützt werden könnten, um sie zu verändern. Sie suchen Schmerz, Mühsal und sogar Tod,  deshalb können sie nicht eingeschüchtert werden, da sie es begrüßen,  ‚Opfer der Grausamkeiten der größeren Gesellschaft und Märtyrer für den Führer und dessen Slogans zu sein’. Deshalb ist bei der Begegnung mit Mitgliedern destruktiver Sekten keine der konventionellen Methoden des Umgangs mit Kriminellen brauchbar. Später werde ich versuchen, meine Antwort zu diesem Problem zu erklären.

Terrorismus – Auferstehung einer alten Eigenheit destruktiver Sekten

Oben argumentierte ich, alle terroristischen Organisationen hätten, um mit dem Terrorismus als Pfeiler ihrer Strategie oder als einziger oder hauptsächlicher Tätigkeit zu überleben, keine andere Wahl, als sich in eine destruktive Sekte zu verwandeln. Aber das Gegenteil ist nicht immer wahr. Nicht alle destruktiven Sekten sind terroristische Organisationen.

Während destruktive Sekten nicht notwendigerweise Terroristen sind, ist Terrorismus dennoch keine neue Charakteristik von ihnen. Vielleicht der älteste in der Geschichte verzeichnete Fall sind die Zeloten, die um 48 n. Chr. gegen die Römer kämpften[13]. Die Zeloten waren vielleicht auch Pioniere des Massenselbstmords. Als ihr Führer Eleazar erkannte, dass es keine Möglichkeit für einen Sieg gab, forderte er alle Mitglieder auf, sich zu töten. Jahrhunderte später konnten wir eine Wiederholung ihrer Aktion in Waco und Jones Town erleben. Ein anderes Beispiel oder vielleicht eine der am längsten aktiven terroristischen Sekten war Thuggee; die Thuggee-Würger machten Raubzüge in Indien, bis sie schließlich Mitte des 19. Jahrhunderts von den Briten unterdrückt wurden.[14]

Aber die vielleicht berühmteste terroristische Sekte, eine Vorgängerin von MEK und Al-Qaida, sind die Assassinen[15], von denen das Wort Assassination[16] stammt. Wie MEK und Al-Qaida die Rekrutierung mit antiamerikanischen  Slogans begannen, so rekrutierten die Assassinen ihre Mitglieder mit der Begründung, dass der Iran im zehnten Jahrhundert n. Chr. zuerst durch die Araber und dann durch die Türken besetzt war. 

Während sie für die Rekrutierung nationalistische Slogans benützten, zeigten sie als Sekte bald, dass für sie nichts wichtig war als das Überleben und die Ausbreitung der Sekte.  MEK, um zu überleben und sich auszubreiten, arbeitete mit den Feinden des Iran wie zum Beispiel Sadam Hussein zusammen; auch die Assassinen waren, um zu überleben und sich auszubreiten, bereit, mit jedem Beliebigen zusammen zu arbeiten, einschließlich mit den Arabern gegen die Türken, mit den Kreuzfahrern und sogar ‚gottlosen’ Mongolen gegen arabische Muslime, und wechselten dann leicht wieder die Seite um der Sekte und nicht um des Volkes, des Landes oder des Glaubens wegen [17].

Wie für andere Sekten ihre Lehre war auch in diesem Fall der Islam für sie ebenso wichtig zur Rekrutierung, und wäre er dafür nicht wichtig gewesen, dann hätten sie es in jeder gewünschten Weise verändern können. [18]

Um ihre Mitglieder in Tötungsmaschinen zu verwandeln, ebenso wie bei MEK und Al-Qaida, benützten sie nur zwei Konzepte des Islam: Dschihad und Märtyrertum mit ihrer verdrehten Interpretation und unter Missachtung islamischer Verhaltensregeln.[19] Ebenso wie MEK und Al-Qaida zeigten sie keine Achtung vor Menschenleben, und um ihre Ziele zu erreichen, töteten sie jeden, der ihnen über den Weg lief, und überall, sogar alte religiöse Männer[20] während der Gebetszeit in einer Moschee. [21]

Wie MEK und vielleicht auch Al-Qaida und alle anderen destruktiven Sekten mussten sie, um ihre Mitglieder gehirnzuwaschen und sie von einem Individuum zu einer Tötungsmaschine zu machen, sie dazu zu bringen, die Befehle des Führers ohne geringste Frage und Zweifel zu befolgen, volle Kontrolle über die Sexualität ihrer Mitglieder haben. Während MEK oder David Koresh allen Mitgliedern befahlen, sich von ihren Gattinnen und Gatten zu trennen und Sex für das ganze Leben und auch für die Zeit danach zu vergessen, pflegten die Assassinen ihre jungen Selbstmordattentäter zu kastrieren.  

Wie definiere ich destruktive Sekten?

An diesem Punkt möchte ich kurz erklären, wie ich destruktive Sekten definiere:

Entsprechend meiner Definition haben destruktive Sekten vier wesentlich Inhalte oder Elemente:

1-einen charismatischen Führer:

Anders als bei manchen Experten, die Sekten definieren und sie nach ihrer Ideologie oder Lehre einteilen, beginnt meine Definition von Sekten mit ihren Führer statt mit ihrer Lehre. Es ist der Führer mit seinem kindischen Ego und narzisstischen Charakter, der seine unrealistischen Bedürfnisse nicht erfüllen und seine gigantischen Ambitionen in der realen Welt nicht verwirklichen kann, der seine spielzeugartige Miniwelt durch psychologische oder physische Isolation der Mitglieder von der größeren Gesellschaft innerhalb einer destruktiven Sekte erschafft. Meiner Ansicht nach sind Sektenführer von normalen politischen Führern wegen ihrer Attribute wie Charisma und Charme, Narzissmus und kindisches Ego, ihr Überlegenheitskomplex, ihr Bedürfnis für Verehrer und ihre Einsamkeit, völlig verschieden,  

Es ist der Führer/die Führerin, der  oder die ein Anliegen, eine Lehre oder Ideologie benötigt, um Jünger anzuziehen und zu rekrutieren. Ein Anliegen oder eine Lehre ist für einen Sektenführer ein Mittel und kein Ziel oder Zweck. Er oder sie wählen seine oder ihre Lehre gemäß den öffentlichen Glaubensvorstellungen, Bedürfnissen, Ungerechtigkeiten und vorhandenen Übeln der Gesellschaft oder dem Muren jener Gruppe, aus der er/sie fischen möchte. Ihr Ziel ist es, Verehrer zu finden, Spielzeuge in ihrer kindischen Traumwelt, diese Welt zu erschaffen und ihr inneres Ego mit dem äußeren zu vereinen. Was sie als ‚Anliegen’ oder ‚Lehre’ wählen, ist nicht wichtig, und kein Sektenführer fühlt sich zur Loyalität gegenüber seinen ursprünglichen Aussagen oder Zielen verpflichtet.

2-Schwarze und weiße Lehre, Ziele oder Anliegen:

Anders als einige Experten, die Lehren oder Ideologien destruktiver Sekten erklären, möchte ich sie nicht gemäß ihrer oberflächlichen oder wenn ich sagen darf scheinheiligen  Gemeinsamkeiten mit populären Glaubensrichtungen wie Christentum und Islam oder auch solchen wie Nationalismus und Marxismus erwähnen oder definieren. [22]

Deshalb sind gemäß meiner Definition destruktiver Sekten die Wahl dessen, was sie ihre Lehre nennen, wie sie diese definieren, wie loyal sie dieser gegenüber zu sein und wie standhaft sie die Glaubensethik zu beobachten scheinen, ebenso wenig wichtig wie die gemeinsamen Faktoren der Lehren in allen destruktiven Sekten. Attribute wie der Glaube daran, die Welt sei schwarz und weiß, die Exklusivität (gegenüber der Inklusivität anderer sozialer Gruppen, die vielleicht einige Dogmen haben, aber ihre Mitglieder und Anhänger sind frei, irgend etwas zu tun, obwohl es Richtlinien zur Beachtung einiger Dinge gibt; auch Dogmen der Anhänger der extremsten Religionen sind begrenzt und können aufgezählt werden, während destruktive Sekten Dogmen für alles haben, ausgenommen vielleicht einige Aspekte des Lebens.) Mit anderen Worten werden alle Aspekte des Lebens des Mitglieds einer destruktiven Sekte vom Führer entschieden. Das Mitglied hat keine Wahlfreiheit bezüglich irgendetwas außer sehr begrenzten Aspekten seines Lebens. Andere gemeinsame Faktoren in ihren Lehren sind: Ihre Geheimhaltung und Irreführung oder der Glaube an die Idee, dass der Zweck die Mittel heiligt.

3-Totalitäre Organisation

Während die Organisation nicht annähernd so wichtig ist wie die Lehre der Sekte und sicher nicht so wichtig wie die Methode der Bewusstseinsmanipulation, die Sektenführer benutzen, um ihre Anhänger von dem was sie sind zu idealen Verehrern umzuwandeln, und obwohl sie wegen der Größe und der Umstände die Form ihrer Organisation leicht verändern können, können wir zwischen den Organisationen verschiedener destruktiver Sekten einige Gemeinsamkeiten feststellen.  Gemeinsamkeiten wie dass alle totalitär sind, deshalb gibt es keinen Platz für Demokratie, ernste Fragen oder Zweifel oder Kritik gegenüber dem Führer und seinen oder ihren Befehlen; eiserne Disziplin; harte Arbeit; Autonomie von der größeren Gesellschaft; Geheimhaltung und Überwachung; lebenslange Mitgliedschaft oder geschlossene Ausgangstüren. Im Fall von Al-Qaida, obwohl es sich in eine Art von Franchise-Unternehmen verwandelt hat, können wir weiterhin in jeder kleinen Zelle des Al-Qaida Franchise-Unternehmens diese gemeinsamen Elemente der Organisation destruktiver Sekten finden.

4-Bewusstseinsmanipulation

Damit Sektenführer ihre kindische Welt erschaffen und ihre Tendenz zu ‘alles oder nichts’ befriedigen können, haben sie keine andere Wahl, als sich selbst und ihre kleine Welt psychologisch und physisch (wenn sie können) zu isolieren und Wege zu finden, um freie Männer und Frauen, die aus der größeren Gesellschaft rekrutiert wurden, in Spielzeuge wie Gegenstände ihrer Traumwelt umzuwandeln. Diese Art von Gurus haben keine andere Wahl, als eine Art der Methode von Bewusstseinsmanipulation zu benützen, wenn sie ihre Spielzeuge als Anhänger in einer sehr engen und absoluten Verbindung behalten wollen, ohne jede Frage, ohne jeden Zweifel, ohne jede Beschränkung und ohne jeden Widerspruch, ohne private oder persönliche Glaubensvorstellungen, Grundsätze, Wünsche, Hoffnungen, Träume oder Gedanken und sogar ohne Emotionen und Gefühle, sie zu verändern, so dass sie für ihr Spiel flexibel genug sein können.

Wenn immer wir über Bewusstseinsmanipulation sprechen, stehen wir plötzlich zwei Extremen gegenüber; einerseits jenen, die die Existenz solcher Methoden leugnen, andererseits jenen, die einfache Beeinflussungstechniken bei der Rekrutierung ‚Gehirnwäsche’ nennen; sie nennen Mitglieder jeder Sekte, auch einer nicht destruktiven, ‚Zombies’ oder ‚Maschinen’. Ich persönlich glaube nicht daran, dass es irgendeine Methode gibt, die eine Person völlig gehirnwaschen kann und die die Wirkungen der Gene oder der frühen Erziehung durch die Eltern und die Gesellschaft, die den Kerncharakter und die Persönlichkeit einer Person formen, überwältigen kann. Nachdem dies gesagt ist, teile ich mit, dass ich Änderungen meiner eigenen Persönlichkeit und von hunderten wenn nicht tausenden anderen Mitgliedern der MEK durch die Benützung verschiedener Methoden der Bewusstseinsmanipulation gesehen habe; deshalb bin ich ein starker Gläubiger an die Existenz von Methoden, die den Charakter, die Persönlichkeit, das Glaubenssystem und das Selbstverständnis einer Person verändern können. Diese Methoden können eine Person aus dem Fahrersitz ihres eigenen Willens in den Beifahrersitz befördern und eine fast völlige Unterwerfung unter den Führer erzwingen. Wie ich erwähnt habe, glaube ich nicht, dass eine Person zum Beispiel in einen ‚Zombie’ oder eine ‚Maschine’ verwandelt werden kann, aber gleichzeitig habe ich zu sagen, dass bei einem Vergleich derer, die diese Art von Worten benützen, wenn sie Sektenmitglieder beschreiben, mit jenen, die die Existenz von Methoden der Bewusstseinsmanipulation leugnen, die erstere Ansicht meiner Meinung nach der Wirklichkeit viel nähe kommt als die letztere. Ja, ich glaube daran, dass wirkliche, loyale und gehorsame Mitglieder einer destruktiven Sekte einer ‚Ameise’ viel näher sind, als Rajavi dies zulassen wollte, oder einem ‚Zombie’ oder einer ‚Maschine’, als die freien Männer und Frauen, de wir in der größeren Gesellschaft sehen, sogar in einer Diktatur, trotz aller Beschränkungen, die für ihren freien Willen bestehen mögen.

Um Bewusstseinsmanipulation zu erklären, habe ich sie in drei verschiedene Kategorien oder Phasen eingeteilt. Erstens die Benützung von vernunftmäßigen Beeinflussungstechniken, um den Glauben des neuen Rekruten zu verändern, ebenso wie als Werkzeug für die Rekrutierung. Nachdem der Glaube des Rekruten geändert wurde, wird es die Hauptaufgabe des Führers sein, den neuen Glauben zu stabilisieren und zu erhärten und die Tendenz des neuen Rekruten, wegen des Drucks seiner Persönlichkeit und seiner Gefühlen gegenüber seinem alten Lebensweg, seiner Familie und seiner Freunde zu seinem alten Glaubenssystem zurückzukehren, zu neutralisieren.  Das erreicht man hauptsächlich durch Isolation und Verhaltensänderung, was ich Bewusstseinskontrolle nenne. Als nächstes muss ein Sektenführer, um seinen Wunsch, freie Männer und Frauen in Spielzeuge umzuwandeln, die nach Wunsch gebogen und verformt werden können, die individuelle Persönlichkeit des Anhängers in die kollektive Sektenpersönlichkeit verändern; das wird hauptsächlich durch die Benützung von Emotionen bewirkt, die ich Gehirnwäsche nenne. [23]

Die Auseinandersetzung mir terroristischen Sekten ist anders als die mit dem Terrorismus:

Wie ich erklärte, sind beim Wechsel einer terroristischen Organisation zu einer destruktiven Sekte ihre ursprüngliche Lehre, Ideologie oder ihr Anliegen nicht nahezu ebenso wichtig, als diese es für Mitglieder waren, als sie rekrutiert wurden; das ist der Hauptunterschied zwischen einerseits individuellen Terroristen oder Organisationen, die Terrorismus als eine ihrer vielen Taktiken benützen, und andererseits terroristischen Organisationen. Zwei entscheidende Elemente für das Überleben destruktiver Sekten sind: 1- der Führer, und 2 – das System der Bewusstseinsmanipulation. Deshalb können wir, wenn wir es einerseits mit individuellen Terroristen und anderen Arten von Organisationen zu tun haben, erziehen, vereinbaren und sogar verhandeln, in Kürze alle politischen und rationalen Methoden benützen, um sie davon zu überzeugen, Gewalt und Terrorismus als eine ihrer Taktiken hinter sich zu lassen und politische Mittel zu benützen, um ihre Ziele zu verfolgen; andererseits sind bei der Konfrontation mit destruktiven Sekten einschließlich terroristischer Organisationen diese Mittel vergeblich.

Während wir in den ersteren ihre Verpflichtung zu ihrer Lehre oder zu ihrem Ziel erkannt haben und dies als eine starke und entscheidende Basis für Bildung, Argumentieren, Zeigen der Widersprüche und sogar Verhandlungen benützen, wäre es bei den letzteren der größte Fehler, sie zum Beispiel als Muslime, christliche Nationalisten oder Marxisten anzuerkennen, vor allem öffentlich, und noch schlimmer, sie als NRM oder neue Sprecher für Glaubensrichtungen, Ideologien oder auch Anliegen anzuerkennen.  Unglücklicherweise war dies der größte Fehler westlicher Politiker, Medien oder sogar einiger Wissenschaftler und Intellektueller nach 9-11, die Al-Qaida als Muslime anerkannten, und noch schlimmer waren jene, die sie als Islamisten bezeichneten oder sogar einige, die ihre Propaganda und ihre Aktionen mit dem Islam gleichsetzten. Ich meine sehr, dass diese Leute, indem sie terroristische Organisationen Muslime und nicht eine destruktive Sekte nannten, für sie eingetreten sind und ihnen in einer Weise geholfen haben, von der sie kaum träumen konnten.  Sie konnten die Sympathie von vielen Muslimen gewinnen, die zum Beispiel mit der Politik des Westens im israelisch-palästinensischen Konflikt unzufrieden waren; Osma wurde der zweitmeist benützte Name für neugeborene Knaben in arabischen Ländern, und Al-Qaida rekrutierte so viele junge unzufriedene und verwirrte Muslime, dass sie nicht wussten, wie sie diese ausbilden, organisieren und benützen sollten.  Ich hoffe, dass eines Tages zumindest jene, die Al-Qaida mit dem Islam gleichsetzten, erkennen, was sie getan haben und wie sie sich in die größten Befürworter terroristischer Organisationen verwandelt haben und hoffentlich gezwungen werden, sich vor hunderttausenden Opfern des neuen Terrorismus rings auf der Welt zu entschuldigen.

Um terroristischen Organisationen entgegenzutreten, müssen wir forschen, lernen und ihre Stärken verstehen, und am allerwichtigsten verstehen, wie sie das Bewusstsein ihrer Anhänger manipulieren, und sie neutralisieren. Meiner Ansicht nach sind die wichtigsten Elemente ihrer Bewusstseinsmanipulation 1 – psychologische und vielleicht physische Isolation neuer Rekruten von der größeren Gesellschaft, und 2 – Benützung starker Emotionen der Muslime im Allgemeinen und junger Muslime im Besonderen in Bezug auf das, was in der islamischen Welt geschieht.

1 – Psychologische Isolation: In dem oben erwähnten Papier[24] habe ich versucht zu zeigen, wie destruktive Sekten im Allgemeinen und terroristische Sekten im Besonderen Phobien, Paranoia, Hass und Abscheu gegen die äußere Welt erzeugen und auf diese Weise ihre neuen Rekruten psychologisch von der größeren Gesellschaft isolieren und Nichtmitglieder entmenschlichen und für Untermenschen erklären. Wieder unglücklicherweise versuchten nach 9/11 westliche Regierungen und Medien nicht nur nicht, diese Elemente zu neutralisieren, sondern im Gegenteil die öffentliche Meinung damit zu befriedigen, dass sie sich mit dem Problem in einer Weise befassten, die terroristischen Organisationen sogar sehr half, ihre Mitglieder von der größeren Gesellschaft zu isolieren.  Um diesen Elementen entgegenzutreten, müssen wir verstehen und anerkennen, dass es in jedem Mitglied eines destruktiven Kultes ein sterbendes Individuum gibt, das sich nach etwas Ermutigung, Freundlichkeit, Verständnis und einer helfenden Hand zum Überleben und zu seiner eigenen Rettung sehnt. Lassen Sie mich zwei Beispiele von mir selbst anführen. Nachdem ich mehr als 24 Stunden wach gewesen war, reiste ich von Paris nach Washington.  Im Flugzeug saß eine alte Frau neben mir, und als sie sah, wie müde ich war, zeigte sie mir etwas Freundlichkeit und Verständnis und bewahrte zum Beispiel mein Lunch für mich auf, bis ich aufwachte. Ein anderes Beispiel: Als ich mich verletzte, weil ich wegen meines Rückenproblems von einer Stufe fiel, half mir ein Freund, der nicht Mitglied der MEK war, und versorgte meine Wunde.  Sie können sich nicht vorstellen, wie sehr mir diese beiden kleinen Zeichen des Verstehens und der Freundlichkeit halfen, mit der Idee zu brechen, wir als Mitglieder der MEK stünden über allen anderen, und in meinem Bewusstsein die Idee der Entmenschlichung und des Untermenschentums  Außenstehender zu neutralisieren. Einsperren, Beleidigen, Schlagen, Water-Boarding, Foltern von Mitgliedern destruktiver Sekten wird diese sterbenden Individuen schwächen  und wird ihre sektiererische kollektive Persönlichkeit stärken und sie standfester machen bei allem was sie tut. Wegen der öffentlichen Sicherheit können wir gelegentliche Anhaltungen und Untersuchungen nicht vermeiden, vielleicht müssen wir auch in Kauf nehmen, das wir einige irrtümlich einsperren, aber das ist nicht so wichtig und so schädlich wie das, was wir nach der Anhaltung oder Arretierung eines möglichen Rekruten einer destruktiven Sekte tun. Wenn wir allgemein die Öffentlichkeit und insbesondere die Polizei, die Politiker und die Medien darüber informieren, dass Mitglieder destruktiver Sekten Opfer und keine Verbrecher sind, die psychologische Hilfe und keine Bestrafung benötigen, dann können wir diesem Problem entgegentreten, ohne neue Opfer und Märtyrer zu erzeugen, damit destruktive Sekten noch mehr Mitglieder rekrutieren und sie noch mehr gehirnwaschen. 

2-  Emotion: Wir im Westen sind vielleicht nicht in der Lage, uns viel mit den Gefühlen der Muslime zu befassen, und wenn ich es so sagen darf, mit menschlichen Gefühlen bezüglich dessen, was sich ringsum in der Welt ereignet, Ungerechtigkeiten, Diskriminierung und Grausamkeiten. Wir können unsere Medien nicht davon abhalten, diese Nachrichten zu veröffentlichen, und wenn wie so handeln wie manchmal unsere Medien handeln, dann machen wir meiner Ansicht nach den allergrößten Fehler, indem wir nicht nur die Argumente terroristischer Organisationen anerkennen, sondern auch unsere eigenen Werte nicht beachten und uns als freie, demokratische und faire Gesellschaft diskreditieren; als Ergebnis ermutigen wird nicht nur mögliche junge Rekruten terroristischer Sekten zu alternativen Informationsquellen, sondern wir drängen sie sogar noch mehr dazu, zu gewalttätigen Verhaltensweisen ausgebildet und von ihnen angezogen zu werden, ihren Gefühlen zu begegnen. Meiner Ansicht nach müssen wir zumindest Verteidiger unserer eigenen Werte sein, unserer Freiheit, unserer Demokratie und unserer Fairness. Wir müssen jeden Bedarf für alternative terroristische oder sektiererische Informationsquellen reduzieren, indem wir selbst aus erster Hand wirkliche Nachrichten über Ungerechtigkeiten verbreiten. Wir müssen die Emotionen von Leuten, insbesondere die junger Muslime, gegenüber Ungerechtigkeiten, Diskriminierung und Grausamkeiten verstehen und anerkennen, und sie dann zu alternativen Mitteln, ihre Emotionen zu  lenken, erziehen, ihnen die Wege zeigen und sie ihnen erleichtern. Neulich sah ich eine Dokumentation im Kanal 4 unter dem Titel ‚Britanniens Islamische Republik’ [25]; in dieser Dokumentation versuchten der Produzent und der Präsentator des Programms, während sie meiner Ansicht nach einige richtige und korrekte Standpunke vertaten, unglücklicherweise gleichzeitig jene ‚bloßzustellen’ und zu ‚diskreditieren’, die versuchen, im Britischen Parlament Gehör zu finden, indem sie argumentierten, sie versuchten, die Labour Party zu infiltrieren oder zu beeinflussen oder ihren eigenen Kandidaten für die Parlamentswahl aufzustellen. Ich hoffe ich irre mich und die Diskreditierung jener, die versuchen, einen politischen Weg als Antwort auf den Schrei dieser jungen Leute zu finden, war nicht die Absicht der Produzenten dieses Programms, da ich glaube, dies sei genau das, was wir zu tun haben, nämlich junge Muslime zu ermutigen und ihnen zu zeigen, wie sie ihre Emotionen, ihr Gefühl für Verantwortung, ihr Bedürfnis, etwas gegen die Ungerechtigkeit zu tun, auf friedliche und politische Mittel lenken können, und ihnen zu beweisen, dass dies funktionieren kann und der richtige Weg zu einer dauerhaften Beseitigung der Übel der modernen Welt ist.



[1] Mujahedin-e Khalq (Volksmudschahedin)

 

[2] Im RAND Report auf Seite 10 und 11 wurde festgestellt: ‘Die MEK bestanden darauf, dass sie im Februar 2003 einen Brief an das U.S. Department of State sandten, in dem sie ihre Absicht erklärten, während der bevorstehenden Invasion des Irak eine neutrale Partei zu sein, und dass sie auf die Koalitionsarmee nicht schießen würden, auch nicht zur Selbstverteidigung. Sie behaupteten auch, angeboten zu haben, auf Seite der Koalition zu kämpfen. (RAND: Das Forschungsinstitut der nationalen Verteidigung ist eine gemeinnützige Forschungsorganisation, die objektive Analysen und wirksame Lösungen bezüglich Herausforderungen betreffend öffentliche und private Sektoren rings auf der Welt. Der Report 'The Mujahedin-e Khalq in Iraq; A Policy Conundrum  2009' wurde vom Office of the Secretary of Defense of the United States of America gefördert. Der ganze Report ist zu finden in: http://www.rand.org/pubs/monographs/MG871/ ;)

[3]  Mehr Information über die MEK and ihre ideologische Revolution findet sich in MASOUD, Memoirs of an Iranian Rebel, veröffentlicht bei SAQI Book; 2004. Die unveröffentlichte Versin meiner Memoiren sind auf meiner Website zu finden: http://www.banisadr.info/mylifestory.htm . Oder man kann ‘The Iranian Mojahedin’ lesen, herausgegeben von der Yale University Press New Haven and London, verfasst von Ervand Abrahamian, Professor der Geschichte am Baruch College, City University of New York. 

 

[4] ‘Terrorist Organizations Are Cults’ (Terroristische Organisationen sind Sekten); Masoud Banisadr; Cultic Studies Review, Vol. 8, No. 2, 2009, PP: 3. Dieser Artikel ist auch in meiner Website zu finden: http://www.banisadr.info/ICSA2009.htm

 

[5] MEK’s Veröffentlichung, Nashrieh … 11. Dezember 1981.

 

[6] MEK’s Veröffentlichung, Nashrieh … 18. Dezember 1981.

 

[7]Selbstmordterror ist älter als die modernen Äußerungen von Autobomben, die im Libanon begannen. Er ist weder auf die moderne Zeit noch auf eine einzelne Region oder Religion beschränkt. Die frühen historischen Vorgänger des Terrorismus inkludieren die jüdischen Zeloten und Sicarier im ersten Jahrhundert n. Chr. während der Zeit des zweiten Tempels bis zu seiner Zerstörung im Jahre 70 n. Chr., die hinduistischen Thugs in Indien von der Zeit des Herodot bis 1836, die Assassinen des zwölften Jahrhundert, antikoloniale Bewegungen in Malabar und die japanischen Kamikaze während des Zweiten Weltkriegs. Indem man diese frühen Beispiele des Terrorismus untersucht, kann man bestimmte allgemeine Muster feststellen, die sich ergeben, und Ähnlichkeiten zwischen diesen frühen und den neueren Phänomenen. Die Gemeinsamkeiten, die sich aus diesen frühen Fallstudien ergeben, bieten eine Schablone für das, was sich heute abspielt: die Rolle der frühen Erziehung bei der Heranbildung von Anhängern, das Erscheinen charismatischer und ehrgeiziger Führer, Diskussionen über besetztes Territorium und die Weisen, wie Religion manipuliert wurde, um Anhänger zu veranlassen, im Namen Gottes zu töten’ (aus ‚Dying to Kill’ von Mia Bloom, S. 4).

 

[8] Natürlich, wenn es Zivilisten unter den Toten gab, dann pflegte man sie als Agenten oder Spione des Regimes zu bezeichnen, oder als Basiji (Mitglieder von Mobilisationsteams) ….. Interessant, dass sie während ihrer damaligen terroristischen Tätigkeit die Explosion dreier Bomben in der Nähe des Ortes, wo Khomeini gewöhnlich lebte, für sich beanspruchten (MEK’s Veröffentlichung Nashrieh, 23. April 1982), aber die Urheberschaft an anderen Bomben leugneten, bei denen Zivilisten getötet wurden, was nicht einmal von MEKs eigenen organisatorischen Förderern akzeptiert werden konnte. Sie behaupteten, die Aktionen seien vom Regime selbst (MEK’s Veröffentlichung Nashrieh, 10. September 1982) oder von jemand anderem (MEK’s Veröffentlichung Nashrieh, 8 Oktober 1982)  ausgeführt worden. Aber sie zögerten nicht, sogar den Manager einer staatlichen Agentur zu töten, der gesetzlich verpflichtet war, einen Bericht über die Einnahmen aus allen Mietverträgen herauszugeben (MEK’s Veröffentlichung Nashrieh, 14. Mai 1982), oder den Leiter einer örtlichen Organisation der Hilfe für die Bauern (MEK’s Veröffentlichung Nashrieh, 23. July 1982). Tatsächlich waren in den Augen der MEK und ihrer Förderer alle, die das Regime unterstützten, kriminell und der Ermordung würdig. Später änderten sie sich sehr, da sie begannen, Leute als entweder auf ihrer Seite oder auf der des Regimes befindlich zu betrachten; deshalb arbeitet jeder, der nicht auf ihrer Seite steht, mit dem Regime zusammen und ist der Ermordung würdig. Deshalb töteten sie innerhalb eines Jahre mehr als 2000 Menschen und kündigten dies selbst stolz an (MEK’s Veröffentlichung Nashrieh Nummer 55 vom 24/9/1982, auch in MEK’s Veröffentlichung Mojahed Nummer 163 vom 4/8/1983 wurde die Anzahl der zwischen 20. Juni 1982 und 20. Juni 1983 von MEK Getöteten mit 2800 angegeben). Natürlich mussten sie später, als sie nach und nach alle ihre Unterstützer im Iran dadurch verloren, dass diese entweder durch Hinrichtung oder durch bewaffnete Kämpfe getötet wurden, Terroristenteams aus dem Irak senden, deshalb war es nicht mehr so leicht, Attentate auf hohe Beamte zu verüben und deshalb begannen sie, Ölleitungen zu sprengen (MEK’s Veröffentlichung Mojahed, 14. Juni 1993) oder Bombe an Plätzen wie am Grab von Khomeini zu platzieren, was das Töten von Zivilisten zur Folge haben konnte (MEK’s Veröffentlichung Boltan, 16. Oktober 1992).

 

[9] Die Regeln des Dschihad: Muslime begreifen im Allgemeinen, dass der Dschihad seine Regeln und Bedingungen hat. Im Koran betont Gott, dass niemand diese Regeln verletzen oder zurückweisen sollte. Abu Baker, der erste Kalif nach dem Propheten, instruierte jene, die sich selbst als muslimische Soldaten betrachten wollten, indem er sich auf den Koran und die Sprüche des Propheten bezog: „Begehe keinen Verrat; hege keinen Groll; betrüge nicht; töte keine Kinder; töte keine älteren Leute; töte keine Frauen; zerstöre oder verbrenne nicht Bienenstöcke; fälle keine fruchttragenden Bäume; schlachte keine Schafe, Rinder oder Kamele, außer wenn sie zur Nahrung dienen. Du wirst Leute antreffen, die ihr Leben in Klöstern verbrachten; lass sie bei dem, dem sie ihr Leben gewidmet haben…“ (aus ‘Heirs of the Prophet Muhammad’ von Barnaby Rogerson, S. 162). Außerdem stellte Ali, der vierte Kalif, weitere Regeln auf, um dem Töten ein Ende zu bereiten, einschließlich des Schutzes von Kriegsgefangenen. Er sagt: „Keiner, der den Rücken kehrt, soll verfolgt werden; kein Verwundeter soll getötet werden; wer immer seine Waffen wegwirft, ist sicher.“ Ali hat mit Güte verziehen. Die Toten beider Seiten wurden begraben; nur erbeutete Waffen und Tiere durften als Kriegsbeute behalten werden (aus ‘Heirs of the Prophet Muhammad’ von Barnaby Rogerson, S. 298).

 

[10] “[als] die Mudschahedin erkannten, dass die zweite Revolution nicht bevorstand, und sie daher begannen, sich für einen verlängerten bewaffneten Kampf vorzubereiten, hatte organisatorische Militanz den Vorrang vor politischer Nützlichkeit. Hardcore-Kämpfer wurden wichtiger als ‚Gutwetterfreunde’ und ‚Reisegenossen’; die ‚Qualität’ der Mitglieder wichtiger als die Zahl der Sympathisanten, organisatorische Disziplin wichtiger als die Erscheinung der inneren Demokratie, und ideologische Reinheit in Reih und Glied wichtiger als häufige Kontakte mit außen stehenden Sympathisanten, besonders dann, wenn solche Sympathisanten gewöhnliche Mitglieder anstecken konnten.  So wurde das nach auswärts gerichtete Verhalten durch ein nach innen gerichtetes ersetzt, das Alliierte so behandelte, als wären sie potentielle Feinde. Die neue Ansicht betrachtete jene, die nicht voll für die Mudschahedin waren, als seien sie dagegen. Nachdem sie zu diesen Schlussfolgerungen gekommen waren, begannen die Mudschahedin, „halbherzige Freunde“ aus dem Nationalen Rat hinauszudrängen – einige ehemalige Mitglieder des Nationalen Rates meinen, dass die Mudschahedin ihre Differenzen mit Banisadr und der Kurdischen Demokratischen Partei hätten ausbügeln können. Sie zerstörten Iranshahr, als diese Zeitung [der Mudschahedin] es wagte, eine Reihe von Interviews mit prominenten ehemaligen Mitgliedern zu veröffentlichen, die milde Kritiker der Organisation sind. Sie klagten Kritiker freimütig an, Agenten von SAVAK* zu sein.“ (Von Ervand Abrahamian, Iranian Mojahedin, S. 249)

(*Anm.d.Übers: SAVAK war der iranische Nachrichtendienst von 1957 bis 1979)

 

[11]Terrorist Organizations Are Cults’ (Terroristische Organisationen sind Sekten), Masoud Banisadr; Cultic Studies Review, Vol. 8, No. 2, 2009,  SS: 164, 165

                                                                                                                                                                                                                                                        

[12] Im RAND Report lesen wir: ‘Nach der Invasion 2003 des Irak durch die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich und der Unterwerfung des Regimes von Sadam Hussein wurden die MEK gezwungen, alle ihre Waffen zu übergeben. Seitdem behaupten die MEK, dass sie formal die Anwendung von Gewalt zurückwiesen. ‚Obwohl es wenige dokumentarische Beweise für diese Entscheidung in Englisch oder in Farsi gibt’ (RAND Report 2009: http://www.rand.org/pubs/monographs/MG871/ ; The Mujahedin-e Khalq in Iraq; S: 66). Im selben Report lesen wir, dass wenn immer die Führer der MEK fühlten, dass ihre Beziehungen zu den Amerikanern gut waren, sie die Rückgabe ihrer Waffen verlangten.

 

[13] Zeloten: ‘Seit dem Jahr 48 n. Chr. führten die Zeloten terroristische Kampagnen aus, um in Judäa eine Erhebung gegen die Römer zu erzwingen. Diese Kampagnen schlossen die Verwendung von Sicariern (Dolchmännern) mit ein, die von den Römern kontrollierte Städte infiltrieren und jüdische Kollaborateure oder römische Legionäre erdolchen, das Personal der Tempelwache gegen Lösegeld gefangen halten oder ihre Feinde vergiften sollten. Die Rechtfertigung der Zeloten für ihr Töten anderer Juden war, dass ihre Aktionen die Folgen der Immoralität der Zusammenarbeit mit den römischen Invasoren zeigen und den Umstand aufdecken sollten, dass die Römer ihre jüdischen Kollaborateure nicht beschützen konnten.’ (Rex A. Hudson, 'The Sociology and psychology of Terrorism: Who Becomes a Terrorist and why?' Report, erstellt auf Grund eines Interagency Agreement durch die Federal Research Division, Washington DC: Government Printing Office, Library of Congress September 1999, 14. Zitiert aus Mia Bloom; 'Dying to Kill; The Allure of Suicide terror'; Columbia University Press/ New York; 2007; S. 8). ‘Zeloten sahen sich als revolutionäre Katalysatoren, die Männer durch die Kraft ihrer kühnen Aktionen bewegten, indem sie Massenerwartungen ausnützten, dass eine umstürzende messianische Befreiung bevorstünde. Um eine Massenerhebung zu erzeugen, steigerten sie den Kampf durch Schocktaktiken, um Furcht, Gräuel, Sympathie und Schuldgefühle zu manipulieren. Manchmal wurden diese emotionalen Wirkungen durch terroristische Grausamkeiten hervorgerufen, die über die übereinstimmenden Normen bezüglich Gewalt hinausgingen; zu anderen Zeiten wurden sie dadurch ausgelöst, dass der Feind gegen seinen Willen zur Begehung von Grausamkeiten provoziert wurde. (David C. Rapoport, University of California, Los Angeles; 'Fear and Trembling,' Terrorism in three religious traditions. The American Political Science Review, Vol. 78, No. 3 (Sep. 1984) S. 670, zitiert aus Mia Bloom, 'Dying to Kill; The Allure of Suicide terror'; Columbia University Press/ New York; 2007; SS: 9, 10.) Die Zeloten und die Sicarier hatten ihre Aktionen entworfen, um absichtlich eine Massenerhebung zu provozieren. ‚Aufeinanderfolgende Grausamkeiten verringerten die Aussichten auf eine politische oder beiderseits annehmbare Lösung und dienten der Zerstörung der Glaubwürdigkeit Gemäßigter auf beiden Seiten, während sich der Konflikt ständig erweiterte und neue Teilnehmern mit einbezog.’ (David C. Rapoport, University of California, Los Angeles; 'Fear and Trembling,' Terrorism in three religious traditions. The American Political Science Review, Vol. 78, No. 3 (Sep. 1984) S. 672, zitiert aus Mia Bloom; 'Dying to Kill; The Allure of Suicide terror'; Columbia University Press/ New York; 2007; SS: 9, 10.) ‘Die Führer der Zeloten verbrannten sogar die Lebensmittelvorräte ihrer eigenen Armee während Jerusalems langer Belagerung, als Zeichen religiöser Hingabe und in einem Versuch, Gottes Hand herauszufordern, gegen die Römer tätig zu werden. Gott würde keine Wahl haben, als einzuschreiten, um seine Anhänger zu retten. Eine göttliche Intervention trat nicht ein und viele Einwohner Jerusalems verhungerten. Der Standpunkt von Josephus war, dass den Taktiken der Zeloten die Schuld für alles Unheil gegeben werden müsse, das das jüdische Volk befiel, einschließlich Exil, Vertreibung, Massaker der jüdischen Gemeinschaften in Ägypten und auf Zypern, und die Zerstörung des Zweiten Tempels. Schließlich legte Josephus den Massenselbstmord auf Massada der Unnachgiebigkeit der Zeloten zur Last. Als der römische General Flavius Silva sich Ende 72 n. Chr. entschloss, Massada anzugreifen, waren 960 Aufrührer und Flüchtlinge in der Festung, einschließlich Männer, Frauen du Kinder. Silva umgab den Berg mit der zehnten römischen Legion und mit Hilfskräften. Als im folgenden Jahr der Fall der Festung unvermeidlich war, überredete Eleazar, der Führer der Zeloten, die Verteidiger von Massada zu einem Massenselbstmord. (Zwei Frauen und ihre fünf Kinder überlebten, um die Ereignisse zu beschreiben, indem sie sich in einer Höhle versteckten.)

Die Zeloten auf Massada zogen es vor, von eigener Hand zu sterben, als durch ihre römischen Feinde gefangen genommen zu werden. (Josephus, The Jewish war, volume 7, 252 - 404; Paul Johnson, A history of the Jews -New York; Harper and Row, 1987- , 139-140; David Rapoport, persönliche Korrespondenz mit dem Autor, 8. April 2004. – Zitiert aus  Mia Bloom; 'Dying to Kill; The Allure of Suicide terror'; Columbia University Press/ New York; 2007; S: 10, 11)

 

[14]  bezüglich mehr über indische Sekten siehe Lung, Haha and Christopher B. Prowant. Black Science: Ancient and Modern Techniques of Ninja Mind Manipulation. Boulder, Colorado: Paladin Press, 2001

 

[15]  ‚Die „Assassinen" (Hashishins)-Sekte wurde um 1090 in Persien von  Hassan ibn Sabbah („Der alte Mann auf dem Berg") gegründet. Von seinem unbezwinglichen „Adlernest“ (Alamut)-Schloss aus, verborgen in den Bergen von Persien, schickte er Welle um Welle von Selbstmord-Agenten – Spione und Mörder – in die Welt hinaus. Hassans Assasinen-Sekte war das Urbild für alle Geheimgesellschaften, Spionennetzwerken und Terroristengruppen, die folgten – bis zum heutigen Tag. Das war die originale Al-Qaida! In seiner Zeit benützte Hassan jede erdenkliche Taktik, Folter, und jedes Werkzeug, von Magie bis zum Mord, Haschisch und Dirnen, um Feinde zu verwirren und zu täuschen und sie so zu zwingen, sich seinem Willen zu unterwerfen. Für Hassan und seine Assassinen rechtfertigte der Zweck die Mittel. Die Mittel sind Terror und Verrat und das Ziel ist Macht. Meister des Wechsels der Form, wenn immer passend, machten die Assassinen unheilige Verträge mit heidnischen Hindus und verbündeten sich mit ungläubigen christlichen Kreuzfahrern gegen ihre muslimischen Brüder. Für Hassan und die assassinischen Großmeister, die sein tödliches Vermächtnis weiterführten, war der Islam nur ein passender schwarzer Vorhang, hinter dem man sich verstecken konnte. Hassans Assassinen herrschten mit List und Gemetzel über zwei Jahrhunderte lang, bis eindringende Mongolen 1273 der Sekte in Persien das Rückgrat brachen. …. Nach der Zerstörung ihres persischen Hauptquartiers überlebten die Assassinen weiterhin und sprossen von Indien bis Syrien, indem sie Spin-Off-Gruppen und Imitatoren hervorbrachten, manche sogar bis in Europa.’(Dr. Haha Lung; Mind Control; The Ancient Art of Psychological Warfare'; Citadel Press Kensington; 2006; S:194)

 

[16] ‘im 13. Jahrhundert war das Wort Assassin in verschiedenen Formen bereits in diesem allgemeinen Sinn eines gedungenen professionellen Mörders in den europäischen Sprachgebrauch gelangt. Der Florentiner Chronist Giovanni Villani, der 1348 starb, berichtet, wie der Herr von Lucca ‚seine Assassinen’ (i suois assassini) nach Pisa schickte, um dort einen missliebigen Feind zu töten. Noch früher spricht Dante in einer vorübergehenden Bezugnahme im 19. Gesang des Inferno über ‚den treulosen Assassin’ (lo perfido assassin); sein Kommentator aus dem 14. Jahrhundert, Francesco da Buti, erklärt einen Ausdruck, der für manche damalige Leser noch seltsam und dunkel gewesen sein muss: 'Assassino e' colui che uccide altrui per danari' – Ein Assassin ist jemand, der andere für Geld tötet. Seitdem ist ‚assassin’ in den meisten europäischen Sprachen ein übliches Wort geworden. Es bezeichnet einen Mörder, genauer jemanden, der heimlich oder durch Verrat tötet, dessen Opfer eine öffentliche Gestalt und dessen Motiv Fanatismus oder Gier ist. Es war nicht immer so. Das Wort erscheint zuerst in dem Chroniken der Kreuzfahrer, als der Name einer seltsamen Gruppe von muslimischen Sektierern in der Levante, geführt von einer mysteriösen Figur, bekannt als der „Alte Mann vom Berge“, und für gute Christen und Muslime gleich abschreckend wegen ihres Glaubens und ihren Praktiken …. (Bernard Lewis; The Assassins; A Radical Sect in Islam; Poenix publication; 2003; S. 2)

Marco Polo, der Persien 1273 durchreiste, schreibt über den Führer der Assassinen: ‚Er hatte ein bestimmtes Tal zwischen zwei Bergen abschließen und in einen Garten umgestalten lassen, den größten und schönsten, den man je gesehen hatte … frei fließend von Wein und Milch und Honig und Wasser; und zahlreiche Frauen und die schönsten Mädchen der Welt, die auf allen Arten von Instrumenten spielen konnten und allersüßest sangen und auf eine Weise tanzten, dass es entzückend anzuschauen war, denn der Alte Mann wollte seine Leute glauben machen, dies hier sei das Paradies …. Wenn nun der Alte Mann einen Prinz töten lassen wollte,’ fährt Polo fort, ‚dann würde er zu einem solchen jungen Burschen sagen; Geh und töte so und so, und wenn du zurückkehrst, dann werden dich meine Engel ins Paradies tragen. Und solltest du dabei dennoch sterben, dann werde ich meine Engel schicken, dich in das Paradies zurück zu tragen … Und auf diese Weise brachte der Alte seine Leute dazu, jeden Beliebigen zu ermorden, den er beseitigt haben wollte.’ (Philip K. Hitti 'The Assassins,' in George Andrews and Simon Vinkenoog -eds.-, The Book of Grass: An Anthology on Indian Hemp -London: Peter Owen, 1967-) Zitiert aus: Mia Bloom; 'Dying to Kill; The Allure of Suicide terror'; Columbia University Press/ New York; 2007; SS: 5, 6)

 

[17] ‘Während der Jahre hatte der Orden der Assassinen irgendwann Pakte oder Verträge mit rivalisierenden Muslimen, opportunistischen Kreuzfahrern und gottlosen Mongolen geschlossen (oder war dessen zumindest angeklagt worden) …. Im Jahre 1174 schlug Sinan, der Führer der Assassinen vom Aleppo, eine Allianz zwischen dem christlichen König Amalric I von Jerusalem und den Assassinen gegen Nur ed-Din, den muslimischen ägyptischen Herrscher, vor. Die Assassinen würden Nachrichten über die Streitkräfte von Nur ed-Din beschaffen, und auch Pioniere der Assassinen, sollte Amalrich sie benötigen. Zusätzlich würde Sinan einen ausgewählten Kader von Amalrics eigenen Truppen in der Taktik und der Technik der Assassinen trainieren. Um den Deal zu versüßen, deutete Sinan an, dass sein Zweig der Assassinen-Sekte sich en masse zum Christentum bekehren könnte. Da Amalric wusste, dass die Assassinen grimmige und furchtlose Kämpfer waren und das beste Nachrichtennetz in Syrien hatten, stimmte er der Allianz zu.’ (Dr. Haha Lung; Assassin; The deadly art of the cult of the Assassins; Citadel Press; 1997; SS: 37,40)

 

[18] ‘Hassan II hob die  islamischen rituellen Verpflichtungen für die Sekte der Assassinen auf, sogar so weit bis zur Erlaubnis des Genusses von Alkohol’ (Dr. Haha Lung; Assassin; The deadly art of the cult of the Assassins; Citadel Press; 1997; P: 36)

 

[19] Um mehr darüber zu wissen, wie diese Organisationen diese Konzepte benützen und wieweit ihre Interpretation davon abweicht, was der Islam sagt, siehe meinen Vortrag zum Thema ‘The Use of the Philosophy of Martyrdom within Religious Cults for Acts of Terrorism’ (Die Benützung der Philosophie des Märtyrertums innerhalb religiöser Sekten für Akte des Terrorismus): http://www.banisadr.info/LSpeech050507.htm

 

[20] Im Islam gibt es keinen Beruf als heilige Männer oder Priester, stattdessen jedoch nennen sich jene, die Experten der Religion sind, ‘Olama’ (kluge Leute) oder ‘Fagieh’, jene, die die Verhaltensregeln innerhalb des Islam kennen und urteilen können (Qadi).

 

[21] Die Assassinen brachen einige islamische Verhaltensregeln, einschließlich des Nichttötens eines nicht am Kampf beteiligten alten Mannes, besonders während der Gebetszeit und in einer Moschee, die als Heiligtum betrachtet wurde, und an anderen Kultstätten, indem sie Ubbayd Allah al Khatib, einen Qadi (Richter) von Isfahan während des Freitagsgebets in der Moschee von Hamadan töteten. Auch der Qadi (Richter) von Nishapur wurde während des Gottesdienstes am Ende des Ramadan ermordet. (Bernard Lewis; The Assassins; A Radical Sect in Islam; Poenix publication; 2003; P:57)

 

[22] Dehalb stimme ich überhaupt nicht mit jenen überein, die destruktive Sekten NRMs (New Religious Movements- Neue religiöse Bewegungen) nennen. Der Hauptunterschied zwischen den beiden ist der, dass eine destruktive Sekte vom Anfang bis zum Ende auf dem Führer beruht, während eine Religion, ein Glaube oder auch eine Ideologie, wenn auch ihre Anhänger zunächst mehr dem Lehrer, Ideologen oder Verkünder dieses Glaubens, der Idee oder der Religion vertrauen, sie sich aber schließlich mehr auf die Ideen als auf die Führer beziehen.  Für sie sind die wichtigen Faktoren, die über allem stehen, die Ideen wie Einzigartigkeit Gottes, Existenz oder Nichtexistenz Gottes, Auferstehung, Sozialismus oder Kapitalismus, Glaube an Seelenwanderung, Kampf für soziale Gerechtigkeit und eine Gleichheit aller Menschen in der Gesellschaft. Sie haben Dogmen, aber ihre Dogmen beruhen eher auf Ideen als auf dem Führer. Im Gegensatz dazu beruhen die Dogmen destruktiver Sekten eher auf dem Führer als auf Ideen. Sie können alle ihre Grundsätze, Ideen und Wahrheiten ändern, aber zwei können sie nicht ändern, daher sind die wirklichen Grundsätze, an die sich ihre Anhänger bis zum Tod halten müssen, 1 – das Überleben der Sekte und 2 – die Loyalität und der Gehorsam gegenüber dem Sektenführer.

Während destruktive Sekten einige Ähnlichkeiten mit auf Ideen gegründeten Gruppierungen haben mögen, wie tatsächlich alle existierenden Phänomene einige Ähnlichkeiten haben, und obwohl Sekten Ableger einer Ideologie sein mögen oder sich schließlich zu einem NRM ändern – solange sie die Charakteristiken von destruktiven Sekten haben, sollten sie meiner Meinung nach auch so benannt werden, und natürlich wenn sie sich ändern, dann sollte auch ihre Kategorisierung sich ändern. In Farsi sagen wir, nicht jeder kugelförmige Gegenstand sei ein Apfel; eine Apfelblüte sei nicht deswegen ein Apfel, weil sie zu einem Apfel werden kann, und ein Apfelkuchen sei auch nicht deswegen ein Apfel, weil er aus Äpfeln gemacht sei oder solche beinhalte.

 

[23] Mehr über meine Ansichten über Bewusstseinsmanipulation  in meinem Vortrag im Seminar von INFORM, November 2009: http://www.banisadr.info/London2009.htm

 

[24] Terrorist Organizations Are Cults’; Masoud Banisadr; Cultic Studies Review, Vol. 8, No. 2, 2009, S: 9

 

[25]  Dispatches; ‘Britain’s Islamic Republic’; Channel four TV of UK; 1. März 2010.