Bericht über die Arbeitskonferenz der FECRIS am 3. Dezember 2000 in Paris:

An diesem Tag versammelten sich Mitglieder der FECRIS, der nunnehr 30 Organisationen aus 20 euoropäischen Ländern (Belgien, Bulgarien, Deutschland, Großbritannien, Finnland, Frankreich, Italien, Malta, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Rumänien, Russland, Schweden, Schweiz, Slowakei, Spanien, Ukraine, Zypern) und einem außereuropäischen Land (Argentinien) angehören, zu einer Arbeitskonferenz.

Präsident Jean Nokin (Belgien) sagte bei dieser Gelegenheit:

"Seit 15 bis 20 Jahren haben jene, die ich ‚Pioniere‘ nennen möchte, nach und nach die öffentliche Meinung und die Behörden wirkungsvoll für das Vorhandensein von destruktiven Sekten sensibilisiert.

Weil einer ihrer Angehörigen von einer Sekte vereinnahmt wurde, fanden sich diese Pioniere unmittelbar mit mentaler Manipulation konfrontiert. Sie nannten dies ‚Reise ohne Rückkehr und ohne Möglichkeit einer Wiederherstellung‘. Man muß so etwas erlebt haben, um es vollständig zu verstehen. Man hat damals hauptsächlich individuelle Probleme behandelt.

Die Ergebnisse sind greifbar und wir können diese Pioniervereinigungen beglückwünschen, denen es gelang, mit so begrenzten Mitteln bis zu einem gewissen Grad die exponentielle Entwicklung der Sekten einzudämmen und eine Spur von Bewußtsein in der Allgemeinheit zu erzeugen.

Im Lauf der Zeit hat sich die Diskussion erweitert und entsprechend den religiösen oder philosophischen Überzeugungen und auch oft entsprechend den Interessen dieser oder jener verändert.

Diese Entwicklung veranlaßte logischerweise Soziologen, Wissenschaftler, Philosophen und andere Intellektuelle, zu überlegen, ob es gerechtfertigt sei, den Finger anklagend gegen gewisse Sekten und Gurus zu erheben. Ernstzunehmende Analysen wurden veröffentlicht, die es erlaubten, das Phänomen besser zu verstehen und den ‚Pionieren‘ eine wissenschaftlichere Vorgangsweise nahezulegen. Leider haben viele dieser Intellektuellen die dramatische Wirklichkeit nicht verstehen wollen und ihre Überlegungen verblieben peinlicherweise theoretisch und deshalb gefährlich.

Mehrere Staaten Westeuropas konnten so das Maß der Gefährdung erfassen und haben nach und nach Maßnahmen ergriffen, um den rechtlichen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Aspekten gerecht zu werden. Das Problem ist zu einem Problem der Gesellschaft und zu einem Problem der Beziehungen zwischen den Staaten geworden.

Leider zeigen heute noch große europäische und sogar Weltorganismen wie die Europäische Kommission,. das Europäische Parlament, der Europarat, die UNO, die OSZE ....., die oft durch Kulte unterwandert sind, eine ängstliche Reserviertheit angesichts dieses schwerwiegenden Problems der Gesellschaft.

In den meisten Ländern Osteuropas ist dieses Bewußtwerden bei den Regierungen noch nicht sichtbar; die dortigen Vereinigungen sind oft noch die Pioniere der ersten Stunde. Dies bereitet umso mehr Probleme, als die Sekten, im Westen unter Druck geraten, nach dem Osten auswandern.

Auf Grund dieser Beobachtungen und in Anerkennung der Rolle, welche diese Vereinigungen wirkungsvoll gespielt haben und weiterhin spielen, wollen wir die Rolle der FECRIS definieren:

  1. Stark durch das Netz, das nun errichtet wurde, sollten wir vor allem eine solidarische Informations- und Unterstüzungsgruppe sein, genügend klar und objektiv, um in Achtung vor den verschiedenen Kulturen wirksam zu sein, welche den Reichtum und die Vielfalt unseres Kontinentes ausmachen.
  2. Konkret:

  3. Als Sprecherin dieser Vereinigungen bei den europäischen und internationalen Behörden zu agieren.
  4. Das Büro bemüht sich um die Anerkennung der FECRIS bei diesen Organisationen (Europarat: Dezember 2001, UNO: Juni 2001, Europäisches Parlament und Europäische Kommission: die Arbeit auf dem europäischen Rechtsbereich könnte bestimmte Türen öffnen.)

  5. Informationsaustausch mit den Organisationen über das, was sich in Europa und in der Welt ereignet, um den Organisationen zu helfen, allen Versuchen der Infiltration und der Destabilisation in den jeweiligen Ländern wirkungsvoll zu begegnen. Dies ist die Rolle unseres Informationsnetzwerks.
  6. Auf dieser Ebene wünsche ich eine Dezentralisation: die Vereinigungen sollten systematisch das ganze Netzwerk informieren. Dies ist der hauptsächliche Sinn dieses Treffens: zu erreichen, daß die Mitglieder und korrespondierenden Mitglieder einander kennenlernen, daß sie ihre Adressen austauschen und daß sie anschließend mit jeder dieser Adressen ein Gesicht verbinden.

  7. Die Behandlung von wichtigen internationalen Ansuchen zu koordinieren. Dies ist die fallweise Aufgabe besonderer Arbeitsgruppen als ‚task forces‘ mit der Unterstützung durch einen Koordinator.

Unsere Philosophie

Die Aktivität gegen das Sektenwesen sollte gegen die selbstsüchtige Vereinnahmung und deren Folgen wie die Beraubung der individuellen Gedankenfreiheit, die zwanghafte Konditionierung und die Entpersönlichung des Individuums gerichtet sein.

Sie beabsichtigt auch, den Staaten in ihrer Rolle zu helfen, den Gefahren der Destabilisierung der Demokratie, des sozialen Netzes und der Wirtschaft vorzubeugen.

Sie beabsichtigt ganz einfach, sich gegen Personen oder Organisationen zu stellen, die in Übertretung des Gesetzes mit dem Glauben Geschäfte machen und destruktive Techniken der mentalen Manipulation benützen.

Dies sollte FECRIS sein, weit entfernt von Überlegungen religiöser Art, mit denen die Sekten versuchen, uns festzulegen. Wir sind nicht dazu da, diesen oder jenen Glauben anzugreifen oder zu verteidigen; unsere einziges Sinnen sollte auf die Achtung vor dem Menschen und vor dem Gesetz gerichtet sein. Aus diesem Grund sollte unsere Tätigkeit pragmatisch sein, ohne jedoch die Entwicklung und die Verschiedenheit der Kulturen außer Acht zu lassen. Lassen wir uns nicht dorthin verbannen, wo die Sekten uns hinhaben wollen, d.h. in ein rückwärts gewandtes Denken."

Unsere Aktivitäten 1999 und 2000

Colloquium in Paris 1999, das ein Treffen von etwa 250 Personen (27 Vereinigungen) ermöglicht hat, mit dem Herstellen von Verbindungen, Austausch von Ansichten und Informationen. Dieses Colloquium ist ein zeugnishafter Bezugspunkt, der uns bei den verschiedenen Schritten, die wir unternehmen, Hilfe leistet.

Ansuchen um einen beratenden Status beim Europarat gemäß den Schlußfolgerungen des Berichts "Kommission für rechtliche Fragen und Menschenrechte" von Herrn Adrian Nastase. Erinnern wir uns daran, daß dieser Bericht mit dem Vorschlag der Errichtung einer "Europäischen Beobachtungsstelle für Sekten" schloß.

Unsere Kandidatur für einen beratenden Status wurde in erster Lesung nicht angenommen, weil wir von den 41 Staaten des Europarates nur 10 repräsentierten. Wir haben erreicht, vom Europarat zu Rate gezogen zu werden, wenn diese Beobachtungsstelle errichtet würde. Derzeit wurde darüber vom Ministerrat noch kein Beschluß gefaßt.

Entwicklung unserer europäischen Vertretungsfähigkeit durch die Schaffung eines Statuts für korrespondierende Mitglieder, das zur Errichtung eines Netzes von 21 Ländern mit 30 Vereinigungen führte.

Neuerliche Anmeldung unserer Kandidatur beim Europarat, bei der wir die Erweiterung unserer Vertretungsfähigkeit geltend machten.

Kandidatur als NGO (Non-governmental organisation) bei der UNO. Die Entscheidung darüber wurde im Juni 2000 auf den Juni 2001 verschoben.

Einrichtung einer Internetseite für FECRIS: http://www.fecris.org .

Ansuchen um Teilnahme an einem Kolloquium der OSZE mit dem Thema "Implementation Meeting on Human Dimension Issues". Mißachtung dieses Ansuchens.

Pflege von Beziehungen mit verschiedenen nationalen Missionen oder Informationszentren, wie die "Mission Interministérielle de lutte contre les sectes" (Interministerielle Mission zum Kampf gegen die Sekten - MILS) in Paris, das belgische "Centre d'Information et d'Avis sur les organisations sectaires nuisibles" (Zentrum für Information über und Warnung vor schädlichen sektiererischen Organisationen), der "Bundesstelle für Sektenfragen" in Österreich, der Stelle, die in Polen für die Verfolgung von Sektenproblemen verantwortlich ist, usw.

Teilnahme an den Konferenzen der AFF (American Family Foundation) 1999 in Minneapolis und 2000 in Seattle.

Erste Kontaktaufnahme mit den europäischen Abgeordneten, die an unseren Projekten interessiert sind.

Verfassung einer Selbstdarstellung, die unsere ethischen Grundsätze enthält.

Teilnahme an einem Kolloquium, das von der chinesischen Vereinigung zur Förderung internationaler Freundschaft in Peking veranstaltet wurde.

Anlage und Koordination verschiedener internationaler Akten, die teilweise noch im Gang ist, wie über IVI, HUE, Wankmiller, Saï Baba usw.

Mitwirkung an Fernsehsendungen

Schließlich unser derzeitiges Projekt der Vorbereitung von Empfehlungen zur Sektenproblematik, die den europäischen Behörden und Organismen im europäischen Justizbereich vorgelegt werden soll.