Friedrich Griess, Vorsitzender der FECRIS

 

Danke, Herr Senator, für Ihre klaren Ansichten über das Thema, das uns alle hier in diesem Raum betrifft.

 

Etwa 140 Menschen aus 22 Nationen sind heute hier zusammengekommen, um Berichte aus verschiedenen Ländern zu hören, einander kennen zu lernen und einander im gemeinsamen Anliegen zu stärken, die Gefahr eines neuen Totalitarismus zu bannen. Es sind mit wenigen Ausnahmen Europäer. Die Nichteuropäer begrüße ich als unsere Gäste besonders herzlich: Frau Ayelet Kedem aus Israel, Frau Pamela Lichtenwalner und Herrn Chuck Beatty aus den USA, und Herrn Michael Kropveld von InfoSect/InfoCult aus Kanada, der heute am Ende der Tagung ein Resümee ziehen wird

            Als Grundpfeiler des neuen Europa wünschen wir uns Demokratie, Freiheit, Friede und Recht. Vieles gibt es noch zu verwirklichen, aber wir glauben, sowohl Rahmen des Europarats als auch in der Europäischen Union auf einem guten Weg zu sein.

            Leider wird aber von gewisser Seite an diesen Grundpfeilern eifrig gesägt. „Zur Hölle mit dieser Gesellschaft. Wir errichten eine neue“ schrieb der Gründer von Scientology, L. Ron Hubbard, bereits im Jahre 1961. Demokratie und Wissenschaft hätten der Menschheit nur Elend gebracht, und die wahre Freiheit bestehe darin, seinen Anordnungen widerspruchslos zu gehorchen. Die Bürgerrechte seien nur jenen zu gewähren, die vorbehaltlos die Doktrin des Führers oder Gurus akzeptieren. Wer damit nicht einverstanden ist, dürfe „belogen, betrogen … oder auch vernichtet werden“. Die Anhänger Hubbards meinen, mit der vor kurzem in Berlin errichteten neuen Niederlassung sich „die Straße in den Bundestag geebnet“ zu haben, in Brüssel haben sie sich bereits unmittelbar in der Nachbarschaft des EU HQ niedergelassen und ich fürchte, dass sich in anderen europäischen Hauptstädten bald Ähnliches ereignen wird.

            Andere derartige Gruppen wieder halten vom Frieden nichts, sie wünschen sich den globalen Krieg sogar herbei, in dem alle „abgeschlachtet“ werden, die nicht ihrer Gruppe angehören, und nach dessen Ende sie allein die Erde beherrschen wollen. Zwangsheiraten sind auch in Gruppen, die behaupten, „christlich“ zu sein, an der Tagesordnung. Andere wieder versprechen Unmögliches, wie die Überwindung der Schwerkraft oder die Auferweckung von Toten.

            Die Parolen dieser totalitären Gruppen ähneln sehr jenen des Nationalsozialismus, die damals viele Menschen in ihren Bann gezogen haben. „Denke nicht, sondern gehorche. Wir sind die einzigen wertvollen Menschen. Vernichtet alle Feinde“. Die schrecklichen Folgen einer solchen Mentalität, mit deren Aufarbeitung wir immer noch beschäftigt sind, sollten bekannt sein. Dennoch gibt es immer wieder Menschen, die sich von den Schalmeien dieser Gruppen einfangen lassen. Und wenn diese Bestrebungen oft auch mit einem religiösen Mäntelchen verkleidet werden – es stehen doch meist hochpolitische Ansprüche dahinter, die man nicht verharmlosen darf, so wie es in den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts mit den Plänen eines gewissen österreichischen Gefreiten geschah.

Deutschland hat mit seiner Enquetekommission Ende der Neunzigerjahre auf diesem Gebiet Pionierarbeit geleistet. Vorbildlich auf diesem Gebiet ist auch Frankreich mit seiner „Loi About-Picard“ aus dem Jahre 2001 [1] und mit neueren parlamentarischen Untersuchungen über den Einfluss von Sekten auf Kinder und Jugendliche[2]. In meiner Heimat Österreich sind nach einem Aufschwung in den Neunzigerjahren die Bemühungen leider auf einem Tiefpunkt angelangt. In den übrigen Ländern ist die öffentliche Beachtung dieses Themas uneinheitlich.

Mit der Zuversicht, dass es uns gemeinsam gelingen wird, die Grundsätze der Demokratie, der Freiheit, des Friedens und des Rechts zu verteidigen, eröffne ich diese Tagung und bitte die Abgeordnete zum Bundestag, Frau Antje Blumenthal um ihre Ausführungen.