Tom Sackville, Vizepräsident der FECRIS

 

Es freut mich sehr, dass ich heute an dieser Konferenz teilnehmen kann. Ich bin seit langem mit FAIR [1] in Verbindung gewesen, einer Gruppe zur Beobachtung von Sekten und zur Unterstützung von Familien in Großbritannien, die manche von Ihnen bereits kennen. Wir werden Ende Oktober in London eine eintägige Konferenz abhalten und ich hoffe, dass es einigen von Ihnen möglich sein wird, daran teilzunehmen.

Mein Interesse an Sekten stammt aus der Zeit, als ich vor vielen Jahren Parlamentsabgeordneter war. Ich erfuhr von Fällen, die mich davon überzeugten, dass die britische Regierung an diesem Thema nicht interessiert war und sich nicht den menschlichen Problemen stellen wollte, die sich aus sektiererischem Missbrauch ergaben.

Es war niemals ganz klar, warum die Briten so wenig auf das Sektenproblem reagieren. Ich weiß nicht, ob es ihre übertrieben legalistische Auffassung ist, nach der sie ihre Gesetze entwerfen, und ihre mangelnde Selbstsicherheit, um ein so brillantes Gesetz wie das von About-Picard in Frankreich zu formulieren, oder der Umstand, dass sie als Nation besonders säkular sind.

Aber wenn Sie sich daran erinnern, dass unsere Nationalkirche von einem Monarchen im 16. Jahrhundert hauptsächlich zu dem Zweck gegründet wurde, um ihm selbst mehr Handlungsfreiheit mit einer der Damen seines Hofes zu verschaffen, dann verstehen Sie vielleicht unsere merkwürdige agnostische Haltung gegenüber der Religion. Was immer auch der Grund ist, wir nehmen das Sektenproblem nicht ernst, und das ist schade.

Ich war sehr enttäuscht, als ich zufällig kurzzeitig Minister in unserem Home Office wurde, dem Ministerium mit nomineller Verantwortung für Sekten. Es stellte sich heraus, dass dieser Teil meiner offiziellen Unterstützung auf ein Fünftel der Zeit eines Beamten sechsten Grades beschränkt war. Die klare Absicht des Ministeriums war es, weiterhin nichts zu tun und zu vermeiden, mit irgend einer Gruppe, die behauptete, eine Glaubensgemeinschaft zu sein, etwas zu tun zu haben oder sie zu beurteilen.

Seitdem wurden keine große Fortschritte gemacht: es ist wunderbar, dass FAIR weiterhin Sekten beobachtet, Opfern und ihren Familien hilft, Nachrichten herausgibt und allgemein die Fahne hochhält, aber wir kämpfen einen etwas einsamen Kampf.

Catherine Picard ist eine Person, für die ich die größte Bewunderung hege. Was sie in Frankreich erreicht hat, indem sie ein Gesetz gegen Sekten formulierte und es in die Wirklichkeit umsetzte, bietet anderen Ländern ein Beispiel. Das ist ein würdiges Ziel, dem wir uns in Britannien noch nicht einmal zu nähern  begonnen haben. Wir haben tatsächlich oft darüber diskutiert, warum es auf diesem Gebiet der Politik zwischen den Haltungen der beiden Regierungen einen so großen Unterschied gibt.

Es freut mich, Frau Catherine Picard das Wort zu erteilen.

 



[1] Family Action Information Resource