BELGIEN

Charles BERLINER

- Dr. med., Mitglied des Centre d'Information et d'Avis sur les Organisations Sectaires Nuisibles (C.I.A.O.S.N.) [Informationszentrum über die schädlichen sektiererischen Organisationen], belgische Regierungsorganisation,
- Vorsitzender der Association des Victimes des Pratiques Illégales de la Médecine (A.V.P.I.M.) [Verein der Opfer der illegalen Ausübungen des Arztberufes]

Darstellung von konkreten Fällen

Einleitung

  1. Ausnahmslos alle Kranken, auch jene, die an « leichten » Erkrankungen leiden, haben ein Recht auf die bestmögliche medizinische Versorgung. Das heißt, durch jene, die ihnen dies am besten gewährleisten können, die Ärzte mit einer kompletten medizinischen Ausbildung.
  2. Immerhin bin ich nicht unbedingt ein unbekehrbarer Gegner der alternativen Medizinen. Sie werden in Afrika, Südamerika, Indien und auch in China in breitem Rahmen angewendet, wo sie in die lokalen Kulturen der ökonomisch benachteiligten Regionen integriert sind, die zu unserer westlichen Technologie noch keinen Zugang haben. Ebenso werden sie von einer wachsenden Zahl von westlichen Ärzten mit offenbar einem gewissen Erfolg im allgemeinen bei bestimmten leichteren Erkrankungen angewendet.
  3. Ich hätte mich sicherlich nie auf diese Problematik eingelassen, wenn es nicht Unfälle und Opfer gegeben hätte. Diese Opferfalle ist meiner Meinung nach die vorhersehbare und unausweichliche Konsequenz der aktuellen Schwärmerei des Westens für die alternativen Medizinen.
  4. Als ich die Zeugenaussage der Eltern von Annaëlle im Jahr 1991 hörte sowie alle derer, die ihr in den letzten 12 Jahren folgten, bin ich zu der Schlußfolgerung gekommen, dass die «sanften» Medizinen «hart» werden können, wenn sie versuchen, sich in Gegensatz zur klassischen Medizin zu setzen oder sie zu ersetzen; oder wenn sie nicht nach bestem Wissen und Gewissen und meistens ohne ernsthafte diagnostische Basis durch Praktiker verwendet werden, die auf medizinischem Gebiet inkompetent sind.

  1. Geschichte der Annaëlle
  2. Annaëlle ist ein von einer 38-jährigen Mutter geborenes mongoloides Kind. Die Mutter arbeitete als Ergotherapeutin auf der psychiatrischen Abteilung eines Universitätskrankenhauses in der Hauptstadt und ließ sich seit mehreren Jahren von einer Heilerin namens Anne V . beraten. Annaëlle litt nicht nur an Mongolismus, sondern außerdem an einer angeborenen Mißbildung des Herzens. Unglücklicherweise erhielt Annaëlle niemals die chirurgische Korrektur, die ihr ein normales Leben ermöglicht hätte. Die Katheterisierung, die sie im Alter von 3 Monaten erhalten hätte sollen, wurde von Anna V. und ihrem wissenschaftlichen Berater Dr. M. L. abgelehnt. Dieses Unterlassen der Therapie hatte eine vorhersehbare wachsende Herzschwäche mit einer bedeutenden Verschlimmerung des Zustandes des Kindes zur Folge. In diesem schon sehr schwierigen Zustand erkrankte Annaëlle außerdem noch an Leukämie. Diese wurde erst sehr spät anlässlich eines Urlaubes in Kreta diagnostiziert. Nach der Erstversorgung in der Kinderklinik von Brüssel und noch bevor eine Chemotherapie, die sie vielleicht hätte retten können, begonnen werden konnte, wurde sie auf Verlangen der Guru-Frau, die behauptete, dort würde sie sterben, brutal aus dem Spital herausgerissen. Von aller Pflege abgeschnitten, ist Annaëlle 72 Stunden später tatsächlich gestorben. Während der 2, 3 letzten Monate des Lebens ihrer Tochter hatte die Mutter an der Kompetenz der Heilerin zu zweifeln und, als Vorsichtsmaßnahme, nach jedem Kontakt mit Mitgliedern dieses sehr sektiererischen Gesundheitsnetzes sich Notizen zu machen begonnen. Diese mit chirurgischer Genauigkeit gemachten Notizen, ähnlich einer versteckten Kamera, ermöglichten uns die Rolle verschiedener einflußreicher Personen zu durchschauen, und haben uns über das ideologische Klima in dieser Sekte aufgeklärt. Darin spielten mehrere Metamorphose-Masseusen, Radiästheten, Kine-Osteopathen und ein Brüsseler Homöopath eine wichtige Rolle.

    Gedanken über den Fall und die Entstehung des Sekten-Systems

    1. Diese Pseudo-Therapeuten ebenso wie die Theoretiker, auf die sie sich berufen (Crevecoeur, Lanctôt, Dr. G. von der Gral-Bewegung usw.) nehmen gegen die klassische Medizin eine sehr aggressive Haltung ein, die ich als «primären Anti-Medikalismus» bezeichnen möchte. Man findet bei ihnen unter anderem:
      • das Dogma, dass die Ursachen wichtiger seien als die Symptome,
      • den Glauben an die Reinkarnation und als Folge die Entdramatisierung des Todes,
      • eine Anschauung der Medizin, die den Energien und einer allmächtigen Spiritualität Vorrang einräumt,
      • die unumgängliche Rolle des allmächtigen Psychismus bei der Ausschaltung aller Krankheiten.
    2. Alle diese Elemente kommen im Paradigma von New Age vor, das in den USA in den siebziger Jahren entstanden ist. Dieser Zugang, den sich auch gewisse Politiker zu eigen gemacht haben, fährt auf dem Gebiet der Gesundheit einen sehr reaktionären Kurs, besonders was die Impfungen betrifft.

    3. Ich habe auch bei anderen Zeugenaussagen festgestellt, daß bestimmte Kranke ihr Vertrauen all zu leicht einem Therapeuten schenken, egal welches Diplom er hat, wenn er sie nur freundlich aufnimmt und ihnen wie erwartet hilft. Diese Verwirrung wird oft von Praktikern erzeugt und aufrecht erhalten, die nicht zögern, sich Doktor nennen zu lassen, weil sie eine einen weißen Arztkittel tragen und weil sie mit großzügig im Raum verteilten Diplomen verblüffen oder sich einen obskuren Titel zulegen (D.O. = Doktor der Osteopathie oder Diplom in Osteopathie ?).
    4. Ein junger homöopathischer Arzt wurde von einer Heilerin als wissenschaftliches Aushängeschild verwendet, aber er hatte noch keinen Augenblick « normale » klassische Medizin praktiziert, obwohl er das Kind 7 mal untersucht hat. Er hatte niemals eine seriöse Behandlung verordnet. Dieser war es, der die Urlaubsfahrt nach Kreta autorisierte, obwohl das betreffende Kind schon eine starke Anämie aufwies, die eine sofortige Einweisung ins Krankenhaus erfordert hätte.

      Als Folge dieser gravierenden Fälle wurde er vom Conseil de l'Ordre des médecins in seiner Provinz aus dem Register gestrichen.
      Dr. M. L. praktizierte die Homöopathie ebenso wie sogenannte Metamorphose- Massagen und verschrieb anthroposophisch angehauchte Behandlungen.

      Die Grundfrage, die ich mir angesichts des Verhaltens dieses Arztes stelle, ist folgende:

      Was soll man mit einem Arzt tun, dessen Medizinausübung im Gegensatz zu der steht, in der er an der Fakultät ausgebildet worden ist, und der umso gefährlicher wird, als er von dem Renommee profitiert, das ihm sein offizieller Titel verschafft?

      Der Fall des Dr. M. L. führt uns zu einer weiteren drängenden Frage: Warum ist gerade die Ausübung der Homöopathie so besonders anfällig für solche Ausrutscher?

      Meiner Meinung nach findet sich die Antwort vor allem im theoretischen Inhalt der Homöopathie. Diese «Natur»- Medizin, die an jeden Patienten angepasst wird, zielt darauf, unser Selbstheilungsvermögen zu stimulieren, in dem sie in unserem ureigenen «Bereich» agiert. Da man die chemischen Medikamente bedingungslos zurückweist und der Chirurgie und anderen als zu aggressiv eingestuften Behandlungen sehr reserviert gegenübersteht, ist man immer in Opposition zur klassischen Medizin. Der Zugang zum Kranken ist übrigens sehr unterschiedlich: Der Homöopath widmet den größten Teil seiner Zeit einer langen Befragung des Patienten, die physische Untersuchung ist nur ganz kurz gehalten.

    5. Der Werdegang der Guru-Frau AVR.

      Ein schwerer Unfall zwingt sie, ihre Karriere als Rechtsanwältin aufzugeben und eine Arbeitspause von zwei Jahren zu machen, eine Zeit, die sie nützt, um ihrem Interesse für alternative Medizin und für Esoterik, speziell Radiästhesie nachzugehen. Sie beginnt als Radiästhetin und berät in der ersten Zeit Personen, die eine wichtige Entscheidung zu treffen haben: Heirat, Kauf eines Hauses, Job- Wechsel usw. Zugleich beginnt sie sich für Gesundheitsprobleme zu interessieren. So findet man z.B. in einer Illustrierten, die über alternative Medizinen schreibt, einen ihrer Artikel über die wohltuenden Behandlungen der Dr. Kousmine für entzündlichen Rheumatismus und Arteriosklerose.

      Zur Erinnerung: Frau Kousmine ist die Schweizer Ärztin, welche die Mehrzahl unserer Krankheiten auf unsere schlechten Essgewohnheiten zurückführte und die gute Wirkung von bestimmten kalt gepressten Ölen ebenso wie Einläufe propagierte.
      In einem zweiten Zeitabschnitt widmet sich Anne V. mit zunehmendem Elan schweren Krankheiten, wie vor allem dem Krebs, Aids, Suchtkrankheiten und degenerativen Erkrankungen.
      Anne V. hat sich immer mehr mit meist weiblichen Mitarbeitern umgeben, die sie «geheilt» und anschließend ausgebildet hat. Sie verschrieb ihren Patienten regelmäßig homöopathische Heilmittel und beriet sie im Hinblick auf die energetische Qualität verschiedener Örtlichkeiten. Sie empfahl ihren Patienten, Tai-chi- Kurse zu besuchen und schickte sie zu «Metamorphose-Masseurinnen» oder Osteopathen, die keine Ärzte waren.
      Nach einiger Zeit befand sie sich an der Spitze einer bedeutenden Patientenschar und ungefähr 20 ihr nahestehenden Mitarbeitern, über die sie absolute Macht ausübte, ja die sie sogar fallweise bestrafte, indem sie sie für einige Zeit ausschloss. Diese Frau hat also scheinbar unabsichtlich eine Heiler-Sekte gegründet. Diese Sekte hat sich «offiziell» nach dem Tod von Annaëlle aufgelöst; und nach glaubwürdigen Quellen lebt Anne V. im Norden von Frankreich, um der belgischen Justiz zu entgehen. Sie ist niemals verhaftet oder verurteilt worden, weil die Eltern von Annaëlle sie nicht anklagen wollten, und die belgischen Anti-Sekten-Gesellschaften damals noch keine Rechtspersönlichkeit hatten.

    6. Dem Drama, das das Ende der Karriere von A V besiegelte, waren Warnsignale voraus gegangen: ein junges Mädchen, bei dem AV eine Encephalitis (Gehirnentzündung) «vorausahnte», hat durch eine Verschreibung des Dr. M. L. ein Medikament MALOPRIM bekommen, das eine krampfartige Blutkrankheit (paroxystische Methemoglobinurie) auslöste, die glücklicherweise bald wieder beendet war. Der Sohn einer ihrer engsten Mitarbeiterinnen, der an einer schweren Gastroenteritis litt und von ihr «behandelt» wurde, ist nur durch eine Notaufnahme im Krankenhaus dem Tod entgangen.

    7. Seit 1992 habe ich viele telephonische Zeugenaussagen erhalten und mehr als 100 Opfer getroffen, die gekommen sind, um mir die Übeltaten einer gewissen Medizin zu schildern, die mit «medizinisch» nur den Namen gemeinsam hat. Und beim Anhören dieser oft dramatischen Berichte ist mir allmählich immer mehr bewußt geworden, welche Verbindungen zwischen den Sekten und den alternativen Medizinen bestehen.

  3. Geschichte der Mutter von Cecile

    Im zweiten Bericht geht es um Cecile, ein sehr junges Mädchen, Jounalismus- Studentin, die eine erstaunliche Reife aufweist und kurz nach dem Tod ihrer Mutter zu mir Verbindung aufgenommen hat. Sie war geschockt, unfähig zu akzeptieren, daß ihre Mutter vorzeitig sterben mußte. Und das nur wegen der Fehler eines Arztes, der sie von den für ihre Krankheit notwendigen Maßnahmen fern gehalten hatte.

    Die Tatsachen

    Erst am 18.01.1995, mindestens zweieinhalb Jahre nach dem Auftauchen eines Tumors an der rechten Brust, den Dr. G. mit «conjonctil viscum album» und Tonerde-Umschlägen behandelt hat, sucht ihre Mutter zum ersten Mal einen seriösen Gynäkologen auf. Sie lässt sich also durchuntersuchen mit Ausnahme der Scintigraphie, die sie auf Anraten des Dr. G verweigert! Sie muß am 27.01.1995 eine Mastectomie mit curage axillaire (Brustentfernung mit Sektion der Achsellymphe) über sich ergehen lassen und anschließend eine Kobalttherapie. Aber sie verweigert die Chemotherapie, da diese mehrere nachteilige Folgen erwarten ließe (ihre Jugend, ein großer Tumor etc.). Dr. G. verschreibt ihr Spurenelemente, Vitamin A, viscum album und Serocytol-Zäpfchen. Aber sie geht dann am 27.10.1996 wieder zu ihrem Gynäkologen zu einer Generaluntersuchung und läßt sich endlich überreden, eine Polychemotherapie zu akzeptieren. Nach einer anfänglichen realen Besserung der Beschwerden können die zu spät angewendeten Chemotherapien und Bestrahlungen ihren Tod am 11.08.1997 nicht mehr verhindern. Es ist noch zu bemerken, dass sie zwischenzeitlich eine Bluttransfusion verweigert und freiwillig ihre Schmerzmittel reduziert hat.
    Der Gynäkologe sagt in seinem Abschlußbericht: «Wenn die Patientin bestimmte Untersuchungen oder Behandlungen verweigerte - was immer wieder der Fall war - gab sie oft als Begründung den Rat des Dr. G an, in den sie ein ebenso erstaunliches wie unerschütterliches Vertrauen setzte.» Er fügt hinzu, dass er von diesem Arzt niemals einen Brief erhalten habe, obwohl er ihn regelmäßig schriftlich über den Verlauf der Krankheit auf dem Laufenden gehalten habe.

    Einige Überlegungen zu dieser ebenfalls dramatischen Geschichte

    1. Dr. G. war zum Zeitpunkt dieser Geschehnisse ein in der Region Lille wohlbekannter homöopathischer Arzt. Nach den Aussagen von Cecile ist er ein wütender Gegner der klassischen Medizin, die er « ohne Zurückhaltung diabolisiert und mit der größten Verachtung ansieht». Schon im Jahr 1996 hat er anlässlich des Todes von Evelyne B. von sich reden gemacht.
    2. Dr. G . hat seine Patientin zwei Jahre lang in totaler Unwissenheit über die Art ihrer Krankheit gehalten. Er hat sie erst in einem Stadium an einen Chirurgen überwiesen, als eine Operation unerlässlich geworden war. Er hat seiner Patientin von der klassischen Chemotherapie abgeraten, hat für die in bescheidenen Verhältnissen lebende Frau sehr teure homöopathische Behandlungen bevorzugt und ihr eine sehr strenge und magere Diät verschrieben .
      Im Namen der Philosophie seiner Sekte hat er seine Patientin unter starken Schmerzen sterben lassen. Der Hippokratische Eid verpflichtet uns aber, in allen Fällen, wo wir unsere Kranken nicht mehr heilen können, wenigstens ihre Leiden zu lindern.

      Er hat den Ehrenkodex der Ärzte weitgehend verhöhnt, der verlangt:

      1. daß der Arzt sich über die Fortschritte der Wissenschaft auf dem laufenden halten muß, um seinem Patienten die bestmögliche Versorgung zu gewährleisten,
      2. daß der Arzt seine Kompetenzen nicht überschreiten darf,
      3. dass der Arzt seinen Patienten durch seine philosophischen, religiösen und politischen Überzeugungen nicht verletzen darf.

      Was also hat Dr. G. gemacht?

      Er hat den Einfluß, den er auf seine Patientin ausübte und ihren Zustand der Schwäche ausgenützt, um sie zu indoktrinieren und in seine Sekte einzuführen.

      Dr. G. hat unter falschem Namen mehrere Bücher geschrieben, die er seinen Patienten zu lesen gibt. Die Dame, um die es sich handelt, ist während ihrer Krankheit eine glühende Anhängerin der Grals-Sekte geworden,

      • die die klassische Medizin verachtet,
      • die die Strahlenbehandlung ablehnt, weil sie «Löcher in den astralen Leib macht»,
      • die das physische Leiden bejaht, weil es verdienstvoll sei und ein glücklicheres Leben im Jenseits sichere.
      • In seinem Buch «Der an der Zivilisation erkrankte Mensch» versichert er, dass der Mensch für seine Krankheit selbst verantwortlich sei, dass er sich diese im Laufe eines seiner früheren Leben zugezogen haben könne, oder auch, dass ein Karma der Krankheiten existiere, das es notwendig mache, jetzt zu leiden um nach seinem Tod ein besseres Leben zu haben,
      • und endlich, dass der Arzt nicht wirklich die Rolle des Therapeuten habe, sondern dass er nur ein einfacher Lebensberater sei.

      Sie war total unter dem Einfluß des Guru, eines wichtigen Verantwortlichen des Gral im Departement Nord von Frankreich. Sie verweigerte jedes In-Frage-Stellen und schloß sich von ihren Freunden und Verwandten ab, indem sie alle zurückwies, die nicht ihre Überzeugung teilten. Ihre Tochter Cecile konnte kühlen Kopf bewahren. Nicht so deren jüngere Schwester, die ihrer Mutter in die Sekte folgte und die größten Schwierigkeiten hatte, aus diesem geistigen Gefängnis wieder heraus zu kommen, nachdem ihre Mutter gestorben war.

    3. Wie soll man nicht beunruhigt sein, wenn man weiß, dass Dr. G. und seine Kollegen, gleichfalls Mitglieder des Gral, seit mehr als 2o Jahren einen der wichtigsten Homöopathiekurse in Belgien abhalten?

    4. Dr. G. ist schließlich aus dem Arztberuf ausgeschlossen worden. Er fährt aber fort, für eine der wichtigsten Firmen, die homöopathische Medikament erzeugen, Vorträge zu halten und seine Medizin in zwei verschiedenen Ordinationen (Tournai und Brüssel) zu praktizieren.

  4. Der Fall der Frau N.

    Im Mai 2002 wird nach einer Brustuntersuchung durch Dr. L. ein offensichtlich plurifokales Kanal-Karzinom festgestellt. Die Operation wird für Juni geplant.
    Bevor sich Frau N., 38 Jahre alt, talentierte Pianistin und Mutter zweier kleinen Kinder, zur Operation entschliesst, konsultiert sie Dr. VDB. Sie ist überzeugt, dass die Amputation ihrer Brust ihre musikalische Karriere ruinieren wird. Die Anamnese dieses Arztes, eines Anhängers von Dr. Hamer und Sabbah bringt ans Tageslicht: «Sie hatte eine Großmutter, die zwei Kinder durch tragische Umstände verloren hatte; eines wurde von einem umstürzenden Kasten erschlagen, das andere starb noch vor der Geburt; sie war dadurch ganz gebrochen und starb bald danach.»
    Dr. VDB notiert außerdem : «Das Ziehen eines Weisheitszahnes im Jahr 1992 wurde als eine Verletzung erlebt.»

    Als der Gynäkologe, der die anfängliche Diagnose gestellt hat, erfährt, daß die Frau von Dr. VDB «behandelt» wird, bringt er beim Conseil de l'Ordre eine Klage ein, die zur Folge hat, daß Dr. VDB mehrere Male aufgefordert wird, seine Patientin in die klassische medizinische Behandlung zurück zu schicken. Während dessen hat die Frau mit ihren in Japan lebenden Eltern Kontakt aufgenommen und die für die Krankheit ihrer Tochter verantwortlich gemachte Mutter konsultiert einen Schamanen, um herauszufinden, was sich in ihrem früheren Leben und bei ihren Ahnen ereignet hat! (Nach Hamer ist die Erkrankung der linken Brust die Folge eines Konfliktes mit der Mutter!).
    Nach endlosem Zaudern und weil sich in ihrem linken Arm trotz der Heilungsversprechen des Dr. VDB ein lymphatisches Ödem entwickelte, ging die Patientin endlich zu einem Onkologen.

    Ein Kollege, berühmter Gynäkologe und Universitätsprofessor, ist der Meinung, daß Dr. VDB wegen eines holistischen und verrückten Zugangs zu seiner Patientin Komplize ihrer Ängste geworden ist und ihre Ablehnung der Behandlung verstärkt hat.

    Dr. VDB hatte Anne V. im Jahr 1986 kennen gelernt, als er sie bezeichnenderweise zu einem wichtigen Kongress für alternative Medizin in Monaco begleitete, und er hatte sie in ihrer neuen beruflichen Ausrichtung bestärkt. Dieser Arzt und Homöopath hat sich seit Beginn seiner Karriere durch eine sehr eigenartige Form der Praxis hervorgetan:

    • Sein sehr ungewöhnliches äußeres Erscheinungsbild, sein auf der Brust weit offenes weißes Hemd, das ein groß dimensioniertes Kreuz aus Holz sehen läßt, und eine sehr religiös gefärbte Redeweise.

    • Als professionell Vortragender spricht er vor einem großen Auditorium von treuen Anhängern seiner Ideen: von jüdisch- christlichen Symbolismus der menschlichen Anatomie, vom Symbolismus der Wechsel- Symptome, vom spirituellen Sinn der Menopause und von den Behandlungen, die er «evolutiv» d.h. fortschrittlich nennt im Gegensatz zu den klassischen Behandlungen, die er als vergleichsweise nur palliativ (lindernd) bezeichnet. Unter dieses « evolutiven» Behandlungen figurieren durcheinander Homöopathie, Osteopathie, Akkupunktur, Kinesiologie, Metamorphose, konstruktivistische Psychotherapien, die Aromatherapie, die Gemmotherapie, die Lithotherapie, die Ernährung, Tai-chi, der Gesang, die Meditation, das Gebet usw.,...
    • Er ist ein glühender Verteidiger der revisionistischen Theorie in Bezug auf AIDS.

      • Der Virus von AIDS sei nicht offensiv. Es gäbe keine AIDS- Epidemien in Afrika. Der Aids-Virus sei niemals identifiziert worden und die in den offiziellen Magazinen veröffentlichten Photos seien gefälscht. Der Test von HIV-positiv-Sein sei manipuliert worden. Wenn also AIDS keine ansteckende Krankheit ist, wozu braucht man dann ein Präservativ? Ebenso wie etwa zehn andere belgische frankophone Ärzte, hat er sich mit Leib und Seele der Verteidigung der neuen Medizin des Dr. Geerd Hamer verschrieben.
      • In der Meinung dieses Arztes, der in Deutschland seit 1987 Praxisverbot hat, entstehen alle Krankheiten im Gehirn. Sie sind immer die Folge eines dramatischen psychischen Schocks, der, in der Isolation erlebt, das Funktionieren eines ganz bestimmten Teils unseres Gehirns durcheinanderbringt, und der dann an die von ihm regierten Organe anarchische Befehle schickt
      • Welches Organ erkrankt, hängt von schlecht bewältigten Konflikten des betreffenden Menschen ab.
      • Ebenso entsteht der Krebs der linken Brusthälfte durch einen «Nest- Konflikt» mit der Mutter, während der Krebs der rechten Brust auf einen Konflikt mit dem Partner oder mit erwachsenen Kindern hinweist.
      • Knochenkrebs hat seine Ursache in einer Zerstörung des Selbstwertgefühls, .
      • Hodenkrebs oder Prostatakrebs kommt von dem virtuellen oder realen Verschwinden eines Kindes.
      • Der Krebs der Harnblase ist verbunden mit einem Konflikt wegen Abgrenzung eines Territoriums.
      • Leberkrebs wird verursacht durch starken Groll gegen einen Angehörigen infolge einer Ungerechtigkeit. Er entsteht auch durch Geldprobleme und berufliche Eifersucht.
      • In dieser Medizin ist es das Entdecken des Konfliktes, das die wahre Heilung ermöglicht. Die erste Maßnahme muß die Einstellung von allen medizinischen Behandlungen sein. Nach Hamer entspricht die Entstehung der Krankheit ihrer Heilung, und nichts darf unternommen werden, was diese stören könnte. Oder in anderen Worten, das innere Ungleichgewicht bleibt verborgen bis zu dem Augenblick, wo die Dinge beginnen in Form von Symptomen nach außen zu dringen. Daher geschieht es sehr oft, daß man sich Sorgen macht und einen Arzt ruft, wo man sich eigentlich freuen müßte
      • Die Krankheit zeigt uns an, daß psychische Konfliktsituationen nicht geklärt sind. Wenn wir uns dazu entschließen, diese Botschaften zu ignorieren, wird sich die Krankheit verschlimmern.
      • Hamer ist im Jahr 1997 durch ein Gericht in Köln zu 19 Monaten strenger Haft verurteilt worden, weil er einer Person in Gefahr die Hilfe verweigert hat. Er hat illegalerweise ärztliche Tätigkeiten ausgeübt, nachdem schon 3 Krebskranke gestorben waren, die er aus Sekteninteresse von der traditionellen Medizin abgebracht hatte.

    * Durch Dr. Sabbah wurde die Hamer- Theorie noch durch die psycho-genealogische Analyse «erweitert». Sie lehrt, daß wir aus unbewußter Familien- Loyalität das Leben unserer Vorfahren wiederholen. So sollen z.B. häufige Halsschmerzen davon kommen, daß ein Ahne während der Revolution guillotiniert worden ist, - Tag für Tag seit 170 Jahren. Wenn man diese Episode als Psychodrama spielt, verschwinden alle Symptome.

    Dr. Sabbah, ein Erbe Hamers, hält die Reden seines Meisters für das Wichtigste, das man denken kann, aber er schützt sich klug vor gerichtlicher Verfolgung, indem er seine Zuhörer, wenigstens in der Öffentlichkeit, auffordert, seriöse Behandlungen nicht mittendrin abzubrechen. Einer seiner Schüler, der eine 4-tägige Ausbildung mitgemacht hat, bezeugt aber, daß Claude Sabbah von der klassischen Medizin sehr schlecht spricht. Nachdem ich persönlich zwei jeweils 3-stündige Vorträge von ihm angehört habe, versichere ich, dass der Herr Doktor der Medizin, der sich aus dem Beruf selbst ausgeschlossen hat, bevor er aus der Liste gestrichen wurde, einen subtilen anti-medizinischen Kurs propagiert.

Provisorische Schlußfolgerungen

Marseilles März 2004