Friedrich Griess, Vorsitzender der FECRIS:

 

Guten Morgen, sehr geehrte Damen und Herren,

 

ich freue mich, Freunde und Gleichgesinnte aus 20 Nationen hier in einem Land begrüßen zu dürfen, das nicht nur für das zukünftige immer mehr vereinigte Europa besondere Bedeutung hat, sondern das gerade jetzt wichtige Schritte unternimmt, um das Problem, mit dem wir alle zu tun haben, auch legislativ in den Griff zu bekommen.

Viele Länder Europas haben im vergangenen Jahrhundert schmerzlich die zerstörende Wirkung totalitärer Systeme erlebt, Systeme, die ihren Bürgern den Himmel auf  Erden versprochen  und ihnen doch schließlich die Hölle gebracht haben. Und doch fallen heute vor allem junge Menschen, die diese totalitären Systeme nicht mehr erlebt haben, auf die Einflüsterungen von Gurus oder Führern herein, deren erstes Ziel es ist, Macht über Menschen zu gewinnen und damit über ihren Besitz, aber was noch viel schlimmer ist, über ihre Seelen verfügen zu können. Oft aber nicht immer wird dabei auch die Religion missbraucht und unter dem Vorwand der Religionsfreiheit jede andere menschliche Freiheit, besonders jene von Kindern,  unterdrückt, worauf nicht nur Organisationen hinweisen, die von den neuen Tyrannen als „Verfolger religiöser Minderheiten“ verleumdet werden. Ich möchte da lobend auf die norwegische Organisation Redd Barna – Save the Children – hinweisen, von der wir auch eine Sprecherin eingeladen hatten, die leider nicht kommen konnte, aber von der wir eine sehr gute Broschüre in deutscher und englischer Übersetzung anbieten können, die eindringlich auf das Problem der Verletzung der Rechte von Kindern und Jugendlichen durch isolierte Glaubensgemeinschaften hinweist.

Als Vater einer jetzt 43-jährigen Tochter, die sich vor 23 Jahren einer solchen problematischen Bewegung anschloss, weiß ich aus eigener Erfahrung, wovon ich spreche. Ich wünsche niemandem, solches erleben zu müssen. Leider können sich viele Menschen, die solches nicht erlebt haben, nicht vorstellen, was da vor sich geht, und sind geneigt, den Eltern oder den Betreffenden selbst die Schuld zu geben. Aufklärung ist daher nötig, für die breite Öffentlichkeit, aber auch für Fachleute. Dazu sollen Veranstaltungen wie die heutige dienen und ich wünsche gutes Gelingen.