Die sektiererischen Abwege :

Herausforderung für Demokratie und Menschenrechte

 

Bericht über den Studientag, veranstaltet auf Initiative der Präsidentin

der INGO-Konferenz des Europarats

unter Mitwirkung von Danièle Muller-Tulli, Vizepräsidentin der FECRIS

 

Donnerstag 28. Juni 2007, Strasbourg - Palais de l’Europe

 

In ihrer Einleitung betonte Annelise OESCHGER, die Präsidentin der INGO-Konferenz des Europarats, die Wichtigkeit der Information der INGOs über die Existenz eines Phänomens, das gleichzeitig die Staaten und Einzelpersonen betrifft und das die grundlegenden Werte des Gleichgewichts in unseren Gesellschaften gefährdet.

 

Sie wünschte, diese Tagung ganz klar mit einer doppelten Forderung zu eröffnen:

 

Þ       Einer Forderung bezüglich des Gesichtspunkte : des eines unabhängigen Beobachters

Þ       Einer Forderung bezüglich des Brennpunkts: des der sektiererischen Abwege. Und nur dieses.

 

Tatsächlich handelt es sich nicht darum, zu definieren, was eine Sekte ist; der Begriff ist vieldeutig. Verschiedene Ansichten darüber wurden geäußert. Es handelt sich noch weniger darum, auf der Ebene der Religion zu debattieren, sondern festzustellen, wieweit die Tätigkeiten verschiedener Organisationen eine juristische und politische Bedrohung für die europäischen Werte werden könnten, insbesondere für die Demokratie und die Menschenrechte.

                                                                                                                                

In seinem einführenden Vortrag hat Herr Jean-Pierre JOUGLA, Administrator bei der Union nationale française des associations de défense des familles et de l'individu victimes de sectes (UNADFI, Nationale französische Vereinigung zur Verteidigung der Familien und der Einzelpersonen, die Opfer von Sekten geworden sind) überlegt, dass die heutige Sekte, im Gegensatz zu dem was Max Weber im 19. Jahrhundert darüber schrieb, nicht den religiösen Bereich in den Vordergrund stellt. Solches zu akzeptieren würde in seinen Augen bedeuten, die zunehmende Tätigkeit dieser Bewegungen auf außerreligiösen Gebieten, vor allem auf dem der Gesundheit, des Wohlbefindens, der persönlichen Entwicklung, der Psychotherapie, der beruflichen Weiterbildung, der Wissenschaft oder der Kultur zu übersehen. Er schätzt diese Tätigkeit auf 60% der globalen Tätigkeit. Dies würde ihm zufolge auch bedeuten, ihre pyramidenförmige und monolithische Funktionsweise zu vergessen.

 

Er definiert den Begriff „sektiererischer Abweg“ nicht als Funktionsstörung einer Sekte, sondern als den Abweg von Ideologien, Praktiken oder Techniken, meist vom Typ „New Age“, die ins Sektentum verfallen.

 

Er erinnert an den Zweck des französischen Gesetzes About-Picard, welches die „betrügerische Ausnützung des Zustands der Unwissenheit oder der Situation der Schwäche“ von Anhängern, erwachsenen oder jugendlichen, bestraft.

 

Trotz der Unterschiede zwischen Bewegungen betont er das Bestehen von gleich bleibenden Eigenschaften: die juristische Immunität, das Profitieren von Steuerbefreiung und die Berechtigung des Gurus als zentrale Figur..

 

Auf der Basis von 30 Jahren der Unterstützung von Opfern hat Herr Jougla eine Analyse der Besonderheit der sektiererischen Viktimisierung dargelegt. Zwischen dem Guru und dem Anhänger etabliert sich eine „dogmatische, entfremdende, süchtig machende und unterjochende Abhängigkeit“, so dass „das Subjekt sich frei und unabhängig fühlt.“

 

Die sektiererischen Risken für die Demokratie beruhen gemäß Herrn Jougla auf drei Punkten:

 

  1. Erstens, die Art des inneren Funktionierens der Struktur, ohne Kontrolle. Es handelt sich um einen „Staat“, regiert von einer einzigen Person, die mit Hoheitsrechten ausgestattet ist und deren Machteinfluss durch den Umstand verstärkt wird, dass hier zeitliche und spirituelle Macht vereinigt sind. Er hat, wie auch andere Sprecher, den Ausdruck „Totalitarismus“ benützt.
  2. Zweitens der Verzicht des Anhängers auf seine Bürgerrechte außerhalb der Grenzen der Sekte, real oder virtuell, innerhalb derer ein utopisches Projekt vorwiegt.
  3. Drittens ein Paradigmenwechsel, der das Funktionieren unserer Gesellschaften in Frage stellt, begleitet vom hegemonischen Willen bestimmter Bewegungen, die auf ein globales Ausmaß zielen.

 

Er stellte eine doppelte Forderung, die von anderen Sprechen und mehreren Wortmeldungen aus dem Saal geteilt wurde:

 

Herr Maxim YURCHENKO, ukrainischer Anwalt, der die Family and Personality Protection Society vertrat, bezeichnete seinen Beitrag als philosophische Annäherung. Er definierte die Grenzen der Rechte und die ihrer gegenseitigen Beeinflussung.

 

Er betone, dass in der Ukraine neue Anstrengungen unternommen wurden, besonders bezüglich der Einfügung der Konvention der Kinderrechte der UNO in die Gesetzgebung des Landes.

 

In seinen Augen liegt jedoch das Problem weniger im Vorhandensein der Kinderrechten als darin, dass das Kind diese Rechte auch benützt. Da das Kind von Erwachsenen, also Eltern oder Vormündern, abhängig ist, sollte es ihm gemäß zu seiner Verteidigung Gegenstand besonderen Schutzes sein.

 

Bezüglich der Tätigkeit religiöser Bewegungen stellt Herr Yurchenko ein Fehlen einer adäquaten Rechtssprechung fest.

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Außerdem fügt sich einer lückenhaften Gesetzgebung, welche nicht den Extremismus als Delikt einbezieht, die Schwierigkeit der Erfassung und der Anerkennung von Schäden an, besonders moralischer Schäden. Mit anderen Worten ist die physische Sicherheit möglich, jene des Gewissens ist es weniger,

 

Er betonte die Unverhältnismäßigkeit der Strafen: die von Gerichten verhängten Strafen beschränken sich auf eine Streichung der Sekte aus dem Register.

 

Herr Yurchenko wünschte daher, dass ein wirksamer juristischer Mechanismus eingerichtet werde, um die Entwicklung des Kindes und seiner Gewissensfreiheit zu schützen.

 

Er bestand insbesondere darauf, dass das Recht auf Gewissens- und Religionsfreiheit nicht als Schild für die Verletzung anderer Rechte dienen dürfe: die Rechte des Kindes müssen immer Vorrang haben.

 

Der Vortrag des Herrn Fredrik SUNDBERG, stellvertretender Leiter des Dienstes für die Vollstreckung der Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, bezog sich auf den Inhalt und die Grenzen der Meinungs- und Verpflichtungsfreiheit.

 

Er betonte in der Einleitung die Bedeutung der Rolle der INGOs für den Schutz der Menschenrechte, besonders mit Rücksicht auf ihre Möglichkeit, als Nebenkläger vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte aufzutreten, und auf ihre Überwachungsrolle bezüglich des Beachtens der vom Gerichtshof verkündeten Urteile. Die Religionsfreiheit und die Neutralität des Staates auf diesem Gebiet schienen ihm für den Frieden und die Stabilität in Europa unerlässlich.

 

Betreffend die Jurisprudenz erinnert er an die Rechte und Pflichten der Bewegungen, wie sie der Gerichtshof versteht: das Recht auf religiöse Praxis, auf Kultstätten, auf moralische Anerkennung, auf Werbung von Mitgliedern, auf Eigentum, auf eine Tätigkeit, welche über die geographischen Grenzen des Registrierungsbereichs hinausgeht, auf Schutz vor Blasphemie, auf Nichtdiskriminierung unter Glaubensrichtungen, seien sie laizistisch oder religiös, auf Empfang von Spenden, auf Schutz der Kinder usw. Diesen Rechten sind Pflichten zugeordnet, insbesondere die der Enthaltung von politischer Tätigkeit und die Unterwerfung unter die Steuerpflicht.

 

Ebenso darf der Staat seine Rolle als Schützer des Individuums nicht ignorieren, insbesondere bei Konflikten zwischen religiösen Bewegungen, bei Bedrohung der Demokratie oder bei aus machtvollen Positionen heraus betriebener Mitgliederwerbung.

 

Gemäß dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte muss der Staat den Schutz der religiösen Traditionen sicherstellen, die öffentliche Benützung von zu auffallenden religiösen Zeichen begrenzen und den Schulbesuch der Kinder sicherstellen.

 

Betreffend des Vertrauensmissbrauchs und der Personen zugefügten Gewalttätigkeit lädt der Gerichtshof die Staaten ein, sich nicht in die Beziehungen zwischen Erwachsenen einzumischen. Jeder Erwachsene sollte frei sein, seine Lebensweise selbst zu wählen, auch wenn dies für die Mehrheit störend oder schockierend ist. Dasselbe gilt auch für die Religion. Dennoch gesteht er zu, dass das Problem der „Sekten“ in der mentalen Manipulation und in der Ausbeutung des Nichtwissens, des Leidens, bisweilen durch Beeinflussung, besteht.

 

Der Gerichtshof beschäftigt sich damit, das Funktionieren jener europäischen Gesellschaften zu überprüfen, deren Gesetze ungeeignet sind, den Missbrauch der Macht zu unterdrücken, sei dieser nun durch Gruppen oder durch Einzelpersonen begangen, wie es bei der häuslichen Sklaverei der Fall ist.

 

Der Staat sollte sicherstellen, dass die Religionsfreiheit weder die Demokratie noch die anderen Freiheiten beeinträchtigt. Das Problem der Sekten erfordert, dass Grenze gefunden werden müssen.

 

Herr Jeremy GUNN sprach im Namen der Plattform der Experten für Religions- oder Glaubensfreiheit der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa/ Büro der demokratischen Institutionen für Menschenrechte (OSCE/ODIHR).

 

Er bestand auf zwei wichtigen Punkten:

  1. Die Wichtigkeit des Schutzes der Bürger durch den Staat, woher auch immer Straftaten kommen.
  2. Der Schaden, der Organismen und Individuen durch pejorative Bezeichnungen zugefügt wird, zum Beispiel durch die Bezeichnung „Sekten“ (auf englisch „cults“), statt dessen er trotz ihrer Unvollkommenheit die Bezeichnung „neue religiöse Bewegung bevorzugt.

Er bestand auch auf der Tatsache, dass die Charakteristiken der Gruppe wenig bedeuten. Wichtig sind nur die Taten der Gruppe.

In seinen Augen gibt es drei wichtige Punkte:

        Das Recht auf religiösen Glauben ;

        Die Notwendigkeit einer wissenschaftlichen und ausgeglichenen Behandlung (er bedauerte, dass sich unter den Sprechern keine Religionssoziologen befanden);

      Das Paradoxon des Wunsches nach Schutz der Sektenanhänger und des Gegenteils von Seiten der antisektiererischen Strukturen, aber auch der Staaten. Er berief sich auf drei Fälle, in denen Staaten durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verurteilt wurden: die Russische Föderation wegen der Verweigerung der Registrierung eines Zweiges der Heilsarmee in Moskau, Bulgarien wegen der Verweigerung der Anstellung einer Frau, die Mitglied des „Wort des Lebens“ war, und Frankreich wegen der Zuerkennung des Sorgerechts an einen Vater eines geschiedenen Ehepaares, dessen Mutter eine Zeugin Jehovas ist.

 

Herr Tom SACKVILLE, Vorsitzender von FAIR/UK, bedauerte das Fehlen der Mobilisation von Großbritannien im Kampf gegen die sektiererischen Abwege, was er erklärt durch:

Þ       Historische und kulturelle Eigenheiten ;

Þ       Passivität der Administration;

Þ       Die Entscheidung der Behörden zu einer wohlwollenden Überwachung sektiererischer Bewegungen.

 

Er stellt so eine Verschiedenheit zwischen der öffentlichen Meinung und einer engagierten Aktion des Staates gegen die sektiererischen Abwege fest.

 

Wie Herr Jougla vor ihm hebt er eine Augenscheinlichkeit hervor, nämlich die nichtreligiöse Tätigkeit der meisten dieser Bewegungen, die im Wesentlichen kommerziell sind und den Anhängern zum Schaden gereichen.

 

Er wies nochmals auf die Praktiken hin, die von bestimmten Bewegungen benützt werden, ganz besonders die von Scientology, der er insbesondere eine Infragestellung der Psychiatrie (Gefahr für die Gesundheit der Anhänger), die Einrichtung von Straflagern und von Geheimpolizeien (Verstoß gegen die Demokratie und die Menschenrechte) und die finanzielle Ausbeutung der Anhänger vorwirft.

 

Infolge des Fehlens greifbarer Beweise glaubt er nicht an eine Änderung des Verhaltens dieser Bewegung, die er in seinem Land als fest verankert ansieht, besonders im Bereich des Hochschulunterrichts und in der City.

 

Er besteht darauf, dass es wegen der Vielgestaltigkeit der Aktivitäten und wegen des Zögerns der Opfer, Zeugnis abzulegen, besonders schwierig ist, die sektiererischen Abwege zu entdecken und zu entschleiern.

 

Professor Alexander DVORKIN erläutert die Situation des Sektenphänomens in der Russischen Föderation, einem Land, in dem sich die sektiererischen Abwege seit 30 Jahren schnell entwickelt haben.

 

Trotz gemeinsamer Punkte mit anderen Ländern schätzt er, dass ihre Verwurzelung in Russland nach der Perestroika aus drei Gründen ein besonderes Ausmaß erreicht hat: die Bewunderung des „Westens“ durch die Russen, das Wohlwollen der Behörden gegenüber den sektiererischen Bewegungen und die finanzielle Unterstützung, die ihnen gewährt wurde.

 

Die Hälfte der heute in der Russischen Föderation vorhandenen Bewegungen hat dort selbst ihren Ursprung. Die ausländischen Gruppen wurden im Lande mit veränderten Namen oder durch Tarnorganisationen gegründet.

 

Ein Wechsel der Taktik erscheint ihm offenbar. Jene Bewegungen, welche früher die Rekrutierung von Anhängern auf der Straße betrieben, haben sich heute in mächtige Pressure Groups verwandelt, die in die Presse und die Industrie investieren. Sie wurde zu einem permanenten Bestandteil der russischen Gesellschaft.

 

So ist Scientology in den leitenden Gremien der meisten großen ausländischen Industrien tätig, die sich in Russland niedergelassen haben, angefangen mit der Ausbildung ihrer Kader in ihren eigenen Handelsschulen.

 

Gemäß Professor Dvorkin hat die neupfingstlerische Bewegung die Machtsphären in der Russischen Föderation, in der Ukraine, in Weißrussland und in Lettland in Beschlag genommen. Diese Bewegung, so fügt er hinzu, hat sich ein politisches Programm gegeben, „eine Theokratie für eine neue Weltordnung.“

 

Frau Isabelle CAMARA

                                                                      

Als ehemaliges Mitglied einer sektiererischen religiösen Bewegung beschrieb Frau Camara die Mechanismen der Rekrutierung und der Bekehrung der Sekten durch drei Abschnitte: das Anhaken, das Zusammentreffen und das Engagement.

 

Man schließt sich niemals einer „Sekte“ an, erklärt sie, sondern an Ideen und Vorschläge, die interessant und gefahrlos zu sein scheinen. Sie betont, dass die zukünftigen Anhänger in Gegensatz zu gängigen Ideen keine psychisch fragilen Personen sind, sondern oft im Gegenteil voll von Energie, anspruchsvolle Menschen, „die ein banales Leben ablehnen und sich verbessern wollen, indem sie die Welt verbessern“.

 

In ihrem Fall erfolgte das Anhaken durch eine erste Diskussion mit einer jungen Anhängerin, die gekommen war, um an das Tor des Hauses der Familie zu klopfen. Das Zusammentreffen erfolgte dann schrittweise im Laufe von Briefwechseln und immer regelmäßigeren Versammlungen, während den Wochenenden und in den Ferien. „Es ist ein fröhliches Anhaken, ohne Gewalt und ohne Drohung“, erklärt sie. „Man hat den Eindruck, selbst die Wahl zu treffen. Das ist ein sehr mächtiger Mechanismus, den man nicht relativieren darf“.

 

Dennoch wird zufolge Isabelle Camara die Empfänglichkeit möglich, „wenn die familiären und andere Verbindungen gelockert werden“. Dann entfernen die Intensität der Ereignisse, die Gefühle, die innerhalb der Sekte geteilt werden, die erhebenden geschwisterlichen Momente, den Rekruten nach und nach von der äußeren Welt bis zur Sehnsucht nach Gemeinschaft und ständigen Vereinigung mit dem Meister und den anderen Anhängern.

 

Damit der Anhänger den Mut findet, die Sekte zu verlassen und den verschärften Schwierigkeiten der beruflichen und sozialen Zwängen die Stirn zu bieten, ist es wichtig, dass er die Bindungen mit der äußeren Welt aufrecht erhält, dass er sich nicht verurteilt fühlt. Er sollte unterstützt werden, um der Nostalgie der glücklichen Momente zu entfliehen, in seinem Geist die Denkweise der Sekte auszulöschen, die bei den „Aussteigen“ immer vorhanden ist, auch noch nach vielen Jahren.

 

Der Anhänger hatte sich meist verschuldet, um die Sache der Sekte zu unterstützen. Er empfindet Scham darüber, übers Ohr gehauen worden zu sein, einen Mangel an Selbstvertrauen, Schwierigkeiten, die Bindungen zu erneuern, Vertrauen zu bekommen, seine Zeit zu organisieren, Entscheidungen zu treffen.

 

Um über dieses innere Drama zu sprechen, betont Frau Camara, muss der Anhänger ernst genommen und respektiert werden, ohne Mitleid aufkommen zu lassen.

 

Angesichts der Unwissenheit der Fachleute hat Frau Camara sich entschlossen, in Genf eine Hilfsgruppe für Aussteiger zu gründen, die aus etwa 15 Fachleuten, Psychiatern, Psychologen und Sozialarbeitern besteht. Diese Hilfsgruppe inspiriert sich am therapeutischen Modell der Ethnopsychiatrie, die „einen inneren Einbruch berücksichtigt, dem man auf traumatische Weise ausgesetzt ist“.

 

Die Diskussion brachte die Besorgnis zahlreicher Teilnehmer bezüglich der Risken eines Aberglaubens ans Licht, der mit dem Einfluss bestimmter sektiererischer Glaubensrichtungen verbunden ist.

 

Die Notwendigkeit eines offeneren Dialogs zwischen religiösen Bewegungen und der laizistischen Gesellschaft wurden betont.

 

Ein Diskutant stellte fest, dass eine nützliche Vorbeugung gegen sektiererische Abwege darin bestehen könnte, den Studierenden eine Minimalkenntnis der wichtigsten Kirchen und Religionen beizubringen. Er wünscht, dass eine wissenschaftliche Studie über alle religiösen Bewegungen ausgeführt würde. Eine Maßnahme, die auch von anderen Teilnehmern gewünscht wurde, wobei einige die Distanzierung für nützlich hielten, welche die Anwendung einer wissenschaftlichen Methode bietet.

 

Einige Teilnehmer hielten es für unerlässlich:

 

§         grundsätzliche Regeln aufzustellen (Anerkennung der Einzigartigkeit der Person, Recht, über sich selbst zu verfügen, Recht auf Äußerungs- und Glaubensfreiheit);

§         das Engagement der Bewegungen selbst zu erreichen, die Rechte ihrer Mitglieder zu respektieren.

 

Andere Elemente der gewünschten Überwachung : jene der Verwendung von Fonds durch diese Bewegungen und jene der Beachtung ihrer Statuten.

 

In einer Wortmeldung wurde der Effekt der „doppelten Bestrafung“ angeprangert, die den Anhängern zugefügt wird: im Inneren und außerhalb der Sekte, während der sektiererischen Erfahrung und nachher.

 

Ebenso wurde einerseits das Ungenügen der Gesetzgebung mit Rücksicht auf das scheinbare Einverständnis zwischen Anhänger und Guru, andererseits die Schwierigkeit der Beziehung zwischen Justiz und Politik betont, ebenso wie die dringende Notwendigkeit von vorbeugenden Maßnahmen, die eine genauere Kenntnis der Periode vor dem „Kippen“ des zukünftigen Anhängers herbeiführen.

 

Abschließend stellte Annelise OESCHGER mit Zufriedenheit den Wunsch fest, der von den Vertretern der mit partizipativem Status ausgerüsteten INGOs ausgesprochenen wurde, weiterhin über das Thema nachzudenken und sich Handlungsmöglichkeiten für die INGO-Konferenz vorzustellen. Mehrere Beiträge haben gezeigt, dass die Organisation und die verwendeten Mittel bestimmter Gruppen nicht anders als totalitär genannt werden können. Dies ist jedoch schwieriger zu unterstützen, als diese selben Gruppen sich die Gewissens-, Äußerungs- und Versammlungsfreiheit zunutze machen, um ihrer Praktiken zu schützen. Angesichts dieses Missbrauchs von Rechten bleibt uns nur übrig, dies sagen zu wagen und zu verhindern, dass der Staat sich durch jene, die seine demokratische Ordnung böswillig missbrauchen, an der Nase herumführen und sogar zerstören lässt.

 

Dem Europarat obliegt es als Wächter der Demokratie und der Menschenrechte in Europa, seine Mitgliedstaaten bezüglich der Risken zu warnen, welche die sektiererischen Abwege insbesondere für die pädagogischen Institute und die Bildungsnetzwerke ebenso wie für die politischen und finanziellen Entscheidungszentren darstellen.